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Beruf und Familie : Große Kinder, große Sorgen

Chillen, daddeln, bloß nicht aufräumen - wenn Teenager so ticken, bekommen berufstätige Eltern graue Haare. Bild: Getty

Dass Mitarbeiter mit kleinen Kindern mal Home Office machen oder pünktlich gehen – darauf sind alle eingestellt. Eltern von Teenagern haben das nicht mehr nötig. Oder?

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          Mit 14 Jahren beschloss Anette Schunder-Hartungs älterer Sohn plötzlich, „aus dem Bildungsbürgertum auszusteigen“. So jedenfalls habe er selbst das formuliert, sagt die Juristin. Und er ließ auch gleich Taten folgen: Er stellte das Lernen ein, musste ein Schuljahr wiederholen. „Er wollte chillen“, erinnert sich die Juristin. „Wenn er das Gymnasium verlassen und eine Lehre gemacht hätte – das hätten wir ja noch verstanden. Mein Sohn aber wollte nicht Bäcker oder Schreiner werden. Wenn ich ihn fragte, was er später mal machen wolle, sagte er, er plane zu ,hartzen bis zur Rente‘.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Dass Teenager in der Pubertät auf solche oder ähnliche Ideen kommen, ist nicht neu. Neu aber ist: dass in der heranwachsenden Generation weniger selbstverständlich ein Elternteil zu Hause sein wird, wenn kleine oder große Pubertätskrisen passieren. Mit Elternzeit, Elterngeld und dem Ausbau der Betreuungsinfrastruktur ist die Zahl der Doppelverdiener-Haushalte auch unter gut ausgebildeten Eltern nach oben gegangen. In den ersten zehn Jahren seit Einführung des Elterngeldes ist die Erwerbstätigkeit von Müttern ab dem zweiten Lebensjahr ihres Kindes erheblich gestiegen, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat zudem herausgefunden: Auch wenn noch immer viele Akademiker-Frauen nach der Elternzeit in Teilzeit arbeiten – die Teilzeit umfasst häufiger mehr Stunden als früher. Bei gut ausgebildeten Frauen gilt: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie zwei Jahre nach der Babypause in einer „großen Teilzeit“ von 23 bis 32 Wochenstunden arbeiten, ist deutlich gestiegen.

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