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Beruf und Familie : Vater, Vorgesetzter - und in Teilzeit

Mehr Zeit für die Kinder: Können und dürfen sich Chefs das erlauben? Bild: Frank Röth

Führungskräfte schrauben nur selten ihr Arbeitspensum runter, wenn sie Eltern werden. Das gilt vor allem für die Männer. Ein paar Ausnahmen gibt’s aber doch. Wir haben sie getroffen.

          7 Min.

          Veit Schwinkendorf ist so etwas wie ein Exot. Seit Juli arbeitet er in Teilzeit. Drei Tage die Woche ist er im Büro, zwei hat er frei: Zeit für die Kinder. Elf Jahre alt sind seine Zwillinge. An seinen freien Tagen holt Schwinkendorf sie von der Schule ab, hilft bei den Hausaufgaben oder fährt die Jungs zum Sport. Es ist schon das zweite Mal, dass der 51-Jährige eine solche Arbeitszeitregelung verhandelt hat: Auch bei seinem früheren Arbeitgeber hatte er eine 60-Prozent-Stelle. „Angefangen hat das Ganze eigentlich schon, als die Kinder in die Schule kamen“, erinnert er sich. „Ich wollte einfach auch unter der Woche regelmäßig für sie da sein.“

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Immer mehr Väter nehmen Elternzeit nach der Geburt eines Kindes oder reduzieren Arbeitsstunden, wenn die Kinder schon etwas älter sind, kurz: engagieren sich für die Familie. Schwinkendorf ist dennoch ein Ausnahmefall. Wegen seines Berufs: Er ist weder Lehrer noch überhaupt Beamter, auch kein einfacher Angestellter mit geregeltem Acht-Stunden-Tag. Stattdessen arbeitet er in der Unternehmensberatung, einer Branche, die eigentlich wegen langer Arbeitstage, Überstundenbergen und ständiger Dienstreisen als besonders familienunfreundlich verschrien ist. Und wegen seiner Position: Er ist Führungskraft - und das schon seit langer Zeit: Sowohl in seinem alten Job bei Roland Berger als auch heute bei Oliver Wyman war und ist der Energiefachmann als Partner tätig.

          Eine ungewöhnliche Konstellation. Denn die Vorbehalte gegen familienbedingte Aus- oder Teilzeiten sind in zwei Gruppen noch immer riesig: unter Männern und unter Führungskräften. Weil noch immer die meisten Führungskräfte männlich sind, trifft oft beides zusammen. „Männer, gerade in den Chefetagen, sind weiterhin sehr, sehr vorsichtig, was das Thema Teilzeit und Elternzeit angeht“, sagt Volker Baisch.

          Er muss es wissen. Der Geschäftsführer der „Väter gGmbH“ betreibt eine Beratung für Unternehmen, die durch Engagement für moderne Väter um qualifiziertes Personal werben möchten. „Wir haben Studien gemacht, die eindeutig zeigen, dass immer mehr Väter die Erziehung ihrer Kinder aktiv mitgestalten wollen“, sagt Baisch. Auch unter Führungskräften gebe es Fälle von Vätern, die nach dem Baby Elternzeit nehmen oder auf Teilzeit gehen. Bloß: „Laut sagen will das fast niemand“, weiß Baisch. Mal fürchteten diese Väter, als schwach zu gelten, mal fürchteten die Unternehmen eine allzu offene Abkehr von der Präsenzkultur.

          Die Mehrheit beschränkt sich auf zwei „Vätermonate“

          Statistiken zeigen gleichwohl, dass Väter wie Veit Schwinkendorf bislang noch die große Ausnahme sind. Im Jahr 2014 gingen fast 73 Prozent der erwerbstätigen Mütter einer Teilzeittätigkeit nach, aber weniger als 6 Prozent der arbeitenden Väter. Die wenigsten davon dürften zugleich Führungskräfte gewesen sein - ist doch der Anteil der Stellen für Führungskräfte in Teilzeit hierzulande ohnehin verschwindend gering. Insgesamt liegt der Anteil von Teilzeitführungskräften (Frauen und Männer) bei weniger als 10 Prozent, während Island, Luxemburg oder Schweden nach Angaben der Soziologin Lena Hipp jeweils auf zweistellige Prozentsätze kommen. Gerade erst zeigte eine neue Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, dass überdurchschnittlich viele Männer in Führungspositionen zurückhaltend damit sind, nach Auszeiten, Teilzeiten und Elternzeit von mehr als zwei Monaten zu fragen. Hochqualifizierte Männer fürchteten, Normen zu verletzen und dadurch stigmatisiert und diskriminiert zu werden, schreiben die Wissenschaftlerinnen Christina Klenner und Yvonne Lott.

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