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Branchenauswertung : Zeitarbeit bringt viele Einwanderer in Arbeit

Insgesamt sind derzeit rund 650.000 Menschen über Zeitarbeitsfirmen angestellt, wie es in der Auswertung heißt. Bild: dpa

Mehr als 40 Prozent der Zeitarbeiter sind Ausländer. Die Branche sieht sich damit als Integrationsmotor – und darüber hinaus als Sprungbrett für Berufseinsteiger.

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          Für Migranten und Bewerber ohne Berufsabschluss sind die Hürden auf dem Weg in Arbeit oft besonders hoch. Das gilt erst recht in der Corona-Krise. Der Anteil der Arbeitslosen in diesen Personengruppen ist laut amtlicher Statistik drei- bis viermal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Eine Branche aber erweist sich immer stärker als Beschäftigungsmotor für sie: die Zeitarbeit. Mehr als 40 Prozent der Beschäftigten dort sind mittlerweile ausländische Staatsbürger, fast 30 Prozent sind Beschäftigte ohne Berufsabschluss. Und selbst im Krisenjahr 2020 sind diese Anteile weiter gewachsen. Das zeigen aktuelle Auswertungen des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister (BAP), die der F.A.Z. vorliegen.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Anteil der Arbeitnehmer mit ausländischem Pass unter den Zeitarbeitskräften in Deutschland hat sich demnach von unter 20 Prozent im Jahr 2013 auf 42,2 Prozent im September 2020 mehr als verdoppelt. Ein Jahr zuvor, also vor der Pandemie, waren es noch knapp unter 40 Prozent gewesen. Insgesamt sind derzeit rund 650.000 Menschen über Zeitarbeitsfirmen angestellt. Einen Höchststand von rund einer Million Beschäftigten hatte die Branche im Jahr 2018 erreicht. Im gesamten Arbeitsmarkt sind rund 13 Prozent der Arbeitnehmer Ausländer (2013: 8 Prozent). Das Gastgewerbe hatte bis 2017 mit einem Drittel den im Branchenvergleich höchsten Ausländeranteil gehabt.

          Kritik von Grüne, SPD und Linke

          Kräftig gestiegen ist in der Zeitarbeit zugleich der Anteil der Beschäftigten ohne Berufsabschluss. Er hat sich von knapp 22 Prozent im Jahr 2013 auf 29,3 Prozent erhöht. Im Gesamtarbeitsmarkt liegt dieser Anteil derzeit bei knapp 13 Prozent, er ist seit 2013 nur geringfügig gestiegen. An zweiter Stelle hinter der Zeitarbeit liegt in diesem Vergleich ebenfalls das Gastgewerbe. Dort hat sich der Anteil der Beschäftigten ohne Berufsabschluss seit 2013 von 17 Prozent auf 22 Prozent erhöht. Die Auswertungen des BAP stützen sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit.

          Für den Zeitarbeitsverband sind sie ein klarer Beleg dafür, dass seine Branche eine bedeutsame Funktion als „Integrationsdienstleister“ wahrnehme. „Sie ermöglicht auch den Personen einen Zugang zur Arbeit, die es schwer haben, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, schreibt der BAP in seiner Analyse. Er wendet sich damit auch gegen die verbreitete Kritik an der Zeitarbeit als flexibler Beschäftigungsform.

          Vor allem Grüne, SPD und Linke sehen darin weniger eine Einstiegshilfe, sondern eher ein Mittel, um Löhne zu drücken und Risiken auf Arbeitnehmer abzuwälzen. Sie wollen daher die Zeitarbeit nach der Bundestagswahl weiter beschränken. Ob die bisher als Zeitarbeiter tätigen Ausländer und Geringqualifizierten dann automatisch eine andere, mindestens gleichwertige Anstellung finden würden, ist jedoch umstritten. Der BAP betont mit einer weiteren Auswertung die Rolle der Zeitarbeit als Sprungbrett für Berufseinsteiger: Auch der Anteil der jüngeren Beschäftigten bis 25 Jahre ist dort mit 16,7 Prozent höher als in allen anderen Branchen.

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