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Arbeitsorte : Finanzgeschäfte auf dem Sessellift

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Zwischendurch auf die Piste: Lieber Chamonix als London dachten sich einige Händler und Fondsmanager nach der Krise. Bild: AFP

Einige Händler und Fondsmanager aus London haben nach der Finanzkrise ihren Arbeitsplatz in die Berge verlegt. Aus Verbier oder Chamonix und teilweise vom Sessellift aus betreuen sie nun ihre Kunden - auf eigene Rechnung.

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          Ski-Ressorts von Verbier bis hin zu Chamonix entwickeln sich zunehmend zu eigenen Finanzzentren, weil Händler und Fonds-Manager nach der Finanzkrise dem Standort London den Rücken gekehrt haben. Seit neuestem arbeiten sie statt dessen auf eigene Rechnung von den Bergen aus.

          Ein Beispiel hierfür ist Eric Everard, dessen Karriere Orte wie London, New York und Tokio sowie Arbeitgeber wie ABN Amro Groep NV, Goldman Sachs Group Inc. und Morgan Stanley umspannte. Von einem Büro quasi gleich neben der Skipiste in Verbier verwaltet er nun einen 250 Millionen Dollar schweren Edelmetall-Fonds, hauptsächlich für deutsche Kunden.

          „Das Geschäftsumfeld hier ist sehr freundlich. Es gibt wirklich keinen Grund dafür, von einem der großen Finanzzentren aus zu arbeiten”, sagt der 53-Jährige, der Aurum Global Trading vor fünf Jahren gründete.

          Mehr als eine Auszeit in den Bergen

          Es gibt viele Menschen wie Everard, glaubt man Alex Hoye, Mitbegründer des Ski-Ausrüsters The Faction Collective in Verbier: „Die Gruppe der Händler, Vermögensverwalter und Superreichen, die ihr eigenes Kapital verwalten, hat zugenommen. Sie scheinen hier tiefere Wurzeln zu schlagen, und sich nicht nur eine Auszeit in den Bergen zu gönnen.”

          Allein in Großbritannien sind seit Anfang 2008 und dem Start der Finanzkrise unterm Strich rund 140.000 Jobs in der Finanzbranche weggefallen, wie Daten von Bloomberg zeigen. Vor diesem Hintergrund scheint die Anziehungskraft von billigeren Orten in den Alpen zuzunehmen.

          Zu den Nachteilen zählt allerdings manchmal der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, was das Wachstumspotenzial begrenzt, schränkt Charles Bromley von Corinthian Financial Management ein. Er verließ London im Jahr 2002, um seine Geschäfte von Verbier aus zu steuern. Doch moderne Handelstechnologie macht das Verwalten von Geld von Verbier oder Chamonix aus in diesen Tagen durchaus möglich, sagt er. „Das ist eine Sache für die Leute, die das Risiko eingehen wollen”, sagt Bromley. „Verbier wird nicht den Platz von London einnehmen. Aber dieser Tage ist es viel einfacher von Ski-Ressorts aus zu arbeiten.”

          In seinem alten Job war Bromley der Chef für europäische Kapitalmärkte bei Nikko Securities in London. An seinem neuen Standort hat er insgesamt vier Leute angestellt, die ihm beim Management seiner Geschäfte helfen sollen. Dazu zählen nach Bromleys Angaben drei Einheimische, die er selbst angelernt hat, sowie eine Person, die zuvor für Morgan Stanley arbeitete. Die Zahl derjenigen, die Finanzgeschäfte aus den Alpen tätigen nehme seit der Krise zu, bestätigt Bromley. Erfolgreiche Leute in der City entschieden sich zunehmend dafür, etwas auf eigene Rechnung zu machen und dabei gleichzeitig eine bessere Lebensweise zu führen.

          Den Kunden scheint der Arbeitsort egal zu sein

          „Der wirkliche Vorteil daran, von hier aus zu arbeiten, ist, dass man sich am Wochenende die zehn Stunden für die Anreise von London ins Ski-Gebiet spart”, sagt Nino Constantini. Der in Chamonix arbeitende Händler wettet auf Intraday-Index-Preis-Bewegungen. Es sei nur wichtig, während der Marktzeiten ein Auge aufs Geschäft zu halten. Seine neue Basis hat sich Constantini in einem Chalet mit Blick auf den Mont Blanc eingerichtet. Er nutzt einen virtuellen Handelsraum, der von Amplify Trading aus London zur Verfügung gestellt wird.

          Auch Everard behält sein Portfolio stets im Auge. Doch wenn die Ski-Bedingungen gut sind, dann ruft er Handelspartner und Klienten einfach vom Sessellift aus an. Einige dieser Leute haben selbst Chalets in der Gegend. Den Kunden scheint es laut Everard egal zu sein, von wo aus er arbeitet. „Es gab niemals irgendwelche Fragen bezüglich des Standorts - weder von alten noch von neuen Kunden”, sagt er. „Ich vermute, mein Lebenslauf, der mehr als 25 Jahre an Erfahrungen in der Finanzbranche zeigt, hat dabei geholfen.”

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