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Arbeitseinsatz : Allzeit bereit zur Resturlaubszeit

  • -Aktualisiert am

Entspannt den Resturlaub zu nehmen, kann auch im Winter schön sein. Bloß irgendwer muss zu Hause die Arbeit machen. Bild: dapd

„Horte, so hast du immer etwas in Reserve.“ Dieser Spruch gilt definitiv für Marmelade. Aber auch für Resturlaub? Die Kolumne „Nine to five“.

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          Mark hält sich für vorbildlich organisiert und hat von seiner Großmutter einen guten Rat geerbt: „Horte, so hast du immer etwas in Reserve.“ Die Konfitürenkönigin hat seine Kindheit mit überbordendem Einmachvorrat versüßt. Ihre Hollermarmeladenproduktion zu drosseln wäre Oma nie in den Sinn gekommen. Solche Hamsterhaltung prägt.

          Mangel schätzt Mark auch beruflich nicht und überträgt das Prinzip der Vermeidung von Ressourcenverknappung, wie er tönt, eins zu eins auf sein Arbeitsgebiet. Seit kurzem als Coach für einen Seminaranbieter tätig, finden sich in seinem Schreibtisch nicht nur unzählige Stifte und Post-it-Blöcke, sondern auch ein Stapel ausgearbeiteter Konzeptpapiere zu vielerlei Themen. In der Trainingsbranche sind Ressourcen stets knapp: Wer kann ein weiteres Seminar übernehmen? Wer hat noch eine Idee für eine Fortbildung? Wer springt für den erkrankten Gastdozenten ein?

          Anfangs präsentierte Mark sich als omnipotenter Problemlöser und zauberte ein fluffiges Manuskript nach dem anderen hervor. Das sollte ihm mal einer nachmachen, diese vorbildliche Vorratshaltung mit all den Reserven in der Hinterhand! Tut aber keiner, wie der Berufsanfänger erkennen wird. Stolz macht er publik, dass er aushelfen könnte, und erwähnt mit schlecht gespielter Bescheidenheit, dass er „gut aufgestellt“ sei, sozusagen allzeit bereit zur Resturlaubszeit.

          Der Glanz des Retters währt nicht lange

          Genau zwei Wochen sonnt er sich im Glanz des Retters in der Not, bis ihm dämmert, dass der Notfall der Normalfall ist. Irgendwo reißt irgendwas immer eine Lücke: Sonderaufträge, Grippewelle, überraschend („Waaas, ist es wieder so weit?“) tun sich Feiertage auf und zerrupfen die dünne Personaldecke. Gründe, dass es pressiert, gibt es viele.

          Freudig greifen die alten Hasen auf die Früchte von Marks Übereifer zurück und nehmen entspannt ihren Resturlaub. Mark steht da als blankgeputzter Lückenbüßer, ohne Angebot trotz Nachfrage. „Ging uns allen am Anfang so“, grinst der erfahrene Kollege. „Nimm’s sportlich, Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“

          In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren über die Kuriositäten des Arbeits- und Hochschulalltags.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

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