https://www.faz.net/-gyl-8nl9g

Arbeitszeiten : Hochqualifizierte und Männer tun sich schwer mit Teilzeit

  • Aktualisiert am

Männer trauen sich oft nicht, nach einer Arbeitszeitreduktion zu fragen. Bild: dpa

Auszeit, Teilzeit, Elternzeit: Oft wünschen sich das die Beschäftigten. Doch viele realisieren diesen Wunsch nicht. Knappes Personal, Angst vor Diskriminierung - das sind nur einige Gründe.

          1 Min.

          Vor allem Hochqualifizierte und Männer haben häufig Probleme, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren möchten. Das jedenfalls besagt eine neue qualitative Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Gründe seien mangelndes Verständnis von Vorgesetzten und Kollegen, eine rigide Arbeitsorganisation und Personalnot.

          Gerade von Männern in Führungspositionen werde Präsenz erwartet, so das Fazit der Wissenschaflerinnen Christina Klenne rund Yvonne Lott, die insgesamt 121 Interviews in zwei Industrieunternehmen, zwei Polizeibehörden und zwei Krankenhäusern geführt haben - mit Beschäftigten verschiedenster Hierarchieebenen und Experten.

          Heraus kam, dass vor allem Frauen Teilzeitstellen nutzen - eine Erkenntnis, die schon länger bekannte Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigt. Neu ist aber: Auch Frauen beschweren sich zum Teil darüber, dass sie Probleme haben, eine Arbeitszeitreduktion durchzusetzen - vor allem Ärztinnen, Polizistinnen und Ingenieurinnen berichten darüber.

          Bei Männern sind Wünsche nach Auszeiten vor allem dann von Chefs und Kollegen akzeptiert, wenn es sich um die zwei „Vätermonate“ nach der Geburt eines Kindes handelt, die nötig sind, um den Elterngeldbezug einer Familie um zwei Monate zu verlängern. Andere Teilzeiten seien für Männer schwierig auszuhandeln; die Männer selbst hielten eine Arbeitszeitreduktion oft nicht für umsetzbar oder scheuten davor zurück, im Kollegenkreis deshalb diskriminiert zu werden. Am wenigsten komme die Teilzeitarbeit in „typisch männlichen“ Berufen und in Führungspositionen vor.

          Eine Ausnahme bilden Auszeiten zum Zwecke der Weiterbildung. Diese werden gerade Hochqualifizierten mit höherer Wahrscheinlichkeit gewährt als anderen Mitarbeitern.

          Viel hängt der Studie zufolge auch von der generellen Personalausstattung ab: Fürchten Mitarbeiter, die sich eine Auszeit oder Teilzeitarbeit wünschen, dass dies auf den Schultern der Kollegen ausgetragen wird und zu deren Überlastung führt, sind sie den Wissenschaftlerinnen zufolge zurückhaltender mit Arbeitszeitreduktionen.

          Weitere Themen

          Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Studie : Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Die Gehälter der Chefs der 30 größten Konzerne in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 2 Prozent gesunken. Das betrifft allerdings nur die gewährten und nicht die ausgezahlten Gehälter.

          Fast niemand will mehr Manager werden

          Studie : Fast niemand will mehr Manager werden

          Es breitet sich die Manager-Müdigkeit aus: Beruflich wollen in Zukunft nur noch wenige eine Führungsposition übernehmen, wie eine neue Studie zeigt. Die Autoren mahnen die Unternehmen auf zu handeln.

          Topmeldungen

          Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

          Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.
          Das Oberste Gericht in Warschau (Archivbild)

          Justizreform in Polen : Richter gegen Richter

          In Polen spitzt sich der Streit um die Justizreform zu: Während das Oberste Gericht verhindern will, dass die 500 neuen Richter Urteile sprechen können, beschließt das Parlament ein Gesetz, um stärker durchgreifen zu können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.