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Berufliche Auszeit : Noch sind Väter in Elternzeit Exoten

  • -Aktualisiert am

Papa gehört mir. Zumindest für ein paar Monate. Bild: fotolia

Der Anteil der Väter, die für ihren Nachwuchs eine berufliche Pause machen, ist gering. Aber er wächst stetig. Die Unternehmen stellen sich auf eine familienfreundliche Personalpolitik ein.

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          Im ersten halben Jahr nach der Einführung des Elterngeldes sind 200 224 Anträge bewilligt worden, rund 60 000 im ersten und 140 000 im zweiten Vierteljahr. Die Wirtschaft ist erfreut. Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags sagte dieser Zeitung: „Das Elterngeld zeigt positive Wirkung.“ Nun müssten weitere Maßnahmen folgen. „Der angekündigte Ausbau der Kinderbetreuung muss zügig angepackt werden, damit die Rückkehr in den Beruf letztlich auch gelingt.“

          Es komme auch darauf an, das Angebot qualitativ zu verbessern. Eine Unternehmensbefragung der IHK-Organisation zeige, dass insbesondere die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten dringend flexibilisiert werden müssten.

          Ganztagsväter: Von 7 auf 8,5 Prozent

          Gestiegen ist im Verlauf der vergangene sechs Monate nicht nur die Zahl der Elterngeldempfänger, sondern auch der Anteil der Väter, die nach der Geburt eines Kindes eine Auszeit nehmen. Bundesweit lag er im ersten Halbjahr 2007 bei 8,5 Prozent. Im ersten Quartal waren es noch 7 Prozent gewesen. Und Erziehungsgeld, so heißt die herkömmliche und wesentlich niedrigere Familienleistung, die am 1. Januar vom Elterngeld abgelöst wurde, hatten im gleichen Zeitraum des Vorjahres nur 3,5 Prozent Väter beantragt.

          Markus Schmitz ist trotzdem skeptisch. Er ist Geschäftsführer der IGS Organisationsberatung und berät Unternehmen in Sachen Väter und Karriere. Männer befänden sich noch immer im Konflikt zwischen Kind und Karriere. „Sie stoßen mit ihren Ansprüchen im Unternehmen an Grenzen.“. Instrumente zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Teilzeit bis zur Kinderbetreuung, gebe es viele. Die Unternehmenskultur aber gebe es häufig nicht her, dass auch Väter sie nutzten. Wenn sie zwei Monate in Elternzeit gehen wollten, „stoßen sie auf Unverständnis bis hin zum Karriereknick.“

          Schmitz ist überzeugt davon, dass bei den Führungskräften angesetzt werden muss, um einen echten Kulturwandel einzuleiten. Auch eine steigende Erwerbstätigenquote der Frauen könne dazu führen, dass Partner die Kinderbetreuung in Zukunft gleichberechtigter aufteilen. „Das Gute am Elterngeld ist, dass zum ersten Mal Väter überhaupt mit einbezogen wurden“, sagt er und spielt darauf an, dass Paare nur dann 14 Monate lang 67 Prozent des letzten Nettogehalts bekommen, wenn sie sich die Kinderphase teilen.

          Ein „Top-Down-Prozess“ ist in Gange

          Optimistischer ist Hans-Georg Nelles. Auch er berät Unternehmen in Familienfragen, und er sagt, durch das Elterngeld könnten es sich viele überhaupt erst leisten, dass der Vater, der meist besser verdient, aus dem Beruf aussteigt. Nelles erwartet, dass der Anteil der Väter in Elternzeit noch steigen wird. Schließlich werbe die Bundesregierung mit dem Slogan „Krabbeln lerne ich bei Mama, laufen dann bei Papa“ dafür, dass Väter die letzten zwei Monate übernehmen. Väter in Elternzeit würden zunehmend Normalität, schließlich ginge der Anteil auf 10 Prozent zu. In den Unternehmen sei diese Thema ein „Top-Down-Prozess“, der bei den Vorgesetzten beginnen müsse.

          Begonnen hat er zum Beispiel bei der WDR Mediagroup, einem Tochterunternehmen des Westdeutschen Rundfunks. Dort ging mit Michael Loeb schon im November 2005 ein Mitglied der Geschäftsleitung für einen Monat in Elternzeit – und damit mit gutem Beispiel voran. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei dem Betrieb, der vor zwei Jahren als eines der familienfreundlichsten Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet wurde, ein wichtiges Anliegen, heißt es in Köln. Und sie sei die beste Bindungsmaßnahme.

          Studie: Commerzbanker wollen Auszeit

          Auch die Datev in Nürnberg hat die Väter im Blick. Seit Anfang des Jahres versendet die Personalabteilung „Väterbriefe“, in denen sie frischgebackene Väter über ihre Möglichkeiten informiert. Datev habe sich das Credo gegeben, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern, sagt ein Sprecher. „Dann können wir doch keine Ausnahme bei den Vätern machen.“

          Derzeit sind elf der 163 Mitarbeiter in Elternzeit Väter. Nicht viele. Aber vor dem Elterngeld waren es bloß ein bis zwei Männer im Jahr, nun acht bis neun. „Wir wollen dahin, dass Väter es als normal ansehen, das zu tun“, heißt es bei der Datev. Das will auch die Commerzbank. Dort gibt es seit zwei Jahren ein Väter-Netzwerk.

          Gerade hat eine unternehmensinterne Studie ergeben, dass Väter die Angebote der Bank für Eltern gut finden. „Aber wir befinden uns noch am Anfang eines Kulturwandels im Unternehmen, den man auch nicht verordnen kann“, sagt Personalmanagerin Barbara David. Angegangen werde deshalb unter anderem die Sensibilisierung von Führungskräften, um die Veränderung von Rollenbildern stärker in die Bank hineinzutragen. „Ziel ist es, dass Väter genau so selbstverständlich wie Mütter Instrumente wie zum Beispiel Elternzeit in Anspruch nehmen.“

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