https://www.faz.net/-gyl-a6qm1

Unsere Corona-Helden : Aufgeben ist keine Option

  • Aktualisiert am

Büßt den Großteil seines Umsatzes ein: Wäschereibesitzer Jürgen Diener Bild: Sandra Schildwächter

Wir haben im Laufe des Jahres viele Menschen befragt, wie sie in Corona-Zeiten leben und arbeiten. Jetzt haben wir acht von ihnen noch einmal gesprochen. Sie kämpfen weiter gegen die Krise.

          7 Min.

          Der Wäschereibesitzer: „Wir werden durchhalten“

          Im März, als Deutschland zum ersten Mal in Deckung ging vor dem Coronavirus, hielt der Unternehmer Jürgen Diener aus Ebersburg in der hessischen Rhön es nicht für möglich, dass es noch schlimmer kommen könnte. Diener hat über vierzig Jahre einen Wäschereibetrieb mit drei Standorten und 240 Mitarbeitern aufgebaut; seine Kunden sind ein Krankenhaus und viele große Hotels, die sein Betrieb jeden Tag mit 70 Tonnen frischer Wäsche belieferte – bis die Seuche kam. Dann sank das Aufkommen schlagartig auf 6 Tonnen am Tag, Diener meldete Kurzarbeit für die Beschäftigten an, beantragte einen Überbrückungskredit über 2,5 Millionen Euro bei der KfW. „Aber damals hatten wir immerhin noch die Perspektive, dass es bald wieder aufwärtsgehen könnte“, sagt er heute. „Jetzt dagegen sind wir wieder bei 10 Prozent vom Umsatz und laufen gerade erst in den Winter rein. Das ist katastrophal.“

          Tanz statt Bolivien: Abiturientin Kiara Busse
          Tanz statt Bolivien: Abiturientin Kiara Busse : Bild: Privat

          Jeder Tag bringe derzeit rund 15.000 Euro Verlust, überschlägt Diener. Einen der drei Standorte hat er komplett geschlossen, der andere ist an einem Tag in der Woche in Betrieb, in der Zentrale wird an drei Tagen in der Woche gearbeitet. 60 Stellen sind inzwischen gestrichen. Wie wird die Zukunft? „Bis Anfang Oktober war ich zuversichtlich, dass es keinen zweiten Lockdown geben würde. Jetzt planen wir nur noch bis Mitte Januar. Weiter im Voraus macht es keinen Sinn.“ Jahrzehntelang ging es in dem Familienbetrieb um Wachstum, jetzt geht es ums wirtschaftliche Überleben. Ein herber Umschlag. Die Hoffnung allerdings will Jürgen Diener nicht aufgeben. „Das wird nicht jeder Betrieb aushalten, aber wir packen das.“ Ihm mache Mut, dass sich seine Firma als widerstandsfähig erwiesen habe. „Das Vor-Krisen-Niveau erreichen wir frühestens 2024 wieder, wenn überhaupt. Aber wir haben im vergangenen Sommer mit 60 Prozent Auslastung funktioniert, ohne Geld zu verlieren“, sagt er. „Nächsten Sommer schaffen wir das mit 50 Prozent Auslastung.“ Als neues Geschäftsfeld hat er die Reinigung von Berufsbekleidung ausgemacht, die ersten Handwerksbetriebe als Kunden gewonnen. An Weihnachten ist sonst Hochbetrieb in der Wäscherei, Restaurants und Hotels brauchen dann gewöhnlich besonders viel frische Wäsche. Dieses Jahr wird Jürgen Diener an den Feiertagen Zeit für seine Familie haben. Es ist ein schwacher Trost. lzt.

          Die Abiturientin: „Jetzt versuche ich was anderes“

          Die Abiturientin Kiara Busse hat das gemacht, wofür ihre „Generation flexibel“ womöglich irgendwann einmal besonders hervorgehoben wird: Sie hat umdisponiert. Im Sommer hat sie Abitur gemacht, dann wollte sie eigentlich ein freiwilliges soziales Jahr in Bolivien absolvieren, danach Psychologie studieren. Schon bei ihrer stark abgespeckten Abifeier war ihr klar: Das wird wohl nichts. Deshalb hat sie sich nach Alternativen umgeschaut und den Rat einer Berufsberaterin beherzigt: Wann, wenn nicht in dieser Zwangspause, könnte sie das tun, was sie immer schon im Hinterkopf hatte, aber doch nicht ernsthaft erwägen wollte?

          Weitere Themen

          NRA beantragt Gläubigerschutz Video-Seite öffnen

          Waffenlobby : NRA beantragt Gläubigerschutz

          Die einflussreiche Waffenlobbyorganisation National Rifle Association geht in den Konkurs. Damit will die NRA nach eigenen Angaben einem drohenden Auflösungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft an ihrem Sitz in New York entgehen

          Topmeldungen

          Eine Fußball-EM in ganz Europa wirkt im Moment wie eine Idee aus einer anderen Zeit.

          Bizarre Pläne für die EM : Das riskante Spiel des Fußballs

          Während die Infektionszahlen rapide steigen, machen bizarre Pläne zur Rettung der Europameisterschaft die Runde. Doch die Gedankenspiele gehen an der Realität der Pandemie vorbei. Forderungen nach einer Verschiebung werden lauter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.