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Kolumne „Nine to five“ : Prost Mahlzeit

  • -Aktualisiert am

Sogar die digitale Kaffeepause kann zuweilen zum Verhängnis werden. Bild: Getty

Im Homeoffice ist die Küche immer um die Ecke. Aber wieso bloß wollen neuerdings so viele Menschen, dass man in allen möglichen Videokonferenzen in die Tastatur kleckert? Die Kolumne „Nine to five“.

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          Mit der Ernährung im Homeoffice ist es so eine Sache. Der Kaffee aus der heimischen Maschine ist erst mal ein dicker Pluspunkt im Vergleich zur Büroküchenplörre. Die Versuchung, ganz ohne Kaffee und Frühstück direkt vom Bett an den Rechner zu wechseln, ist allerdings groß. Erstens ist die Küche immer um die Ecke, und man kann später immer noch essen. Zweitens braucht es den Kaffee gar nicht mehr sooo dringend, seitdem die Stunde Zugfahrt wegfällt und die halbe Stunde Fertigmachen fürs Büro. Macht anderthalb Stunden mehr Schlaf und weniger Appetit auf Kaffee. Mal ganz abgesehen davon, dass man in der heimischen Kaffeeküche ohnehin entweder keine oder immer nur dieselben Leute trifft – die Person, die neuerdings Partner und Mitarbeiter in einem ist. Oder eben die Kollegen unter 1,50 Meter Körpergröße, die gerade Weihnachtsferien oder aus anderen Gründen keinen Präsenzunterricht haben.

          Was das Mittagessen ohne Kantine angeht, ist das Internet eine Fundgrube für alle, die nach Monaten des Rückzugs in die eigenen vier Wände kaum mehr Ideen haben, was man noch so kochen könnte. Da finden sich „Meal Prep Pläne“, Einkaufslisten, Rezepte für Bowls und Soßen (auch vegetarisch und vegan), Steuertipps für Arbeitgeber, die Mittagessen für Homeoffice-Arbeiter mitfinanzieren wollen, bis hin zu einem Start-up, das wirbt: „Per App bestellt – Chef zahlt.“

          Auf die Spitze treiben es Filmchen und Karikaturen in den sozialen Medien. Da füllen Videokonferenzteilnehmer Alkohol in Teetassen und tarnen das hinterher mit abgeschnittenen Teebeutelschnüren, oder es werben Weinhändler mit „Top Weinen fürs Homeoffice – passt perfekt zu leichten Büroarbeiten und längeren Videokonferenzen“.

          Wenigstens sind jetzt erst mal die digitalen Weihnachtsfeiern vorbei, die von den Menschen das Kunststück verlangten, sich diverse Mahlzeiten vor dem Videokonferenzbildschirm einigermaßen ästhetisch zuzuführen, ohne wahlweise auf die Bluse oder in die Tastatur zu kleckern. Informeller Austausch gut und schön – der kommt ja echt zu kurz in Corona-Zeiten. Aber muss man zwingend die Backen voll haben, wenn man sich mal wieder mit den Kollegen über Nichtberufliches unterhalten möchte? Die digitale Mittagspause ist auch eine Idee aus dieser Kategorie – gut gemeint, aber schwer zu realisieren. Dann lieber doch eine digitale Kaffeepause. Zur Not halt koffeinfrei.

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autorinnen und Autoren über die Kuriositäten des Alltags in Büro und Hochschule.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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