https://www.faz.net/-gyl-87fq4

Attraktivität im Beruf : Schön + erfolgreich = Schön erfolgreich

„Man sollte seine Kompetenzen nach außen tragen“

Im Prinzip geht es ihr darum, dass jemand durchaus seinem Typ treu bleibt, aber hier und da etwas daran schraubt, mit seiner Kleidung und seinem Auftreten „seine Persönlichkeit zu zeigen, etwas ganz Individuelles“. Was besonders zurückhaltenden Menschen naturgemäß schwerfällt, die so aber noch leichter übersehen werden. „Ist jemand eher scheu, dann rate ich, etwas Markantes zu tragen, sei es, eine ungewöhnliche Uhr, ein ausgefallenes Armband aus Naturmaterialien, das an die letzte Reise erinnert, ein extravagantes Schmuckstück, eine Krawatte mit ungewöhnlichem Motiv. So werden Leute auf Sie als Mensch neugierig.“ Solche Details gäben anderen Fragen auf, forderten zum Gespräch auf. Dann werde gemutmaßt: Aha, da interessiert sich jemand für fremde Kulturen. Der strenge Kollege hat ja doch eine menschliche Seite und wälzt in seiner Freizeit nicht nur Akten. „Man sollte seine Kompetenzen nach außen tragen.“

Das ist ein Stichwort für Gerhard, der inzwischen Rentner ist, aber lange als Ingenieur in Afrika Projekte geleitet hat. Er klagt: „Ich bekomme Beifall von den uninteressanten Leuten.“ Er sollte die lässige Cordhose gegen dunkles Tuch tauschen, statt Blouson einen Blazer wählen, um rascher in anspruchsvolle politische Debatten einzusteigen. Dann falle Netzwerken leichter, verspricht die Kursleiterin. Für die modebewusste Katharina hat sie ebenso Tipps: Sie soll mit einem folkloristischen Accessoire aufwarten, sei es ein verspieltes Nickituch, „etwas mit Federn, Kork, Holz, Wolle oder Blattmotive“, Elemente, die einen Hinweis auf ihre Naturverbundenheit geben, ruhig mal derbere Schuhe tragen und ihre Eleganz leicht aufbrechen.

Zu Lehetas Klientel gehören viele Lehrer und Trainer, deren Schränke sie kritisch inspiziert, ausmistet und mit denen sie gegen ein Honorar einkaufen geht. Was diese eint: Sie treten eher als Kumpel der Kinder und Eltern in Erscheinung. „Ihnen rate ich, sich erwachsener zu machen, sich insgesamt hochwertiger zu präsentieren.“ Und dem Ingenieur, der gern Jeans trägt, sagt sie: „Jeans schreien nach Arbeit. Sie wollen doch die Ansage machen und nicht selbst die Straße pflastern?!“

„Achte auf Haltung!“

Grundsätzlich empfiehlt sie, die „Na-ja-Sachen im Kleiderschrank zu eliminieren“, und mahnt streng: „Finger weg von reiner Baumwolle.“ Sie setzt auf gute Materialien, rät zu Satin, Seide, Chiffon, einem leichten Glanz- und Elastikanteil. „Das ist businesstauglich und lässt Sie wertvoller wirken. Wertigkeit kann man anziehen.“ Auch „abgeschubberte Nähte“ hätten im Büro nichts zu suchen. Einer Bildredakteurin, die sich in harten Budgetverhandlungen durchsetzen muss, hat sie geraten, zu diesen Terminen auf ihre unkonventionelle Künstlerrobe zu verzichten und sich schwarz zu kleiden, am besten mit einem Lederteil. „Der Anzug ist ein Ritterschlag und eine Botschaft.“ Die Dame habe mit ihrem eher maskulinen Auftritt Erfolg gehabt.

Zum Schluss zitiert die Bloggerin ihren Mentor, der der Ansicht ist, dass sich im Alter ab 40 Jahren im Gesicht zeigt, „was man tatsächlich für ein Mensch ist, wie das wirkliche Wesen ist“. Ihre Mutter wiederum, eine Schauspielerin, habe sie ermahnt: „Achte auf Haltung und Mundwinkel, die rutschen nach unten und bleiben dann da.“

Attraktivität färbt ab

Wer den gängigen Schönheitsidealen entspricht, angefangen von einem symmetrisch geschnittenen Gesicht bis zu einer schlanken, durchtrainierten Figur, der profitiert gleich in mehrfacher Hinsicht: Er wird auch für klug und erfolgreich gehalten. Die Psychologie nennt das den Ausstrahlungseffekt oder Halo-Effekt: Ein positiv bewertetes Personenmerkmal strahlt aus, indem der Beurteiler auf das Vorhandensein weiterer positiver Merkmale schließt. Der Mensch ist schön, wir folgern daraus, dass er auch sportlich und gesellig ist. Menschen neigen dazu, ästhetische mit ethischen Kategorien zu vermischen, wer schön ist, ist auch gut. So werden weitreichende Schlussfolgerungen gezogen, die mit dem Ausgangsmerkmal nichts zu tun haben. Dieses Attraktivitätsstereotyp führt dazu, dass schöne Menschen positiver behandelt werden und um etwa 10 Prozent höhere Gehälter haben. Es gibt eine detailreiche, lange Forschungstradition zu diesen Wahrnehmungsverzerrungen, die wegführend Solomon Asch untersucht hat. Das ist relevant, weil sich diese Sichtweisen über sich selbst erfüllende Prophezeiungen stabilisieren. Man denkt, die hübsche Person sei auch schlau, und nimmt selektiv jene Dinge wahr, in denen sie sich intelligent verhält, die anderen Anteile ihres Verhaltens werden ausgeblendet. Durch diese Erwartungshaltungen entwickelt sich die Person auch positiv - es kommt zu urteilsstabilisierenden Interaktionen. Nur gilt das auch für Unattraktivität in die umgekehrte Richtung. Was in diesem Fall einen Teufelskreis eröffnet.

Topmeldungen

Mehr als Vater, Mutter, Kind: Frau Kirschey ist 98 Jahre alt und hat Covid-19 im März mit einem leichten Verlauf überstanden. Hier mit Tochter und Urenkelin.

Zusammenhalt in Corona-Zeiten : Familie ist mehr!

Seit mehr als neun Monaten hält uns die Pandemie in Atem. Für die Familien werden die Zeiten nicht einfacher. Und die Politik sendet fatale Signale. Ein Essay.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.