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Attraktivität im Beruf : Schön + erfolgreich = Schön erfolgreich

Man sieht nur, was man weiß: Jasmin Leheta (links) empfiehlt Katharina die passende Kleidung für ihren Typ. Bild: Andreas Müller

Wer gut aussieht, macht leichter Karriere. Das ist die unschöne Nachricht. Wer mag, der kann an seinem attraktiven Auftritt feilen. Das ist die gute Nachricht. Besuch eines Stylingseminars.

          6 Min.

          Bevor es in den Seminarraum geht, dessen Stirnseite komplett verspiegelt ist, steht die Retusche am Waschbecken an. Ein schwüler Samstagmorgen, die neongrelle Beleuchtung sorgt für einen faden Wasserleichenteint und dafür, dass Augenringe und Falten - die nur Wohlmeinende Lachfalten nennen - unübersehbar sind. Das ist unangenehm, denn der Termin ist ungewöhnlich. Diesmal geht es nicht um Bilanzen und nüchterne Inhalte, sondern um den äußeren Schein, den gelungenen Auftritt im Leben, natürlich auch im Berufsleben. „Bin ich, was ich trage?“ heißt der Workshop, den die Volkshochschule Unterhaching so ankündigt: „Wie Kleidung und Styling auf andere wirken und welche Botschaft sie transportieren.“

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Um das von der Stylingexpertin Jasmin Leheta zu erfahren, sind sechs Seminarteilnehmer in den Münchener Vorort gekommen. Sie möchten in den nächsten vier Stunden erfahren, wie man sich „durch den bewussten Einsatz von Farben, Formen und Materialien von seiner besten Seite präsentiert“. Der „Sprachkurs in nonverbaler Kommunikation“, wie die VHS dichtet, erinnert daran, wie rasch man andere aufgrund ihres Erscheinungsbildes in eine Schublade steckt und selbst darin versenkt wird: Nämlich in wenigen Sekunden - die Wissenschaft hat sich auf sieben verständigt - machen sich andere ein unbewusstes Bild von uns. Und das ist zementiert, zumal in Selfiezeiten, die anfällig für Äußerlichkeiten jeder Art sind und diesen Primacy Effect, den Ersteffekt, munter bedienen.

          Um Vorurteile und vorschnelle Urteile auszubremsen, sind Fotos in Bewerberunterlagen in manchen Ländern untersagt. Hierzulande setzt sich das nicht durch. Es ist eine Binsenweisheit, dass der kulleräugige Polohemd-Knabe an der Fleischtheke die Wurstscheibe einfährt, während das nicht so hübsche Kind mit Silberblick, Rotznase und Schmuddel-T-Shirt öfter mal leer ausgeht. Es ist eben nicht Jacke wie Hose, wie jemand aussieht. Das ist bitter, denn ein Lob zu gutem Aussehen ist selbstverstärkend. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass Chefs ihren Körper mit Marathonläufen stählen und bierbäuchige Patriarchen ins Derrick-Zeitalter verweisen. Karrierewillige haben ihren Körper als Kampfzone definiert, wer nicht mithält, wirkt disziplinlos. Studien untermauern: Schöne Kinder bekommen bessere Noten, schöne Erwachsene finden leichter eine Stelle, steigen schneller auf, verdienen mehr. Großgewachsene Männer kommen auf der Karriereleiter müheloser voran, auch Männer mit Glatze, die wirken dominanter, wie eine Studie der Wharton University of Pennsylvania besagt. Was nicht für außergewöhnlich hübsche Männer wie Frauen gilt, die wiederum kämpfen mit Schön-aber-dumm-und-oberflächlich-Vorurteilen, bestätigen so aber die Regel - ihr Perfektionismus wird als künstlich-kalt empfunden.

          Keine zweite Chance für den ersten Eindruck

          Im noch steifen bayrischen Stuhlkreis sitzt Gerhard, dessen Tonfall den Norddeutschen verrät. Er ist der einzige Mann und repräsentiert das, was unter „sportlich-gepflegt“ bezeichnet wird. In gemütlicher Cordhose, Hemd und Blouson bekennt er, dass er gerne mit mehr Menschen in intellektuellen Austausch treten möchte. Ihm zur Seite seine ehemalige Lebensgefährtin und Vertraute, eine zierliche, temperamentvolle Französin mit schmaler Hose und dunkler Haarpracht. Gerhard wundert sich, warum hier keine Politiker sitzen: „Wo sind die, die gekannt werden wollen, die man aber nicht kennt?“ Wahlerfolg hänge auch von ansprechender Optik ab. „Die kommen zum Einzelcoaching“, klärt Kursleiterin Leheta auf und darüber, „dass es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt“.

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