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Repräsentative Studie : Das große Zittern um den Job ist vorbei

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Ohne Sorge um den Job: Die meisten Arbeitnehmer fühlen sich fest im Sattel. Bild: dpa

Für so sicher wie lange nicht mehr halten deutsche Arbeitnehmer derzeit ihre Stellen. Auch die Bindung an die Unternehmen ist größer geworden; weniger Mitarbeiter haben innerlich gekündigt. Das gilt aber längst nicht für alle.

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          Die Beschäftigten in Deutschland halten ihre Arbeitsplätze laut einer Umfrage für so sicher wie lange nicht. 45 Prozent meinen, dass sie fester im Sattel sitzen als im Vorjahr, wie das Beratungsunternehmen Gallup ermittelte. Der Anteil derer, die um ihren Job zittern, hat mit 8 Prozent einen Tiefstand erreicht. 1368 Beschäftigte wurden im April, Juni und November 2013 am Telefon befragt. Die Umfrage ist laut Gallup für volljährige Arbeitnehmer repräsentativ.

          Die Beschäftigten hängen demnach auch mehr an ihrem Arbeitgeber: 83 Prozent haben der Studie zufolge zumindest eine geringe emotionale Bindung. Im Vorjahr waren es 76 Prozent. Allerdings kam bei der Studie auch heraus: Gut jedem sechsten Beschäftigten in Deutschland bedeutet sein Arbeitgeber gar nichts mehr: Er hat innerlich gekündigt. Anzulasten sei das in der Regel aber nicht dem Mitarbeiter – sondern seinem Chef, behaupten die Studienautoren.

          Viele Chefposten fehlbesetzt

          Der Befund ist teilweise erwartbar, verdient Gallup doch hauptsächlich mit Schulungen für Führungskräfte sein Geld. Gleichwohl liefert die Studie Hinweise, wo die deutschen Unternehmen noch besser werden müssen, besonders in einer Zeit, wo viele Branchen schon über Fachkräftemangel klagen.

          Allen Managementkursen und Mitarbeiterführungsseminaren zum Trotz gibt es nämlich noch immer zahlreiche Beschäftigte, die ihre eigenen Ideen für unerwünscht halten, mit denen niemand über ihre Fortschritte spricht und die nicht einmal genau wissen, was der Chef von ihnen erwartet. Lob und Anerkennung erhalten sie ebenso wenig wie eine ausreichende Ausstattung, um ihren Job gut zu erledigen.

          Gute Chefs könnten viel dazu beitragen, dass Mitarbeiter wieder mehr für ihre Stelle brennen, doch viele Posten in den vorderen Reihen seien fehlbesetzt, heißt es weiter in der Studie. Führungskraft werde meist, wer lange dabei sei oder wer sich fachlich hervorgetan habe. Beides befähige sie aber nicht unbedingt, Mitarbeiter zu führen.

          Das habe nur jeder zehnte im Blut, ein weiteres Zehntel könne es lernen. Wer nur fachlich gut sei, solle lieber „seitwärts befördert“ werden, sodass etwa auch einmal der Verkäufer ein besseres Gehalt bekommt als der Verkaufsleiter.

          Doch auch die Führung von Führungskräften könnte in Deutschland besser sein, wie der Osnabrücker Professor für Personalmanagement, Carsten Steinert herausfand. Seine Untersuchung ergab, dass das Thema „Führung“ in Zielvereinbarungen nur eine untergeordnete Rolle spielt - gute Führung folglich auch zu wenig belohnt werde. Schlimmer noch: „Schlechte Führung wird toleriert, wenn die Zahlen stimmen.“

          Doch nach anderen Studien ist auch mit guten Chefs allein bei einem Teil der Beschäftigten nicht mehr viel zu holen. Nach einer DGB-Umfrage fühlen sich schon jetzt mehr als die Hälfte der Beschäftigten gehetzt, 80 Prozent klagen über ständig steigende Arbeitsanforderungen. Jeder dritte ist rund um die Uhr per Telefon oder E-Mail erreichbar, wie der IT-Branchenverband Bitkom herausfand, und bei den AOK-Versicherten steigt die Zahl der suchtbedingten Fehltage, weil gestresste Beschäftigte zu Alkohol und Zigaretten greifen, zunehmend auch zu Aufputschmitteln. Unter jungen Mitarbeitern macht zudem derzeit zunehmend eine Mode aus Amerika die Runde: Downshifting nennt sie sich mit dem Fachbegriff und beschreibt eine Art Unlust darauf, Karriere zu machen oder jedenfalls zu viele Teile des Privatlebens der Karriere zu opfern.

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