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Arbeitsmarkt : Frauen arbeiten mehr - in Teilzeit

Viele Frauen wollen Familie und Arbeit. Für viele eine Lösung: Teilzeit. Bild: dpa

Die Zahl der Erwerbstätigen erreicht einen neuen Höchststand. Vor allem Frauen kommen wieder besser unter. Allerdings setzen sie auch neue Trends, was ihr Beschäftigungsmodell betrifft.

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          In Deutschland gehen mehr Menschen einer Arbeit nach als je zuvor. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres übersprang die Gesamtzahl der Arbeitnehmer und Selbständigen erstmals die Marke von 43 Millionen. Das waren 400.000 mehr als im Jahr zuvor und gut drei Millionen mehr als 2004. Das zeigen Daten, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag vorgelegt hat. Großen Anteil an dieser Entwicklung hat eine immer stärkere Verbreitung von Teilzeitarbeit.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach lag die Zahl der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer im vergangenen Jahr mit 24,5 Millionen kaum höher als zehn Jahre zuvor - die Zahl der Teilzeitkräfte stieg aber im gleichen Zeitraum um gut 3 Millionen auf 14,8 Millionen an.

          Als Teilzeit zählen Minijobs und Arbeitsverhältnisse mit weniger als 30 Stunden je Woche. Dahinter steht insbesondere eine steigende Erwerbstätigkeit von Frauen. Fast drei Viertel aller Teilzeitstellen sind derzeit in Frauenhand; von den seit 2004 zusätzlich entstandenen 3 Millionen Teilzeitstellen wurden zwei Drittel mit Frauen besetzt. Demgegenüber ging die Zahl der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmerinnen seither sogar um rund 400.000 auf knapp unter 8 Millionen zurück.

          Traditionelle Rollenmuster noch immer weit verbreitet

          Allerdings arbeiten teilzeitbeschäftigte Frauen heute deutlich mehr als 2004: Ihre durchschnittliche Jahresarbeitszeit stieg um 83 auf 707 Stunden. Knapp 15 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen suchen jedoch eigentlich eine Vollzeitarbeit, wie die Studie ausweist. Allein die Hälfte führt familiäre Gründe dafür an, dass sie teilarbeiten.

          Offensichtlich seien traditionelle Rollenmuster in den Familien - der Mann als Allein- oder Hauptverdiener - nach wie vor weit verbreitet, urteilt das IAB. Eine noch stärkere Verschiebung von Vollzeit- zu Teilzeitarbeit zeigt sich, wenn man die Zeit seit 1991 betrachtet.

          Seither ist die Zahl der Vollzeitstellen sogar um mehr als 5 Millionen gesunken, während sich die Zahl der Teilzeitstellen glatt verdoppelte. Freilich dürften viele der Stellen im Osten, die kurz nach dem Zusammenbruch der DDR 1991 formal als Vollzeitstellen zählten, gemessen an der Produktivität nicht mit heutigen Vollzeitstellen vergleichbar gewesen sein.

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