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Bürozipperlein : Von Kantinenkoma bis Whatsappitis

Der Rücken schmerzt, die Augen brennen, Müdigkeit nach dem Mittagessen – die Gute Nachricht: die Bekämpfung der Bürozipperlein ist gar nicht so schwierig Bild: Thomas Fuchs

Jeder kennt sie – die kleinen und großen Bürozipperlein: Rückenschmerzen, brennende Augen, Mittagstief. Aber mal ehrlich: Sind wir nicht oft selbst schuld?

          8 Min.

          In der Hausarztpraxis von Jens Wagenknecht im friesischen Varel strandet ein Patient mit Rückenschmerzen, aufgetreten sind sie nach Überstunden am Schreibtisch. „Wie war es denn Freitag beim Fußballtraining mit dem Rücken?“, will der Arzt wissen. Beim Sport war noch alles gut, bekennt der Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht. „Unser Körper spricht mit uns, wenn er Schmerz vermittelt: Beweg mich. Tu was Gutes für die Muskulatur“, erklärt ihm dann geduldig der Mediziner. Wagenknecht bedauert, dass solch einfache Dinge immer weniger Menschen präsent sind, die aber immer länger sitzend arbeiten, die Maus umklammernd, den Monitor im Blick. Rund 17 Millionen Deutsche verbringen 85 Prozent ihrer Arbeitszeit auf einem Bürostuhl, besagt eine Studie der AOK. „Steife Haltung mit hoher Grundspannung der Muskulatur ist auf Dauer schmerzhaft“, sagt der Arzt aus Friesland.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Dabei ist Vorbeugen kein Hexenwerk. Kleine Routinen bringen selbst Bewegungsmuffel auf Trab: Beim Telefonieren aufstehen, oft benötigte Unterlagen entfernt plazieren, so dass man gezwungen ist, sich zu erheben. Sich recken, strecken, so wie die Raststätten-Turner, die nach Stunden im Stau steif wie ein Brett sind. Das mag komisch aussehen, aber ein starker Rücken dankt es. Wer ein Einzelbüro hat oder im Großraum selbstbewusst genug ist, schwingt sich zu Hampelmännern auf, manche schwören aufs Seilspringen. Anfangs verlacht, inspiriert das Nachturner. Es muss ja nicht zugehen wie beim chinesischen Pausenhof-Drill. China spiegelt für Jens Wagenknecht ohnehin eine bemerkenswerte Entwicklung im Zeitraffer. „Dort erleben Sie eine Explosion von Rückenschmerzen und Diabeteserkrankungen, weil körperliche Arbeit drastisch abgenommen, Bildschirmarbeit zugenommen hat.“

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