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Beruf der Assistentin : Die Frau dahinter

  • -Aktualisiert am

Eine Frau in einem Bürogebäude in Berlin Bild: dpa

Sie arbeitet als Vorstandsassistentin. Ihre Aufgabe ist es, dem Chef den Rücken freizuhalten und dabei unsichtbar zu bleiben. Ein Traumjob.

          7 Min.

          Als Susanne Karri sich vor dreieinhalb Jahren bei einem Pharmaunternehmen für die Stelle als Assistentin des Finanzvorstands bewarb, wurde sie sofort zum Gespräch eingeladen. Der Personalmanager, der das Gespräch führte, redete nicht lange um den heißen Brei herum: Sie dürfe sich keine Hoffnung auf eine Karriere machen. „Hier ist die Leiter zu Ende, wollen Sie das wirklich?“ Insgesamt dreimal fragte er sie das.

          Karri ist dreiundvierzig, hat Unternehmensführung studiert, spricht sieben Sprachen. Zwanzig Jahre lang arbeitete sie in einer Speditionsfirma, zehn davon als Betreuerin von Großkunden. Stahl- und Chemiekonzerne gehörten dazu. Wenn einer dieser Konzerne seine Ware von der Ukraine nach Österreich verfrachten wollte, organisierte sie den gesamten Transport über die Schiene. Sie war damals immer auf Dienstreise, kannte alle entscheidenden Leute in den staatlichen und privaten Bahngesellschaften Osteuropas, wusste, mit wem sie wie verhandeln musste.

          Dann kam ihre zweite Tochter zur Welt. Als sie von der Elternzeit in die Speditionsfirma zurückkehrte, suchte ihr Chef gerade dringend eine persönliche Assistentin und jemanden für die Buchhaltung. Er bat sie, beides zu übernehmen. Sie war einverstanden, sogar ein wenig froh, als Mutter von zwei kleinen Kindern nicht mehr ständig umherreisen zu müssen.

          Extra Lob vom Chef

          Viele Freunde und Arbeitskollegen gingen davon aus, sie würde früher oder später wieder zurück in die Kundenbetreuung wechseln, aufsteigen, Karriere machen. Als sie von ihrer Bewerbung als Vorstandsassistentin Wind bekamen, konnten manche es nicht glauben. Ein ehemaliger Arbeitskollege meinte: „Du könntest doch viel mehr erreichen.“ Eine Freundin: „Da musst du bestimmt auch noch für den Chef Kaffee kochen. Ich könnte das nie!“

          Letztes Jahr belegte sie den dritten Platz in der Rangliste „Assistant of the Year“. Chefs und Chefinnen schlagen ihre Assistentinnen vor, begründen das, eine Jury wählt aus. So entsteht die Liste. Ihr Chef schrieb in der Begründung: „Susanne Karri trägt in vielfacher Weise zum Unternehmenserfolg bei. Sie hält mir und meinen Managern den Rücken frei, damit wir uns voll auf unsere inhaltlichen Aufgaben konzentrieren können.“ Jemandem den Rücken freizuhalten heißt, dass der Erfolg nur denjenigen trifft, dem der Rücken gehört, heißt, sich selbst in den Schatten zu stellen, hinter diesem Rücken unsichtbar zu bleiben. Wer macht so was freiwillig? Und warum?

          Karri hat einen offenen Blick, in dem ein Hauch von Spott mitschwingt. Liebevoller Spott, als wären alle um sie herum ungelenke Teenager und sie die Mutter. Sie ist groß, die Muskeln der Wettkampfschwimmerin, die sie früher einmal war, sind weicher geworden, aber immer noch da. Sie kleidet sich auffällig, mal trägt sie zum Beispiel einen knallbunten Blazer, dazu enge, schwarze Leggins und Sneakers mit hohen Sohlen. Um den Hals immer dieselbe Kette mit dem Kreuzanhänger.

          Organisieren als Leidenschaft

          Jeden Sonntag geht sie mit ihrer Familie in die Kirche. Sie spricht nicht über ihren Glauben, erwähnt ihn nur einmal, als sie erzählt, wie es nach dem Gespräch mit dem Personalmanager weiterging. Eigentlich war bereits klar, dass sie die Stelle als Assistentin bekommen sollte. Der letzte Schritt im Auswahlverfahren stand aber noch aus: ein Mittagessen mit dem zukünftigen Chef. Sie saßen zu zweit im Restaurant, redeten über alles Mögliche. Irgendwann fragte sie ihn nach seinen Hobbys.

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