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Privatwagen schlägt Bahn : Berufspendler sind mit dem Auto schneller

Trotz vieler Staus im Berufsverkehr: Im Durchschnitt gerechnet sind Autopendler auf Distanzen von weniger als 25 Kilometern schneller als Bahnpendler. Bild: dpa

In Zeiten der Klimadebatte wäre es eigentlich angesagt, den Weg zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bestreiten. Aber das tun nur wenige. Tatsächlich haben Autopendler ein gutes Argument, wie eine neue Statistik zeigt.

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          Bus und Bahn statt Auto – in Zeiten der Klimadebatte scheint das die Devise für Berufspendler zu sein. Zahlen, die das Statistische Bundesamt an diesem Dienstag veröffentlicht hat, sorgen dabei aber für eine gewisse Ernüchterung, denn: Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, ist im Durchschnitt noch immer deutlich schneller am Ziel als die Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das gilt jedenfalls für die große Mehrheit der Berufspendler, die weniger als 25 Kilometer von ihrem Arbeitsplatz entfernt wohnen. Für solch kurze Distanzen benötigen den Angaben der Statistiker zufolge 89 Prozent der Pendler mit dem privaten Auto weniger als eine halbe Stunde Fahrzeit. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln schaffen es hingegen nur 56 Prozent der Berufspendler, unter der Marke von 30 Minuten Fahrzeit zu bleiben. 81 Prozent der Erwerbstätigen wohnen den Angaben zufolge nicht weiter als 25 Kilometer von ihrem Arbeitsplatz entfernt.

          Die Pendler verhalten sich älteren Angaben der Statistiker zufolge auch entsprechend: Das Verkehrsmittel der Wahl ist und bleibt für die große Mehrheit das Auto, das 68 Prozent der Berufstätigen für ihren Arbeitsweg nutzen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dagegen nur 14 Prozent. Sogar auf ganz kurzen Strecken von fünf Kilometern oder weniger spielen Busse und Bahnen keine große Rolle; nur 8 Prozent der Berufspendler nutzen sie. Satte 40 Prozent der Erwerbstätigen fahren dagegen sogar solch kleine Distanzen bevorzugt mit dem Auto. Immerhin: 28 Prozent der Berufstätigen, die sehr nah an ihrem Arbeitsplatz wohnen, gehen zu Fuß dorthin und recht viele benutzen auf dieser Strecke regelmäßig das Fahrrad.

          Soldaten und Schauspieler pendeln am weitesten

          Die Zahlen stammen aus der Mikrozensus-Stichprobe von 2016, sind aber die aktuellsten, die die Statistiker derzeit zur Verfügung haben. Berufstätige, die im Home-Office arbeiten oder ihre Praxis oder ihren Betrieb auf dem gleichen Grundstück haben, auf dem sie auch wohnen, wurden in der Analyse nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie diejenigen, die ständig wechselnde Arbeitsorte haben.

          Offen lassen die Zahlen auch, welche Berufsgruppen besonders häufig zur Arbeit pendeln und welche eher selten. Ältere Daten aus dem sozio-ökonomischen Panel lassen darauf schließen, dass Soldaten, Schauspieler, Bauarbeiter im Hochbau und Journalisten auf ihren Arbeitswegen die längsten Distanzen zurücklegen. Besonders wenig gependelt wird dagegen in der Landwirtschaft und unter Reinigungskräften.

          Egal ob Auto, Bus oder Bahn: Studien zeigen, dass es eigentlich gesünder wäre, langes Pendeln generell zu vermeiden. Mit zunehmender Länge der Pendelstrecke verringert sich nämlich die allgemeine Lebenszufriedenheit von Arbeitnehmern, wie etwa das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) herausgefunden hat. 40 Prozent der Fernpendler mit einfachen Fahrzeiten von einer Stunde oder länger berichten dem BIB zufolge von einem erhöhten Stressempfinden.

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