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Ehegattensplitting : Hochzeit? Unfair!

  • -Aktualisiert am

Was ist hier Trumpf? Bild: dpa

Er bringt das Geld nach Hause, sie hält ihm den Rücken frei. So kannte und liebte es Herr K. Bis ein Doppelkopf-Abend ihn ins Grübeln brachte. Die Kolumne „Nine to five“.

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          Herr K. war Führungskraft in der Einkaufsabteilung eines mittelständischen Unternehmens, und er lebte ein recht traditionelles Familienmodell: K. brachte das Geld nach Hause, seine Frau kümmerte sich um Kinder und Haushalt und hatte – eher nebenher – einen 10-Stunden-Teilzeitjob. „Damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt“, wie sie zu sagen pflegte.

          Mehr als diese zehn Stunden wären auch nicht sinnvoll gewesen, dem Ehegattensplitting sei Dank. Wenn in der Politik in regelmäßigen Abständen über eine Splitting-Abschaffung nachgedacht wurde, schickte K. jedes Mal ein Stoßgebet zum Himmel, dass es erhalten bleiben möge.

          Denn wie unangenehm wäre es, käme seine Frau auf die Idee, mehr Zeit ihrem Beruf zu widmen. Wer würde seine Hemden bügeln? Den Kindern die Frühstücksbrote schmieren? Die Kindergeburtstage planen? K. musste sich auf seinen Job konzentrieren. Mehrere Baustellen gleichzeitig – damit kam er nicht gut klar.

          Samstagabend: Doppelkopf!

          So wie die Lage war, hatten K. und seine Frau meistens Zeit für ihre samstagabendliche Doppelkopfrunde. Sie spielten mit einem befreundeten Ehepaar. Für jeden Minuspunkt am Ende eines Abends mussten die Verlierer einen kleinen Betrag in eine gemeinsame Kasse einzahlen, aus der von Zeit zu Zeit ein schickes Restaurantessen finanziert wurde.

          An diesem Samstag verlor K. Es war schlimm. Runde um Runde bekam er kaum Trümpfe auf die Hand, die Frau des befreundeten Paars hingegen spielte gefühlt alle zwei Touren eine sogenannte Hochzeit mit K.s Frau. Für Regelunkundige: Bei einer Hochzeit tun sich zwei Spieler zusammen, wobei einer sehr gute Trümpfe hat – was ihn dazu berechtigt, überhaupt die Hochzeit zu spielen. Diese führt zudem dazu, dass das Paar häufig die Runde gewinnt.

          „Das ist unfair!“, polterte K. irgendwann, als seine Frau mit der Freundin die vierte Hochzeit gewonnen hatte. „Nächstes Mal spielen wir ohne Hochzeit“, maulte er. „Du bist ohnehin bärenstark. Sie hat eigentlich nichts, aber zusammen gewinnt ihr hoch und teilt euch den Gewinn.“ Ja, sagte seine Frau. „Genau so ist das eben mit dem Ehegattensplitting.“

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren über die Kuriositäten des Arbeits- und Hochschulalltags.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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