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„Arroganztrainer“ im Gespräch : „Zeitlupentempo kann sehr mächtig sein“

Peter Modler ist 65 Jahre alt und hat seit 1998 eine eigene Unternehmensberatung. Bild: Sebastian Magnani / 13 Photo

Unternehmensberater und Coach Peter Modler darüber, wie es geht, sich laut und langsam Respekt zu verschaffen. Warum Hauptsätze dabei helfen und die Autorität im Eimer ist, wenn man Unterbrechungen duldet.

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          Herr Modler, Sie sind Unternehmensberater und durch Ihr „Arroganztraining für Frauen“ bekannt geworden. Seriös zu argumentieren ist keine gute Strategie, sagen Sie. Warum nicht?

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Schauen Sie sich Trump an. Hilary Clinton hat sich akribisch auf das Thema Einkommensteuer vorbereitet und bringt Argumente. Trump lässt sie ins Leere laufen und sagt lediglich „Wrong“, das wiederholt er mehrfach. Oder ein Techniker hält einen detailreichen Vortrag, und der Vorstand sagt nur: „Damit holen Sie mich nicht ab.“ Das ist ein Trick. Mit einer Formel macht er den anderen platt.

          Aber plumpes Niedermachen kann nicht ernsthaft eine Alternative zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung sein?

          Kommt drauf an. Mein aktuelles Buch „Mit Ignoranten sprechen“ trägt den Untertitel, „Wer nur argumentiert, verliert“. Da treffen zwei Sprachsysteme aufeinander, das horizontale, dessen Währung Sympathie ist, das setzt auf High Talk, auf den Austausch von Argumenten. Und das vertikale System, wo es erstmal um Respekt und Rang geht und Basic Talk. Beide haben ihre Vorteile und Nachteile. Wenn sie nicht naiv oder fundamentalistisch auftreten, sind die ein Dreamteam. Sobald sich eins blind schaltet, ist es eine Geschichte der verpassten Chancen.

          Worauf basiert diese Theorie?

          Das geht zurück auf die Soziolinguistin Deborah Tannen, die sich angeschaut hat, wie Kinder kommunizieren und zwei Sprachsysteme ausgemacht hat: eine Gruppe, die egalitär funktioniert und eine, die die Rangordnung ausmacht. Beide Gruppen funktionieren in sich harmonisch.

          Haben Sie noch ein Beispiel, wie diese Systeme aufeinanderprallen?

          Nehmen Sie eine Konferenz von Wissenschaftlern. Der Professor ist verhindert, seine Assistentin vertritt ihn. Sie stellt sich in der Runde als Tanja vor, mit nur dem Vornamen als Zeichen von Zugehörigkeit, und bittet um eine Vorstellungsrunde. Manche kramen schon jetzt ihren Laptop raus, andere sprechen über die Bundesliga.

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          Was hätte die Frau anders machen sollen?

          Sie hätte sagen können „Ich bin die Moderatorin dieses Meetings“. Damit ist ihre Rolle hinreichend geklärt. Horizontale Leute sind innerhalb kürzester Zeit im Inhaltsmodus und in der Regel gut vorbereitet. Bei vertikalen Leuten geht es zuerst um orientierende Rangklärung. Es motiviert sie zu wissen, wer ist Chef, wer ist der Stellvertreter vom Stellvertreter. Dann erst kommen die Inhalte. Das finden horizontale Leute manchmal überflüssig und dümmlich.

          So eine Einsortierung hört sich tatsächlich verkrampft an.

          Sprachsysteme haben so etwas wie eine inhärente Unschuld, die denken sich nichts Böses dabei, jede Seite ist naiv. Aber die Horizontalen können leichter über ihr System nachdenken.

          In welchen Branchen wird denn wie aufgetreten? Als gelernter Zimmermann, promovierter Theologe, Arbeitsrichter und langjähriger Unternehmensberater kennen Sie verschiedene Milieus.

          Je näher Sie zum Maschinenbau kommen, um so vertikaler wird es. Ein Konzern wie VW ist fast so etwas wie eine vertikale Monokultur, während es in den Therapie oder Sozial-Branchen überwiegend horizontal zugeht. Wenn man von einem System in das andere kommt, gibt es ein Fremdsprachenproblem.

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