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Berufspendler : Immer in Bewegung

Zumutbar oder unerträglich: Pendlerleid und Pendlerglück liegen nah beieinander - nicht nur am Essener Hauptbahnhof. Bild: AP

Wie wir unseren Arbeitsweg zurücklegen, ist nicht egal. Berufspendler haben den Ruf, krank, dick und gestresst zu sein. Stimmt das? Und wen trifft es am meisten? Auftakt unserer Serie „Einfach mal anhalten“.

          8 Min.

          Wenn du zur Arbeit gehst, am frühen Morgen, wenn du am Bahnhof stehst mit deinen Sorgen: da zeigt die Stadt dir asphaltglatt im Menschentrichter Millionen Gesichter.“ So beginnt ein Gedicht von Kurt Tucholsky, und so beginnt bis heute der Tag für Millionen Menschen in Deutschland: Pendler. Sie sind zum Symbol für die Mobilität der modernen Gesellschaft geworden. Bewegung, Hektik und Beschleunigung prägen unser Dasein. Vierzig Jahre lang denselben Beruf an ein und demselben Ort ausüben? Heute ist das beinahe undenkbar. Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert - und mit ihr die Lebenswelt der Menschen. Flexibilität ist das neue Zauberwort. In einer Stadt wohnen, in einer anderen arbeiten: mit diesem Modell müssen sich viele anfreunden, die nicht ständig umziehen wollen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Nach einer Definition von Norbert Schneider sind strenggenommen all jene Erwerbstätigen, die nicht von zu Hause aus arbeiten, Pendler. „Egal, ob Sie nur kurz rüber ins Nachbargebäude gehen oder eine Stunde mit dem Zug in eine andere Stadt fahren: wer immer den Fuß vor die Haustür setzt, um zu seinem Arbeitsplatz zu gelangen, ist statistisch gesehen ein Pendler“, sagt der Statistik-Professor. Er muss es wissen. Für das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung arbeitet Schneider seit vielen Jahren am Thema Mobilität. Dabei interessiert ihn vor allem: Sind sehr mobile Personen wirklich die flexibleren, freieren Menschen, oder sind sie gerade wegen ihres ständigen In-Bewegung-Seins eher unflexibel, gebunden, vielleicht sogar unglücklich?

          Daten aus dem sozioökonomischen Panel, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung für FAZ.NET ausgewertet hat, zeigen, in welchen Berufsgruppen in Deutschland besonders viel gependelt wird. Die meisten Kilometer Wegstrecke zur Arbeit haben demnach Soldaten; mit durchschnittlich rund 117 Kilometern Pendelweg führen sie die Liste an. Dahinter rangieren IT-Berater, Hochschullehrer und Wissenschaftler, sowie Beschäftigte in der Baubranche. Teilweise gehören die vielen Kilometer Pendelstrecke zum Selbstverständnis dieser Berufe. Soldaten rechnen meist mit weiten Anfahrten zur Kaserne, in der IT-Beratung sind wechselnde Einsätze bei Kunden in ganz Deutschland gelebter Alltag. Und auch auf dem Bau gehören, je nach Projekt, Einsätze weit weg von zu Hause zur gängigen Praxis. Die kürzesten Arbeitswege haben der Statistik zufolge Reinigungskräfte und Verkäufer in Bäckereien; in diesen Berufen lassen sich meist problemlos Arbeitsplätze in den verschiedensten Wohnlagen finden. Unter den Höherqualifizierten fallen Grundschullehrer und Steuerberater durch relativ geringe Pendelstrecken auf - im Schnitt fahren sie rund 13 Kilometer weit zur Arbeit.

          Mit dem beruflichen Glück ist es allerdings so eine Sache: Wie die Datenbank weiter zeigt, gehen Unzufriedenheit mit der Stelle und eine weite Pendelstrecke nicht zwingend miteinander einher. So finden sich Putzkräfte und Bäcker mit sehr kurzen durchschnittlichen Arbeitswegen unter denjenigen, die gleichzeitig angeben, mit ihrem Beruf sehr unzufrieden zu sein. Umgekehrt sind die Soldaten unter den zufriedensten Arbeitnehmern - trotz weiter Pendelstrecken. Das gilt auch für Hochschullehrer.

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