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Boni für alle : Mitarbeiter machen Kasse

Nur Bares ist Wahres? Nicht immer: Manche Firmen schenken ihren Mitarbeitern auch Brillen zur Motivation. Bild: dpa

Wenn die Geschäfte gut laufen, erhalten nicht nur Chefs üppige Boni. In vielen Firmen freut sich im Frühling auch das Personal über Sonderprämien. In einigen Branchen wird besonders viel gezahlt.

          7 Min.

          Schrei vor Glück? Man kennt das aus der Werbung - wenn Menschen an der Haustür Päckchen mit Schuhen entgegennehmen. Und wenn es statt Schuhen Geld gibt? Schreit anscheinend niemand. Eine „eher stille Freude“ verursache der Bonus von 8600 Euro, der in diesen Tagen das Konto jedes Mitarbeiters kräftig aufpolstert, so berichtet man bei Porsche - und das sei in den Büros nicht anders als am Band. Der Kenner genießt und schweigt. In anderen Unternehmen ist das Schweigen noch viel ausgeprägter, wie die Recherche dieser Zeitung zeigt: „Keine Auskunft“ lautet bei vielen die Antwort, wenn man nach Erfolgsprämien für die Mitarbeiter fragt, sei es Commerzbank oder Bankhaus Metzler, Willy Bogner oder Jack Wolfskin oder Rolf Benz.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Einige haben aber doch geantwortet, und siehe da: Porsche zahlt zwar auffallend viel, aber eine dicke Extrazahlung gibt es vielfach, wenn das Geschäft gut läuft. Hier und da gibt es auch Einkaufsgutscheine oder auch ein passendes Sachgeschenk. Eine kostenlose Brille jedes Jahr gönnt beispielsweise Fielmann seinen Mitarbeitern. Und das IT-Unternehmen Bechtle hat vor Weihnachten den mehr als 6000 Mitarbeitern ein Päckchen nach Hause geschickt mit einem Tablet-Computer drin. Diese Überraschung führte wohl hier und da tatsächlich zu einem Schrei vor Glück. Ob die Sonderzahlung nun aber voller Stolz per Pressemitteilung an alle Welt verkündet wird oder als große Geheimsache behandelt wird: Die Wirkung von Boni verpufft schnell, so die Beobachtung von Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

          Der Ökonom, der auf das Thema Arbeitszufriedenheit spezialisiert ist, warnt aber davor, deswegen die Erfolgsprämien gleich komplett zu streichen: „Man muss aufpassen: Die Mitarbeiter werden unzufrieden, wenn sie wissen, dass es dem Unternehmen gutgeht und man früher schon mal was bekommen hat.“ Wie viele Arbeitnehmer in Deutschland überhaupt in den Genuss von Prämien und Boni kommen, weiß aber auch Brenke nicht: „Das Material ist spärlich und mit Vorsicht zu genießen“, warnt er. Das Einzige, was er aus Zahlen des Statistischen Bundesamts klar ablesen kann: „Es gibt eine starke Differenzierung nach Leistungsgruppen.“ Die Bürohilfskraft, die bei Porsche oder Daimler durch den hohen Bonus gleich das Vielfache ihres regulären Monatseinkommens bekommt, ist also wirklich absolut eine Ausnahmeerscheinung. Vielmehr zeigt die Statistik: Wer ohnehin schon wenig verdient, bekommt im Durchschnitt nur 2 Prozent als Sonderzahlung, bei den Führungskräften sind es 11 bis 12 Prozent.

          Ein Extra fürs Mitkämpfen in der Krise

          Ob der Frühling nach einem guten Geschäftsjahr einen Extra-Geldsegen bringt, hängt auch davon ab, in welcher Branche man arbeitet, wie das Material des Statistikamts zeigt. Demnach ist ein Bonus für Mitarbeiter von Schlachtereien wahrscheinlich so selten wie ein vierblättriges Kleeblatt. Ihr Durchschnittslohn liegt ohne Sonderzahlungen bei 13,26 Euro und mit Sonderzahlungen bei 13,53 - also nur 27 Cent darüber. Das andere Extrem ist in einem Teilbereich der Medizintechnik zu finden. Dort verdient man im Durchschnitt 29,95 Euro ohne und 37,05 Euro mit Sonderzahlung. Was allerdings klar zu erkennen ist: dass tatsächlich dann Prämien und Boni an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden, wenn es dem Arbeitgeber besonders gut geht. „Man kann sehen, dass der Prozentsatz mit der Konjunktur schwankt. Von einem Höhepunkt bei 5,9 Prozent Sonderzahlungen im Jahr 2007 ging es in der Krise auf 4,9 Prozent runter und 2011 wieder auf 6 Prozent hoch“, so die Beobachtung von DIW-Forscher Brenke.

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