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Boni für alle : Mitarbeiter machen Kasse

Vielfach wird auch bemessen, was jemand konkret geleistet hat, damit die Firma vorankommt. Die Mitarbeiter von Unilever, von MTU Aero Engines oder von Bayer beispielsweise bekommen ihre Sonderzahlungen je nach individueller Zielerreichung. Unterm Strich können die Summen erklecklich sein. Bei Bayer gibt es für das vergangene Jahr zwischen 110 und 145 Prozent eines Tarifgehalts. Bei der Deutschen Bank werden einem Bonuspool bei entsprechender Leistung bis zu zwei Monatsgehälter entnommen. Auch wer bei der Sparda-Bank Baden-Württemberg arbeitet, bekommt seinen Bonus nach der Höhe der Zielerreichung zugemessen. „Gerade für uns als Dienstleister gilt: Der Erfolg ist das Ergebnis von ganz, ganz vielen Beratungssituationen, und das in einem umkämpften Bankenmarkt“, gibt Arnd Schillinger zu bedenken, Personalchef der Sparda-Bank Baden-Württemberg.

Keine Erfindung moderner Unternehmensführung

Boni für Banker, auch wenn davon die kleinen Angestellten profitieren, kommen gar nicht in Frage für die GLS Gemeinschaftsbank, wo es eine von der Belegschaft in einer geheimen Wahl angenommene Einkommensordnung gibt. „Wir verzichten auf Verkaufsanreize wie Boni“, heißt es bei der Bank: „So kommen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in den wirtschaftlichen Zugzwang, Produkte verkaufen zu müssen, die eigentlich gar nicht zu dem Kunden passen, der gerade vor ihnen sitzt oder am Telefon mit ihnen spricht.“

Eine Erfindung der modernen Unternehmensführung ist die Erfolgsbeteiligung übrigens nicht. Von Robert Bosch, der schon anno 1906 den Achtstunden-Tag einführte, könnte man annehmen, dass er schon in frühen Jahren seine Mitarbeiter mit Sonderzahlungen bei Laune hielt. Der erste Nachweis einer solchen Zahlung an die „Gefolgschaft“ im Hause Bosch stammt aber erst aus dem Jahr 1934. Für den guten Willen und die treue Mitarbeit gab es damals Geld, aufgestockt wurde für jedes Kind und für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit (ein Faktor, der noch heute in die Berechnung der Boni bei Bosch einfließt).

Tatsächlich gibt es aber noch längere Traditionen: Ernst Abbe, Gründer der Carl-Zeiss-Stiftung, führte im Jahr 1896 die erfolgsabhängige Mitarbeiterbeteiligung ein. Ziel war es, die Belegschaft fair am Erfolg des Unternehmens teilhaben zu lassen. Heute gibt es bei dem Optikkonzern mit Sitz auf der Schwäbischen Alb noch eine andere Überlegung: Die Erfolgsbeteiligung, so heißt es bei Zeiss, sei ein Instrument, das zur Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität beiträgt. Ein Punkt, den man auch bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall offen anspricht: mit 2,1 zusätzlichen Monatsgehältern ist das Leben in der ländlichen Idylle gleich noch einmal bedenkenswerter.

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