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Beruf und Familie : Pflegedienst nach Feierabend

  • -Aktualisiert am

Wo Arbeitgeber aktiv werden können

Insgesamt acht Felder zeigt der Praxisratgeber auf, auf denen Arbeitgeber aktiv werden können, angefangen bei der Arbeitszeit über spezielle Schulungsmaßnahmen für Führungskräfte, die bislang offenbar noch in keinem Unternehmen etabliert sind, bis hin zu konkreten Serviceangeboten wie einen Freiwilligenpool aus ehemaligen Mitarbeitern, wie er sich gerade bei der Caritas im Aufbau befindet. Wobei vor allem ein Bereich aus Sicht der Fachleute wichtig ist: Die Sensibilisierung für das Thema und die Unterstützung der Betroffenen in dem Moment, in dem der Pflegefall eintritt, beispielsweise durch das Vorhalten von Informationen oder Beratungsleistungen. Doch so einfach lässt sich das Thema offenbar nicht immer transportieren. Denn bislang, auch das ein Ergebnis der Marktanalyse von Berufundfamilie, wird es nicht nur von den Arbeitgebern aus der Arbeitswelt ausgeklammert, sondern oft auch von den betroffenen Mitarbeitern selbst. "Ich werde doch meinem Chef nicht sagen, dass ich nachts meine Mutter bei der Pflege meines Vaters unterstütze", so die typische Aussage einer Sekretärin, "dann hat der doch gleich Angst, dass ich meine Arbeit nicht schaffe." Über seine Kinder redet jeder gerne, über seine kranken Angehörigen nicht.

In der Praxis bedeutet das, dass es derzeit sogar in einigen größeren Unternehmen Angebote gibt, die von den Beschäftigten aber gar nicht nachgefragt werden. So arbeitet man im Lkw-Werk Wörth von Daimler-Chrysler bereits seit gut einem Jahr mit einem externen Dienstleister zusammen, der im Bedarfsfall kostenlos berät und Pflegekräfte vermittelt. In Anspruch genommen haben die Leistung bislang gerade einmal eine Handvoll Mitarbeiter, wundert sich der verantwortliche Leiter des Personalcenters, Harald Klein. Und von "sehr geringer Nutzung" spricht man auch bei der Deutschen Telekom und bei der Allianz, wo ebenfalls solche Leistungen vorgehalten werden.

„Das klären die meisten lieber in der Familie“

Daraus nun aber zu schließen, dass tatsächlich auch kein Bedarf da ist, finden die Personaler falsch. "Das Thema Pflege", weiß Brigitte Preuss, im Zentralbereich der Allianz zuständig für Chancengleichheit, "tangiert sehr stark die eigenen Werte, das klären die meisten vielleicht zunächst lieber innerhalb der eigenen Familie." Das bedeute aber nicht, dass das Unternehmen damit außen vor sei. Und auch Sylvia Stange, stellvertretende Leiterin Diversity bei der Telekom stellt fest, dass es auf der anderen Seite einen sehr großen Bedarf an Informationen gebe.

Entscheidend aber, darin sind sich Firmenvertreter, Experten und Betroffene einig, ist - wie beim Thema Kinderbetreuung - eine Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort, die es ermöglicht, Pflege und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Den von der Politik geplanten Rechtsanspruch auf ein Pflegejahr sehen daher auch alle Beteiligten zumindest skeptisch. Zum einen ist das Thema in den seltensten Fällen nach einem Jahr erledigt, zum anderen - so auch das Ergebnis anderer Studien - wollen die meisten Pflegenden weiterarbeiten. "Es war mir wichtig, bei meinem Bruder zu sein", so noch einmal Beate Franke, "aber es war auch ganz wichtig, dass ich weiterarbeiten konnte."

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