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PwC-Studie : Wieder mehr ältere Arbeitnehmer in Deutschland

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Es gibt wieder mehr ältere Arbeitnehmer auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Bild: dpa

Der Anteil älterer Arbeitnehmer am deutschen Arbeitsmarkt ist seit 2003 erheblich gestiegen – allerdings nur in einer bestimmten Altersgruppe. Das Problem: Mangelnde Weiterbildung.

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          Die Zahl älterer Arbeitnehmern steigt in Deutschland wieder. So gehen derzeit 70 Prozent der 55 bis 64 Jahre alten Deutschen einer Beschäftigung nach – 15 Jahre zuvor waren es nur 39 Prozent.

          Das geht aus dem sogenannten „Golden Age Index“ hervor, den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) jährlich erhebt. Die aktuelle Analyse beruft sich auf Daten aus dem Jahr 2016. Für den Index wurden vor allem die Arbeitsmarktzahlen der damals 35 OECD-Staaten analysiert (seit dem Eintritts Litauens in diesem Jahr sind es derzeit 36).

          Weniger deutlich, aber ebenfalls sichtbar sind die Veränderungen bei den 65- bis 69-Jährigen. In dieser Altersgruppe arbeiten mittlerweile 15 Prozent, auch das eine klare Verbesserung im Vergleich zu 2003, als PwC die Studie erstmals durchführte. Damals lag die Quote bei gerade einmal sechs Prozent.

          Positive Entwicklung durch Hartz-Gesetze

          „Damit hat die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren mit die größten Fortschritte aller OECD-Länder erzielt“, so die Studie. Tatsächlich belegte Deutschland bei der Erstauflage des „Golden Age Index“ nur den 26. Rang, mittlerweile ist es Platz 14, in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen sogar schon Rang sieben.

          Als Gründe für die positive Entwicklung nennt die Analyse die stabile Konjunktur und die Hartz-Gesetze: „Abgesehen von den positiven politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich auch die Mentalität in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. „Ältere Arbeitnehmer werden heutzutage in den allermeisten Betrieben für ihr Know-how und ihre Erfahrung geschätzt. Vor zehn oder 15 Jahren war das vielerorts noch anders“, heißt es außerdem weiter. 

          Fortbildung gerade für Ältere essentiell

          Ob dieser Trend anhält, ist jedoch fraglich. Denn schon jetzt hat mehr als eine Million Beschäftigte die sogenannte „Rente mit 63“ beantragt – obwohl das entsprechende Gesetz erst Mitte 2014 in Kraft getreten ist. „Diese Entwicklung wird sich früher oder später auch in den Beschäftigungsquoten deutlich niederschlagen“, so die aktuelle PwC-Studie.

          Schon jetzt fällt auf: Während der Anteil der Beschäftigten seit 2014 bei den 55- bis 64-Jährigen um satte vier Prozentpunkte stieg, reichte es bei den 65- bis 69-Jährigen nur mehr zu einem Zuwachs von einem Prozentpunkt. „Dabei könnte es sich unter anderem bereits um eine Folge des neuen Gesetzes handeln“, vermutet die Analyse.

          Doch nicht nur die „Rente mit 63“ sehen die Berater kritisch. Ebenfalls bedenklich: Gemäß Eurostat-Daten liegt der Anteil der 55- bis 64 Jahre alten Arbeitnehmer, die in den vergangenen zwölf Monaten eine Weiterbildung absolviert haben, bei lediglich 44 Prozent. Unter den 25- bis 54-Jährigen sind es hingegen im Schnitt 55 Prozent.

          Ältere Arbeitnehmer wären bares Geld wert

          „Viele Betriebe erliegen immer noch dem Irrglauben, Investitionen in ältere Arbeitnehmer zahlten sich nicht aus, weil diese das Unternehmen ja ohnehin bald verlassen. Dabei haben Studien diese Auffassung längst widerlegt“, kritisiert die Studie. „Wenn die Unternehmen von ihren älteren Arbeitnehmern wirklich profitieren wollen, müssen sie auch die Mittel für entsprechende Trainings bereitstellen.“ Dabei zeigt der „Golden Age Index“, dass sich die Integration älterer Beschäftigter in den Arbeitsmarkt nicht nur für einzelne Betriebe, sondern auch volkswirtschaftlich auszahlt.

          Wären die Beschäftigungsquoten bei den 55- bis 69-Jährigen hierzulande beispielsweise genauso hoch wie in Neuseeland, dann könnte das Bruttoinlandsprodukt theoretisch um 351 Milliarden Dollar jährlich steigen, rechnen die Berater aus. Sogar noch größer wäre der Effekt in Frankreich und den Vereinigten Staaten: Dort läge er bei gut 400 beziehungsweise 800 Milliarden Dollar, glaubt man der Analyse.

          Auf Platz eins des Index steht wie schon in den Vorjahren Island mit 98,7 von 100 möglichen Punkten. Rang zwei belegte Neuseeland mit 85,3 Punkte. Damit konnte sich das Land seit 2003 um sieben Plätze verbessern. Den dritten Platz sicherte sich Israel, außerdem schafften es Estland, Schweden, Japan, Südkorea, Norwegen, die Vereinigten Staaten und Chile unter die zehn ersten Ränge.

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