https://www.faz.net/-gyl-82tly

Boni für alle : Mitarbeiter machen Kasse

Manches Unternehmen hat zwar wohl in der Krise das Geld zusammengehalten, im Anschluss aber den Mitarbeitern ein Extra überwiesen fürs Mitkämpfen. „So eine Prämie ist sicher ein gutes Signal, wenn man mal eine spezielle Situation hinter sich gebracht hat, um noch mal danke zu sagen“, urteilt Henning Curti, Vergütungsberater bei EY. Ein Beispiel dafür ist der Autozulieferer ZF Friedrichshafen, der in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert: alle 41.200 ZF-Mitarbeiter in Deutschland erhalten eine Jubiläumsprämie von 100 Euro je Beschäftigungsjahr. „Je länger eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter an der Erfolgsgeschichte von ZF mitgeschrieben hat, desto größer wird das Geschenk“, sagt Achim Dietrich-Stephan, Vorsitzender des ZF-Gesamtbetriebsrats. Dazu gibt es eine betriebliche Erfolgsbeteiligung von 1100 Euro für jeden.

Mit einem Fixbetrag in gleicher Höhe für alle Mitarbeiter ist ZF unter den großen Arbeitgebern aber eher die Ausnahme, wie die F.A.Z.-Recherche zeigt. Am ehesten verbreitet sind solche Prämien noch in der Autoindustrie: 8600 Euro gibt es bei Porsche, 6540 Euro bei Audi, 5900 Euro bei VW, 4350 Euro bei Daimler - ganz gleich, ob in der Entwicklungsabteilung am neuesten Spritsparkonzept getüftelt wird oder in der Kantine Maultaschen auf den Teller geschöpft werden. Die Mitarbeiter des Schmierstoffspezialisten Fuchs in Mannheim erhalten 2000 Euro, der Lasermaschinenspezialist Trumpf zahlt 1440 Euro. Beim Optikkonzern Zeiss gibt es 1000 Euro, wobei ein Teil davon in Form von Genussscheinen gewährt wird. Die Mitarbeiter der Drogeriekette Rossmann erhalten einheitlich Waren-Rabattgutscheine über 420 Euro. Solche Beträge werden oft zwischen Betriebsrat und der Unternehmensführung ausgehandelt. Manchmal sind sie aber sehr unmittelbar vom Gewinn abhängig. Dann kommt es zu krummen Zahlen, wie etwa beim Gesundheitskonzern Fresenius, wo sich 2335 Euro errechnen, oder beim Autozulieferer Schaeffler, wo es genau 1005,19 Euro für jeden gibt.

Komplettes Monatsgehalt zusätzlich

Wenn alle gleich viel bekommen, ist das aus Unternehmenssicht vor allem praktisch: es gibt wenig zu rechnen und nichts zu verhandeln. Außerdem ist damit oft eine Botschaft verbunden, so die Einschätzung von Vergütungsfachmann Curti, der sich auf eine Umfrage unter 3000 mittelständischen Unternehmen aus dem vergangenen Jahr berufen kann: „Je kleiner das Unternehmen ist, desto größer ist der Aspekt der Zusammengehörigkeit: Wir ziehen alle an einem Strang, wie sind eine große Familie: Das signalisiert der Einheitsbetrag.“ Das muss man als Mitarbeiter nicht automatisch auch so sehen: Gleichmacherei gefällt nicht jedem. Curti warnt, dass es auch ziemlich demotivierend sein kann, „wenn man sich ein Bein rausreißt und der Kollege, der vor allem sich selbst optimiert, kriegt gleich viel“. Das gilt auch dann, wenn eine etwas andere Form der Gleichbehandlung gewählt wird: wenn alle Mitarbeiter einen bestimmten Prozentsatz vom Gehalt als Sonderzahlung bekommen. Auch wenn die F.A.Z.-Umfrage nicht repräsentativ ist, zeichnet sich doch ab, dass dies eine weitverbreitete Form der Erfolgsbeteiligung ist. Häufig werden dafür vorab bestimmte Renditeziele definiert. Je nachdem, ob diese erreicht oder sogar deutlich übererfüllt wurden, gibt es dann einen bestimmten Prozentsatz des Gehalts als Bonus.

Weitere Themen

Kitchen Possible

Küchen-Hersteller Leicht : Kitchen Possible

Die Küche entwickelt sich zum Statussymbol. Dem schwäbischen Mittelständler Leicht beschert das ein erstaunliches Wachstum – auch weil er Komplettlösungen fürs ganze Haus anbietet.

Topmeldungen

Kreuzung an der Taunustor Ecke Große Gallusstraße

Brexit-Banker in Frankfurt : Liebe auf den zweiten Blick

Der Goldman-Sachs-Banker Jens Hofmann ist wegen des Brexits von der Themse an den Main gezogen. Seiner Rückkehr in die Heimat kann er einiges abgewinnen – wie auch dem Wahlerfolg von Boris Johnson.
Typischer Fall: Ein handelsüblicher Rauchmelder unter der Decke

Nervig und nützlich : Wenn der Rauchmelder piept

Seit rund fünf Jahren sind die meisten Deutschen mit Rauchmeldern in ihren Privatwohnungen konfrontiert. Und Konfrontation ist das richtige Wort. Es piept zur Unzeit. Immer wieder. Wir haben uns einmal umgehört.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.