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Gescheiterte Bewerbungen : Leider müssen wir Ihnen mitteilen...

Viele, viele aufwändige Bewerbungen und kein Ertrag? Wie soll man da nicht verzweifeln? Bild: dpa

Online-Tools fleißig beackert, Vorstellungsgespräch gemeistert, Arbeitsvertrag unterschrieben - schön wär’s! Allzu oft scheitern Bewerbungen. Warum das Bewerben so viel Zeit und Nerven kostet.

          6 Min.

          Moritz Brill hat die Nase voll. Seit mehr als einem Jahr ist er auf der Suche nach einer neuen Stelle. Mit seiner bisherigen Position als Personalmanager im öffentlichen Dienst ist er zwar nicht gänzlich unzufrieden, doch sehnt er sich nach Abwechslung. „Etwas im Bereich Personalmanagement in einem Konzern könnte ich mir vorstellen oder aber eine Aufgabe im öffentlichen Dienst mit ganz anderen, neuen Inhalten“, sagt der Betriebswirt, der seinen wirklichen Namen aus nachvollziehbaren Gründen nicht in der Zeitung lesen will. Zwischen 50 und 60 Erstgespräche hat er geführt und an die 25 Bewerbungen losgeschickt. Dass bislang noch nicht der Traumjob dabei war, stört ihn weniger. „Was wirklich nervt, ist der enorme Zeitaufwand, den manche Bewerbung bedeutet“, sagt er.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Der Lebenslauf und die Dokumente, wie Zeugnisse oder Arbeitsproben - das alles sei vernachlässigbar, findet Brill. „Wer in einem Bewerbungsverfahren steckt, muss das eben einmal alles zusammensuchen und auf Stand bringen.“ Dann könne es jedes Mal aufs Neue wiederverwendet werden. Schlimm seien dagegen aufwendige Online-Tools. Dort müsse muss man zum Teil seitenlang irgendwelche Fragen beantworten. „Bis zu vier Stunden habe ich vor solchen Internetanwendungen verbracht.“ Mittlerweile hat Brill darauf keine Lust mehr. Wenn er sieht, dass ein Bewerbungstool sehr aufwendig ist, füllt er es gleich gar nicht mehr aus.

          Als Personalexperte ist Brill besonders empfindlich, wenn er den Eindruck bekommt, der Arbeitgeber bereite ihm unnötige Mühe. „Das zeigt mir natürlich auch, dass dort eine Form des Personalmarketings betrieben wird, die nicht unbedingt meiner Philosophie entspricht“, sagt er. „Dann möchte ich in dem jeweiligen Unternehmen oder bei der Behörde sowieso lieber nicht arbeiten.“

          E-Mail plus Anhang - das ist am beliebtesten

          Aber nicht nur Personalprofis, auch ganz normale Bewerber sind von komplizierten Verfahren abgeschreckt. Das zeigt die Studie „Bewerbungspraxis“, die die Universität Bamberg jährlich erstellt. Fast 80 Prozent der Befragten wünschen sich eine einfache Bewerbung per E-Mail. Lebenslauf, Zeugnisse und sonstige Dokumente möchten sie am liebsten schlicht als Anhang versenden. Nur knapp 9 Prozent mögen die bei Arbeitgebern durchaus beliebten Online-Formulare, ähnlich unbeliebt ist die klassische Papierbewerbung per Mappe und Post. Doch auch die ist keineswegs out, skurrile Beispiele gibt es zuhauf: Das ZDF etwa suchte 2015 einen „Corporate Social Media Manager“. Bewerben durften sich die sicherlich eher online-affinen Kandidaten jedoch ausschließlich auf dem Postweg. Und das Umweltbundesamt lehnt - Papierverbrauch hin oder her - E-Mail-Bewerbungen strikt ab. Allerdings immerhin mit dem Hinweis, das Amt begrüße „Bewerbungen auf umweltfreundlichem Papier“.

          „Bewerben kann eigentlich so einfach sein“, sagt der Personalmarketing-Experte Henner Knabenreich, der in seinem Blog häufiger solch kleine Kuriositäten aufspießt. Seine Beratungsfirma berät Arbeitgeber dabei, wie sie es besser machen - und ihren Internetauftritt und ihren Bewerbungsprozess in der digitalisierten Welt gut gestalten können. Mittlerweile gebe es schlaue Systeme, die sich mit Xing- oder Linkedin-Profilen von Bewerbern vernetzen und die Angaben einfach übernehmen könnten. Oder es gebe die Möglichkeit, der Internetbewerbung ein kleines Mini-Assessment vorzuschalten. Eine kurze Aufgabe, die zu lösen ist, um die grundsätzliche Eignung eines Kandidaten im Vorfeld abzuklären - und schon können sich Arbeitgeber wie Bewerber viele umständliche Fragebögen sparen.

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