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Beruf und Familie : Pflegedienst nach Feierabend

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Professionelle Hilfe hat nicht jeder: Pflege heißt persönlicher Einsatz Bild: dpa

Nicht nur Kinderbetreuung stellt Arbeitgeber vor Probleme: Immer mehr Mitarbeiter werden sich künftig um die Pflege älterer Angehöriger kümmern müssen. Für viele Betroffene ist das Thema noch tabu.

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          Die Hiobsbotschaft kam für Beate Franke völlig überraschend: Ihr jüngerer Bruder hatte einen schweren Unfall erlitten - und veränderte damit das Leben der gesamten Familie. Als er drei Monate später, immer noch mit schwersten Einschränkungen, zur Reha nach Bad Neustadt kam, brauchte er Unterstützung. Die Mutter konnte jede zweite Woche übernehmen, an den Wochenenden kam die Freundin, und jede zweite Woche war der Einsatz von Beate Franke gefragt. Jeweils von Dienstag bis Freitag reiste sie aus Stuttgart an, um dem passionierten Sportler und Musiker dabei zu helfen, sich auf das Leben nach dem Unfall einzustellen. "Es war sehr wichtig, dass ich dabei sein konnte", sagt sie heute, "für ihn und für mich." Aber möglich war es nur, weil sie ihren Job in der Datenverarbeitung bei der Allianz in dieser Zeit auf 60 Prozent reduzieren konnte. Schnell und unkompliziert hatte sie diese Lösung gemeinsam mit ihrem direkten Vorgesetzten gefunden. Erst ein Jahr später stockte sie ihren Zeiteinsatz wieder auf - um ihn dann wiederum ein paar Jahre später erneut zu reduzieren: dieses Mal auf 30 Prozent und für die Erziehung der ersten Tochter.

          "Ein schönes Beispiel", sagt Stefan Becker, Geschäftsführer der in Frankfurt ansässigen Berufundfamilie gGmbH, "leider nicht unbedingt ein klassisches." Große Unternehmen wie die Allianz haben sich unter dem Blickwinkel Kinderbetreuung schon in den neunziger Jahren mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf befasst und hierzu vor allem neue und flexiblere Arbeitszeitmodelle etabliert. Damit haben sie nun auch ein Instrument in der Hand, das sie für eine neue Herausforderung brauchen, die nun auf sie zukommt: die Unterstützung ihrer Mitarbeiter, wenn diese sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen. Unabhängig davon allerdings ist das Thema in deutschen Unternehmen noch weitgehend tabu - und das, obwohl es dringend auf der Agenda stehen müsste, wie nicht nur Becker findet.

          Zahlen sprechen für sich

          Die Zahlen sprechen für sich: Zwei Millionen Pflegebedürftige gibt es bereits heute, schon im Jahr 2020 aber wird es fast eine Million mehr sein. Und ein Großteil der Betroffenen wird auch in Zukunft zu Hause versorgt werden. Die Unternehmen werden sich auf die damit verbundene Mehrfachbelastung ihrer Mitarbeiter einstellen müssen. Bis jetzt allerdings, klagt Becker, liegt die Anzahl derjenigen, die bereits spezifische Hilfestellungen anbieten, im Promillebereich. Rund sieben Monate haben er und seine Kollegen recherchiert, um am Ende rund 30 Unternehmen zu finden, mit denen sie den gemeinsam mit Prognos erstellten Praxisleitfaden auch mit Beispielen aus der Praxis untermauern können. Der Leitfaden soll Arbeitgebern Instrumente an die Hand geben, mit denen sie der neuen Situation begegnen können.

          Dabei waren die Ansprüche gar nicht so hoch gesteckt. Keinesfalls, sagt der Experte, wolle man nun in der Frage der Pflege den gleichen Fehler machen wie vor zehn Jahren bei der Diskussion um die Kinderbetreuung - und nun von den Unternehmen fordern, sie sollten alle betriebseigene Alten- und Pflegeheime einrichten. Zwar gibt es auch heute schon positive Beispiele in diesem Bereich wie beispielsweise die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die bereits vor über zehn Jahren ein eigenes Seniorenstift gründete. "So etwas ist aber natürlich nicht für alle Unternehmen machbar und geeignet."

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