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Vorzüge der Stenographie : Besser als Sudoku!

Bei Steno ist Konzentration gefragt. Bild: dpa

Braucht noch jemand Kurzschrift? Was als antiquiert gilt, kann in manchem Beruf, für Uni und Schule durchaus nützlich sein. Eine Reportage aus dem Steno-Kurs.

          4 Min.

          Bisher habe ich mich nicht zu alt gefühlt, um etwas Neues zu lernen, aber nach sechzig Minuten Stenographie-Kurs beginne ich zu zweifeln. Wie lange wird es dauern, bis ich die mehr als 80 Zeichen der Deutschen Einheitskurzschrift flüssig beherrsche? Ein Jahr – oder doch eher zehn? Lohnt sich die Mühe überhaupt?, frage ich mich, während mein Bleistift im Vier-Linien-Netz des Steno-Heftes nach Orientierung sucht. Wie groß war noch mal das G?

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Noch vor wenigen Stunden habe ich mir euphorisch ausgemalt, wie dieser Kurs mein Leben verändern würde. Nie mehr über mit Kugelschreiber beschmierten Zetteln brüten, um das eigene Gekrakel zu entziffern. Nie mehr überlange Gesprächsmitschnitte abhören, die ich nur deshalb machen musste, weil ich weder schnell genug schreiben noch tippen kann. Ich würde bei Meetings und Interviews künftig einfach mitstenographieren. Wie schwer das Ganze doch ist, muss ich wohl ausgeblendet haben, als ich mich spontan entschloss, das Angebot von Jascha-Alexander Koch anzunehmen.

          Der staatlich geprüfte „Lehrer der Kurzschrift“, wie er sich im Fachjargon nennt, hatte mich in der S-Bahn angesprochen, morgens, auf dem Weg zur Arbeit. Er hatte mich dabei beobachtet, wie ich mein Schreibheft aus dem Rucksack gezogen hatte, um mir Notizen zu machen – To-Dos, Termine, Ideen. „Wenn Sie so viel schreiben, wäre doch Stenographie was für Sie“, sagte er. Am Abend beginne in Langen ein Einsteigerkurs seines Stenographenvereins, der erste seit fünf Jahren. Ob ich nicht dazukommen wolle? Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, Kurzschrift zu lernen. Wie Schreibmaschinen oder Durchschlagpapier war sie für mich vor allem eines: Teil einer untergegangenen Bürokultur.

          Das stimmt auch – aber eben nicht überall. Im Bundestag etwa wird bis heute jede Rede, jeder Zwischenruf und jede Wortmeldung mitstenographiert. Die 33 Stenographen, die dort ihren Arbeitsplatz haben, sind allerdings Vollprofis: Sie schreiben fünf bis achtmal schneller als in ihrer normalen Handschrift. Es gebe auch keine Software, die in der Lage sei, all das verlässlich aufzuzeichnen, was die vielen Parlamentarier gerade sagen oder tun, heißt es auf der Bundestags-Internetseite – insbesondere, wenn in Debatten alles wild durcheinandergeht und viele gleichzeitig reden, heißt es dort.

          Das weiß auch jeder Journalist, der schon mit Software für Interviewmitschnitte gearbeitet und versucht hat, sich von künstlich intelligenten Systemen ein Transkript erstellen zu lassen. Die Ergebnisse werden zwar immer besser – verwendbar und zeitsparend ist aber längst nicht alles.

          Es gibt in der Regel keine Doppellaute

          Auch die Teilnehmerin am Steno-Kurs, auf deren Heft ich gerade schiele, um den Anschluss nicht zu verpassen, sieht noch den Wert der Stenographie. „Wir haben lange auf diesen Kurs gewartet“, sagt Sigrid Schenko. Die Diplomkauffrau hat sich zusammen mit ihren beiden Töchtern angemeldet. Tamara, 17 Jahre alt, will Steno können, bevor sie mit dem Studium beginnt – „zum Mitschreiben in den Vorlesungen“.

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