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Arbeitsort Bonn : Boom im Bundesdorf

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Vom Kunstmuseum... :

Über Bonns Provinzialität wurde immer schon viel gelästert. Die Unternehmen haben trotzdem kaum Schwierigkeiten, qualifizierte Leute zu finden. „Wer einmal hier ist, dem gefällt es meistens so gut, dass er auch bleibt“, sagt Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe. Im Vergleich zu Städten ähnlicher Größe hat das kleine Bonn eine Menge zu bieten - auch dank seiner Hauptstadtvergangenheit, die aufwendige Museen, eine vielfältige Theaterlandschaft und einen Opernbetrieb hinterlassen hat, den Kritiker angesichts der Finanznöte der Stadt heute für überdimensioniert halten. Das alljährliche Beethovenfest und das Geburtshaus des berühmtesten Bonner Bürgers machen die Stadt zu einem Mekka der klassischen Musik. Kunstliebhaber kommen in einigen der wichtigsten deutschen Museen auf ihre Kosten; Bühnen wie die entlang der „Kulturmeile“ im Stadtteil Endenich bieten auf oft hohem Niveau Kabarett und Kleinkunst. Auch an außergewöhnlichen Events ist kein Mangel: Konzerte im Rheinauenpark, das Jazzfest oder die Internationalen Stummfilmtage ziehen regelmäßig Tausende Besucher an.

Aber mit dem benachbarten Köln kann die Beethovenstadt natürlich nicht mithalten. „Bonn ist eben nicht hipp. In der Kultur- und Kreativwirtschaft verkaufen wir uns weit unter Wert“, findet Pieck von der IHK. Eingefleischte Großstadtfans schätzen an Bonn deshalb vor allem, dass sie in einer halben Stunde in der Kölner Innenstadt sind. „Unsere ausländischen Mitarbeiter, die aus sehr großen Metropolen wie Paris oder London stammen, empfinden Bonn einfach als zu klein“, erzählt Hermann Simon, Mitbegründer der Bonner Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners. Aber dafür sei das Leben hier unkompliziert, alles überschaubar. „Neubürger knüpfen leichter Kontakt als beispielsweise in Norddeutschland oder Schwaben“, findet Simon. Landschaftlich gibt es für ihn in Deutschland ohnehin keine reizvollere Stadt.

Rechtsrheinisch locken das Siebengebirge, im Westen das Ahrtal und die Eifel, in der Stadt viele grüne Plätze und natürlich die Rheinpromenaden mit ihren Biergärten und Cafés. Auf der Hofgartenwiese hinter dem Barockschloss, dem Uni-Hauptgebäude, treffen sich Sonnenanbeter und Freizeitkicker. Oder man lässt den Abend bei einer lässigen Runde Boule am Weiher vor dem Poppelsdorfer Schloss ausklingen. Mit ihren prächtigen stuckverzierten Gründerzeitvillen, Stadthäusern und Kastanienalleen ist die Gegend eines der beliebtesten Wohnviertel. Quirliges Kneipenleben bietet auf der anderen Seite des Zentrums die Nordstadt rund um das monströse Stadthaus.

Zwischen dem rheinischen Singsang ist in den Bonner Cafés immer wieder Englisch, Französisch oder Spanisch zu hören. Die Internationalität ist etwas, was Dominik Bitzenhofer an Bonn besonders gut gefällt. „Fast täglich stehe ich neben Leuten in der Bahn, die sich auf Englisch unterhalten und irgendwelche Ausweise tragen“, erzählt der Jurastudent, der gerade ein Praktikum beim Bundeskartellamt absolviert. In seinem Fach fühlt er sich in Bonn besonders gut aufgehoben. „Bei Jura spielt die Uni in den Top 10 mit“, sagt er. Fast 30.000 Studenten gibt es an der Bonner Alma Mater, zu Dominiks großem Bedauern allerdings weit verstreut über die Fakultäten in verschiedenen Stadtteilen.

Das Regierungsviertel ist zum Wirtschaftsviertel geworden

Das wirtschaftliche Herz der Stadt schlägt im alten Regierungsviertel und entlang der B9 zwischen dem Stadtzentrum und Bad Godesberg. „Erleben, was verbindet“, leuchtet es magentarot von der Fußgängerbrücke, die von der Telekom-Konzernzentrale zu den Erweiterungsgebäuden auf der anderen Straßenseite führt. In direkter Nachbarschaft: die Postbank, die seit drei Jahren der Deutschen Bank gehört. Nicht weit vom Rheinufer ragt der Posttower in den Himmel.

Wie ein kleinerer Bruder wirkt der mit dem blauen Emblem der Vereinten Nationen geschmückte „Lange Eugen“, das Hauptgebäude des UN-Campus mit fast 1000 Mitarbeitern. Wäre da nur nicht das Debakel um das neue internationale Konferenzzentrum gleich in der Nachbarschaft. Das Millionenprojekt sollte die Rolle als UN-Standort absichern und Bonn in die erste Reihe der Tagungsstädte katapultieren. Aber weil die Stadtoberen einem windigen Investor aufsaßen, steht die Baustelle seit Jahren still.

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