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Arbeiten an Sehnsuchtsorten : Mit der Bäuerin im bayerischen Hofcafé

  • -Aktualisiert am

Postkarten-Idylle par excellence Bild: Schöning GmbH & Co. KG, Dr. J. Bodenbender, freepik

Angelika Prem hat ihren Hühnerhof zum Touristenmagneten aufgepeppt: Sie muss nur aufpassen, dass es nicht zu viel Halligalli wird.

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          Der selbstgemachte Kuchen ist ein Traum. Der Boden locker und nussig, die Himbeercreme fruchtig, aber nicht zu süß und von einem kräftigen Rosa. Dazu eine Tasse Kaffee, und der Nachmittag ist gerettet. Da kann es auch nicht die Laune trüben, dass es an diesem Sommer-Mittwoch über dem Schliersee wie aus Eimern gießt und die Hausberge Brecher-, Benzing- und Aiplspitz auf ihren gut 1700 Metern im Wasser- und Wolkendunst kaum zu erkennen sind. In München würde man im schicken Café Luitpold für solch ein Tortenkunststück vier bis fünf Euro zahlen. Bei Angelika Prem auf dem Hennererhof sind die Preise ländlich-fair. Backen sei ja „nur“ ein Hobby, sagt die 53-Jährige, die in ganz jungen Jahren einmal Konditoreifachverkäuferin war. Sie freut sich vor allem daran, dass es den Gästen schmeckt.

          Eigentlich sind Hofladen und Bauernhofcafé heute geschlossen. „Damit wir überhaupt etwas anbieten können, muss ja im Hintergrund ganz viel vorbereitet werden, deshalb können wir nicht ständig in der Küche oder hinter der Theke stehen“, sagt Prem. Die offiziellen Öffnungszeiten sind deshalb Freitag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr – oder nach Vereinbarung, wie heute. Auch zwei Tagestouristen aus Mühldorf am Inn sitzen auf der Eckbank am großen Tisch im Hofladen. Die beiden sind zufällig vorbeigekommen und haben einfach mal geklopft. „Das sah so nett hier aus, da wollten wir mal reinschauen.“ Das findet Angelika Prem ihrerseits sehr nett, natürlich bittet sie die Gäste herein, bietet gleich Kaffee und Kuchen an. Der Mann bestellt ein Stück Himbeerkuchen, seine Frau winkt ab: „Ich darf nicht, ich habe viele Nahrungsmittelunverträglichkeiten, leider.“ Angelika Prem hakt nach. Sie weiß genau, welche möglichen Allergene in ihren Produkten sind.

          Zum einen will sie natürlich, dass sich ihre Gäste wohl fühlen und ihnen ihre Produkte bekommen. Zum anderen ist das Vorschrift für jeden, der gewerbsmäßig Essen zubereitet und verkauft. „Einmal hat eine Dame angerufen und mir erklärt, sie hätte einen allergischen Schock auf meine Wildkräuternudeln bekommen. Das konnte ich zum Glück definitiv ausschließen.“ Die Prems stehen in gutem Kontakt zur Lebensmittelkontrollle ihres Landkreises Miesbach. „Man muss immer auf dem Laufenden bleiben bei den Vorschriften, sonst fällt das schnell mal auf einen zurück“, sagt die Hausherrin.

          Um vier Uhr morgens auf den Beinen

          Den Traum vom kleinen Landcafé, wo ausschließlich regionale und saisonale Produkte angeboten werden, träumen viele Akademiker in der Stadt mit Affinität zu nachhaltiger Küche. Einfach aussteigen aus dem Konsumzirkus und dem hohen Takt der Großstadt und ein entschleunigtes Leben führen, das liegt gerade voll im Trend. Doch so beschaulich und urig alles wirkt auf dem Hennererhof, es steckt vor allem viel harte Arbeit dahinter. Angelika Prem hat immer reichlich zu tun. Mal macht sie aus Beeren und Obst Marmeladen oder Sirup. Mal backt sie Brot, Torten, Kuchen und Schmalzgebäck. Mal kocht sie Eintöpfe und Suppen oder richtet Brotzeiten her. Ach ja, und Brotbackseminare und Kräuterführungen bietet sie ganz nebenbei auch noch. „In Bayern würde man sagen: Die hat Wepsen im Oarsch“ (Hummeln im Hintern), sagt die Bäuerin auf die Frage, wann sie eigentlich schläft.

          Auch heute war sie schon um vier Uhr morgens auf den Beinen, um 30 Kilo Teig anzusetzen und zu Nudeln zu verarbeiten. Jetzt um 14 Uhr ist sie damit fertig. Für 17 Uhr haben sich gut 20 Wanderer zu einer Brotzeit angemeldet. Für Angelika Prem reine Routine, von Stress ist nichts zu spüren. Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Eichstätt, ging sie nach der landwirtschaftlichen Schule in Ingolstadt als Sennerin auf eine Alm am Schliersee und lernte im zweiten Sommer ihren Mann Hans kennen. Zuerst bewirtschaftete das Paar einen Hof in Geitau, einem kleinen Ort zwischen Schliersee und Bayrischzell.

          Dann übernahmen sie das Elternhaus ihres Mannes, den Hennererhof. „Ich liebe meine Arbeit auf dem Hof und könnte mir nichts Schöneres vorstellen.“ Ein Bürojob in der Stadt wäre nichts für sie. „Ich möchte am Abend auf das schauen, was ich am Tag mit meiner Hände Arbeit erreicht habe.“ Und sie braucht die Nähe zur Natur und zu den Tieren: Gemeinsam mit ihrem Mann versorgt sie gut 20 Puten und zwischen 100 und 150 Legehennen; eine alte Familientradition, die dem Hof seinen Namen verlieh. 2015 feierten die Prems das 200. Jubiläum ihres Hofs, der schon immer im Familienbesitz war und wo eben schon immer Hühner gehalten wurden. Sogar die Straße, an der der Hof liegt, heißt Hennererstraße.

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