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Attraktivität : Schöne Karrierechancen

Bild: F.A.Z.-Cyprian Koscielniak

Schöne Menschen erklimmen leichter die Karriereleiter. Sie erhalten mehr Vorschusslorbeer und Chancen. Doch weniger Attraktive können auf einen guten Gesamteindruck setzen. Dann kompensiert eine gepflegte Erscheinung Adlernase und Spaghettihaar.

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          Die Recherche ernüchtert und erntet zunächst ein klares "Nein". Nein, auf äußere Attraktivität komme es bei Bewerbern nicht an. Da zählten Fachkenntnisse und - natürlich, natürlich! - die inneren Werte. Nein, ob jemand etwas runder, kleiner geraten sei, leichten Silberblick und Hakennase habe, das spiele bei der Stellenbesetzung und Beförderung absolut keine Rolle (lesen Sie, was die Nutzer von FAZjob.NET dazu sagen - Umfrage: Schönheit macht Karriere). Das betonen Personalleiter großer Unternehmen, um dann ("Das schreiben Sie aber bitte nicht!") bei ausgeschaltetem Mikrofon zu relativieren: So ganz sei man von äußeren Eindrücken nicht frei. Hhm. Ja, eigentlich sei es schon so, dass bei gleicher Qualifikation den Attraktiveren der Vorzug gegeben werde. Man habe halt Kundenkontakt . . . Sie verstehen? Aber damit möchte man "auf keinen Fall zitiert werden". Der nervöse Nachdruck in der Stimme der Interviewten, die sich nicht so recht interviewen lassen möchten, ist unüberhörbar.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Denn das, was die Sozialpsychologie dokumentiert hat und der gefühlten Wahrnehmung der meisten Menschen entsprechen dürfte, ist alles andere als politisch korrekt: äußere Attraktivität ist ein Karrierebeschleuniger, gut Aussehende verdienen in der Regel mehr (siehe Kasten). Großgewachsene, sportliche Männer mit maskulinen Gesichtern dominieren die Führungsetagen. In Zeiten des Antidiskriminierungesetzes hören das die Personalleiter nicht gerne, kein Wunder, sie fürchten - nicht zu Unrecht - juristische Probleme, sollten sie auf Attraktivität setzen.

          Sie werden für schlauer gehalten

          Ärzte, die sich auf ästhetische Chirurgie spezialisiert haben, sind da weniger dezent. Sucht man das Begriffspaar "Schönheit & Karriere" im Internet, erscheinen Hochglanzpraxen, die werben: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance, Anziehungskraft lässt sich mit dem Skalpell herstellen. Der Hinweis fehlt nicht, dass inzwischen jede siebte Schönheitsoperation bei einem Mann erfolgt. Die Zahl der Erwachsenen, die mit einer Zahnspange Fehlstellungen korrigieren - und zwar nicht aus medizinischen Motiven - wächst.

          Schöne Aussichten - ein symetrisches Gesicht gilt als Karrierturbo
          Schöne Aussichten - ein symetrisches Gesicht gilt als Karrierturbo : Bild: Fotolia

          Sieht jemand nach landläufigen Einschätzungen gut aus, hat er etwa ein symmetrisches Gesicht, wie Verhaltensbiologen erklären, dann bewirkt er eine positive Voreinstellung bei seinem Gegenüber und löst die archaische Assoziation aus: Der sieht gesund und nett aus, der muss was können. "Der Punkt ist: Attraktive sind nicht schlauer, werden aber für schlauer gehalten und kriegen bessere Chancen im Leben. Das führt dann letztlich dazu, dass sie etwas mehr verdienen und etwas leichter Karriere machen. Da gibt es leichte Zusammenhänge", sagt die Münchener Wirtschaftspsychologin Mahena Stief. "Wir glauben, dass attraktive Menschen intelligenter sind, wir schreiben ihnen positive Eigenschaften zu, zum Beispiel eine höhere Sozialkompetenz und größere Zufriedenheit, das ist ein durchgängiger Effekt", erklärt die Lehrbeauftragte der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität.

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