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Arbeitsteilung Frau und Mann : „Noch immer wie vor fünfzig Jahren“

  • Aktualisiert am

Hausfrau nach Feierabend - ein häufiges Bild. Bild: dpa

Der Ökonom Selim Jahan befasst sich eigentlich mit den Sorgen der Entwicklungsländer. Doch in einem aktuellen Interview hat er auch die Arbeitsteilung von Mann und Frau in der westlichen Welt aufs Korn genommen.

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          Nach Worten des Entwicklungsexperten Selim Jahan ist die Hausarbeit zwischen Männern und Frauen auch in der westlichen Welt nach wie vor ungleich verteilt. So liege die Kindererziehung meist immer noch in den Händen der Frauen, sagte Jahan, der Hauptautor des UN-Berichts über die menschliche Entwicklung ist, am Mittwoch in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn.

          In den Vereinigten Staaten hätten Männer im Jahr 1965 exakt 10 Minuten täglich mit ihren Kindern verbracht, Frauen 219 Minuten, führte Jahan aus. „Fünf Jahrzehnte später sprechen Männer stolz darüber, dass sie doppelt so viel Zeit mit ihrem Nachwuchs verbringen, nämlich 20 Minuten mit ihnen. Frauen kommen immer noch auf 218 Minuten.“ In vielen vermeintlich fortschrittlichen Gesellschaften des Westens sei es heute „noch so, wie vor fünfzig Jahren“, sagte Jahan. „Wenn Frauen von der Arbeit nach Hause kommen, fragen sie als erstes nach den Kindern. Wenn Männer von der Arbeit kommen, genehmigen sie sich als erstes ein Bier.“

          Mehr Digitalisierung in den kommenden Jahren

          Seit Herbst 2014 ist Selim Jahan zuständig für die Herausgabe des Weltentwicklungsberichts des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UN). Ende 2015 stellte der aus Bangladesch stammende
          Wirtschaftswissenschaftler die Zukunft der Arbeit in den Mittelpunkt seines Reports. In den kommenden Jahren werde sich die Arbeitswelt weiter digitalisieren, sagte Jahan in dem Interview.

          Für Menschen in Entwicklungsländern habe das Vor- und Nachteile: „Die Effizienz steigt. Unternehmen arbeiten immer stärker zusammen, die Produktion konzentriert sich nicht nur auf einen Standort, viele Menschen können also davon profitieren“, sagte er und nannte als Beispiel die Auslagerung von Callcentern nach Indien. Diese komme „den Menschen in Entwicklungsländern zugute, da sie neue Arbeitsstellen schafft. Aber sie führt natürlich auch zu Jobverlusten in den westlichen Ländern.“

          Dass Arbeit immer häufiger an digitale Strukturen gebunden sei könne aber auch ein Nachteil sein. „Immer noch haben viele Menschen keinen Zugang zu Computern oder Smartphones. Sie sind dann von der Entwicklung ausgeschlossen.“ Bei den anderen bestehe die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. „Selbst im Urlaub folgt uns das Büro: Smartphone oder der Laptop sind immer dabei.“

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