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Arbeitsrecht : Wie wehre ich mich gegen Mobbing?

  • -Aktualisiert am

Gegen Mobbing am Arbeitsplatz zu klagen, ist schwierig. Trotzdem sollten sich Betroffene Hilfe holen. Bild: dpa

Jeder dritte Erwachsene wurde schon einmal am Arbeitsplatz schikaniert. Warum eine Klage nur selten hilft und was Betroffene statt dessen tun können.

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          Vom Kollegen schikaniert, vom Vorgesetzten übergangen: Jeder dritte Erwachsene wird in seinem Leben Opfer von Mobbing, mehr als die Hälfte von ihnen bei der Arbeit. So lautet das Ergebnis einer neuen Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing. Mobbing – das ist mehr als einzelne Streitereien oder Meinungsverschiedenheiten während eines Projekts. Es geht um systematische Schikane über lange Zeit hinweg.

          Aber was können Betroffene eigentlich tun, wenn sie Mobbing-Opfer werden? Wer rechtlich gegen seine Widersacher vorgehen möchte, steht vor einigen Schwierigkeiten. Denn anders als in Schweden oder Frankreich gibt es in Deutschland kein Gesetz, das Mobbing am Arbeitsplatz eindeutig regelt.

          Dabei ist das Problem in Deutschland schon lange bekannt: Schon in einem Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus dem Jahr 2002 kam heraus, dass jeder neunte Deutsche mindestens einmal im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit gemobbt wurde. In mehr als der Hälfte der Fälle tolerierte der Vorgesetzte die Schikane oder war selbst dafür verantwortlich – dann ist auch von „Bossing“ die Rede.

          Dass es keine eindeutige gesetzliche Regelung für Mobbingfälle in Deutschland gibt, heißt nicht, dass Schikane am Arbeitsplatz erlaubt wäre. Grundsätzlich stellt Mobbing einen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht und einen Angriff auf das Grundrecht auf körperliche und seelische Unversehrtheit dar. Der Arbeitgeber muss diese gemäß seiner Fürsorgepflicht (§ 241 BGB) schützen. Unternimmt der Arbeitgeber nichts gegen das Mobbing seiner Angestellten, kann er haftbar gemacht werden. Der Betroffene kann vor dem Arbeitsgericht neben Unterlassung auch auf Schadensersatz klagen.  

          „Ellenlange Beweisaufnahme“

          Eine solche Klage sei in den meisten Fällen aber nicht zielführend, sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Joachim Wichert aus Frankfurt. Denn wer gegen seinen Widersacher vor Gericht ziehen wolle, müsse bis ins Detail nachweisen können, dass dieser eine unlautere Absicht habe. Und das ist sehr schwierig.

          Fachleute raten deshalb zu einem Mobbingtagebuch, in dem der Betroffene genau auflistet, was sich wann, wo und im Beisein welcher Personen ereignet hat. Letztere müssen dann vor Gericht als Zeugen aussagen. „Es folgt eine ellenlange Beweisaufnahme“, sagt Wichert. „Das Problem dabei ist, dass man für alle einzelnen Aktionen eine feindliche Willensrichtung nachweisen muss.“ Der Gegner hingegen werde das bestreiten und versuchen, die Ereignisse als harmlos darzustellen. „Mit einer Klage wäre ich generell vorsichtig“, so Wichert. Nur eindeutige Fälle hätten Aussicht auf Erfolg – und die seien selten.

          Aussichtsreicher ist eine Klage laut Wichert jedoch, wenn Ansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geltend gemacht werden können. Auf dieses kann sich der Arbeitnehmer berufen, wenn er aufgrund seiner Herkunft, Religion, seines Geschlechts, Alters, seiner sexuellen Identität oder einer Behinderung benachteiligt wird.

          Wo Betroffene Hilfe finden

          Doch selbst wenn der Kläger vor Gericht gewonnen habe, bedeute das nicht, dass es danach mit dem Mobbing vorbei sei. „Der Täter wird danach wahrscheinlich nicht aufhören, sondern nur noch subtiler weitermachen“, sagt Wichert. Die gerichtliche Alternative, eine Strafanzeige wegen Körperverletzung zu stellen, beruhige die Situation sicherlich auch nicht.

          Wichert empfiehlt den Betroffenen deshalb, sich zunächst an den Betriebsrat zu wenden und eine Versetzung zu beantragen. Bei manchen Arbeitgebern können Betroffene außerdem auf Schlichtungsangebote zurückgreifen, auch Gewerkschaften oder Mobbingberatungsstellen bieten Unterstützung an. Viele Krankenkassen haben zudem Hotlines für Betroffene eingerichtet, auch ein Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen kann helfen. 

          Denn das Mobbing einfach auszuhalten ist Fachleuten zufolge gefährlich: Es kann verheerende psychologische Folgen für die Betroffenen haben. Ein verringertes Selbstwertgefühl ist dabei nur der Anfang, schnell fehlt außerdem die Motivation, worunter auch die Qualität der Arbeit leidet. Auch körperlich bleibt die dauerhafte Schikane nicht ohne Folgen, im schlimmsten Fall führt sie zu Angststörungen und Depressionen. Viele Betroffene werden der Gewerkschaft Verdi zufolge vorübergehend arbeitsunfähig, einige würden als Folge des Mobbings sogar ganz aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Da ist es womöglich im Zweifel die bessere Wahl, rechtzeitig den Arbeitsplatz zu wechseln.

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