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Automobilbranche : Personaler unter Strom

  • -Aktualisiert am

Wer sich im Studium mit Elektroantrieben für Autos beschäftigt hat, ist gefragt. Bild: dapd

Viele Autozulieferer arbeiten derzeit an ihrer eigenen Zukunft: Sie entwickeln neue Batterien für Hybrid- und Elektroautos und suchen dafür händeringend Fachkräfte.

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          Zweitausend neue Leute muss Georg Klotz in den nächsten vier Jahren einstellen. So hat es die Konzernleitung in Amerika geplant, so muss es umgesetzt werden. Klotz wird sich also etwas einfallen lassen müssen, damit er die Leute bekommt, die er braucht. Als Personalchef für die Batteriesparte des amerikanischen Technologiekonzerns Johnson Controls in Europa ist die Mammutaufgabe, die Belegschaft von 3500 auf 5500 Beschäftigte zu vergrößern, sogar noch etwas schwieriger zu erfüllen.

          In der florierenden deutschen Autoindustrie ist es ja ohnehin etwas anders als in anderen Branchen: Nicht die jungen Uni-Absolventen konkurrieren um die Stellen, sondern die Unternehmen rangeln um die jungen Ingenieurstalente. „Wir suchen vor allem Physiker, Chemiker, Maschinenbauer, Elektrotechniker und Verfahrenstechniker“, sagt Klotz. Denn solche Leute können Batterien entwickeln und herstellen – das wichtigste Bauteil in künftigen Hybrid- und Elektroautos.

          Kooperationen mit deutschen und internationalen Hochschulen

          Auch Leute aus der Nachrichtentechnik und Softwareentwicklung würden gesucht, weil die Batterien ein integraler Bestandteil des gesamten Antriebs sein werden. Um an die Männer und Frauen zu kommen, die so etwas können, kooperiert Klotz längst mit Universitäten in Hannover, Liberec und in Sankt Petersburg. Um die Bewerber anzulocken und für Johnson Controls zu interessieren, gibt es etwa das „Projekt 111“, bei dem ein Elektroauto entwickelt wird, das mit dem Tempo von 111 Stundenkilometern und einer Batterieladung möglichst weit fährt.

          Wenn es ganz eng wird mit jungen Fachleuten, will Klotz sogar neue Methoden zum Einsatz bringen: „Dann werde ich versuchen, meinen direkten Kontakt zu den Universitätsdekanen zu nutzen, damit die Ausbildung noch besser und schneller auf unsere Bedürfnisse abgestimmt wird.“ Kaum etwas ändern kann Klotz dagegen am Standortnachteil: In Europa produziert Johnson Controls in Hannover – und damit in einer Stadt, die nicht eben als die attraktivste im Land gilt.

          Fachkräfte mit besonderen Sozialleistungen locken

          “Wir versuchen, das durch kleine Bonbons wie einen Betriebskindergarten, kostenlose Sportaktivitäten und Gesundheitschecks ein wenig auszugleichen. Außerdem müssen wir die Leute nur erst einmal hierhin bekommen. Wenn sie wieder gehen, sind die meisten traurig“, sagt Klotz. Und das kommt oft vor: Anders als früher müssen junge Ingenieure schon nach drei oder vier Jahren im Beruf Verantwortung für ganze Projekte und für Kunden übernehmen und auch bereit sein, ins Ausland zu gehen. „Fast Trackers“ werden die jungen Erfolgreichen genannt.

          Johnson Controls ist unter den Zulieferern und innerhalb der Autoindustrie kein Einzelfall. Die deutschen Unternehmen der Branche beschäftigen allein in Deutschland mehr als 730 000 Mitarbeiter - das sind 25 000 mehr als vor einem Jahr. „Die deutsche Autoindustrie zeichnet sich durch hohe Innovationsgeschwindigkeit aus und braucht daher die besten Köpfe“, sagt Verbandspräsident Matthias Wissmann. Die Chancen seien groß: Das Auto bleibe ein Wachstumsmarkt, die Nachfrage auf der Welt bis zum Jahr 2020 werde um gut ein Drittel auf dann jährlich 90 Millionen Einheiten zunehmen. Schon heute kommt jedes fünfte Auto, das überhaupt verkauft wird, von einer deutschen Konzernmarke. Der Marktanteil bei Premiumfahrzeugen liegt bei 80 Prozent.

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