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Ansätze in Österreich : Prämie für die Fachkräfte-Finder

Auf der Suche nach Fachkräften muss auch Leiterplattenhersteller AT&S neue Wege finden. Bild: AT&S

Auch in Österreich müssen Unternehmen kreativ sein, um an Beschäftigte zu kommen. Einige gehen ungewöhnliche Wege, doch die angekündigte Impfpflicht könnte die Suche weiter erschweren.

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          In Österreich klagen Unternehmen schon lange über Fachkräftemangel. Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich das Problem eher verschärft. Auf der Suche nach Mitarbeitern ergreifen Unternehmen ungewöhnliche Initiativen. Mit finanziellen Anreizen für die Anwerbung von Kollegen hofft der Leiterplattenhersteller AT&S zu neuem Personal zu kommen. Das Technikunternehmen in der Steiermark will 700 neue Stellen besetzen. Doch erschwert die Knappheit an Angebot die Suche. Mitarbeitern, die potentielle Kandidaten aus ihrem persönlichen Umfeld für eine offene Stelle empfehlen, winkt ein Bonus von 1000 Euro. Bedingung dafür ist, dass ein neuer Angestellter zumindest drei Monate bleibt.

          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Der Anreiz wirkt: Auf diesem Weg hat es nach Angaben von AT&S immerhin weit mehr als zweihundert Vermittlungen gegeben. Mehr als fünf Dutzend Bewerber konnten so inzwischen erfolgreich eingestellt werden, wie Erwin Zarfl, Leiter des Personalwesens bei AT&S, gegenüber dem österreichischen Rundfunk die Erfolgsaussichten bezifferte. Wie er machen immer mehr Personaler die Erfahrung, dass sich heute Kandidaten ihre Arbeitgeber aussuchen, während Unternehmen früher Kandidaten aussuchen konnten.

          Pandemie macht Suche nicht einfacher

          Auch der Chipproduzent Infineon Österreich leidet unter dem Fachkräftemangel, der besonders ausgeprägt bei Technikspezialisten ist. Derzeit sind 250 Posten unbesetzt. Gesucht werden technische Fachkräfte wie Chemiker, Verfahrenstechniker und IT-Spezialisten. Am Sitz von Infineon Austria in Villach ist ein Großteil der Mitarbeiter beschäftigt, aber auch am Standort Graz wird gesucht. In der steirischen Landeshauptstadt arbeiten fast 450 Beschäftigte, etwa für die Softwareentwicklung von Antriebs- und Motorsteuerung. Graz ist auch eines von vier globalen Zentren des Konzerns für industrielle Mikrocontroller. In Linz liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Radarchips.

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          Neben finanziellen Anreizen setzen Unternehmen auf flexiblere Arbeitszeitmodelle. Schließlich ist in der Pandemie die Suche nach Personal nicht einfacher geworden – trotz der großen Abbaubewegungen im Zuge der wirtschaftlichen Krise. Doch hat sich in Österreich der Arbeitsmarkt auch dank der stark eingesetzten Kurzarbeit rascher als erwartet von den wirtschaftlichen Verwerfungen erholt. Die Arbeitslosigkeit lag im Oktober bereits im langjährigen Schnitt. Vor zwei Monaten wies Österreich – einst Spitzenreiter in der EU – eine Arbeitslosenquote von fast sechs Prozent aus und lag damit im Mittelfeld der EU. Die Zahl der sofort verfügbaren Stellen erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 73 Prozent auf fast 109 000 und liegt damit nahe am Höchststand.

          Risiko Impfpflicht?

          Dass die von der konservativ-grünen Regierung angekündigte Impfpflicht von Februar an die Personalsuche vereinfacht, ist unwahrscheinlich. Während die österreichische Industriellenvereinigung (IV) die Entscheidung der Bundesregierung für eine allgemeine Impfpflicht mittragen will, warnt die Tiroler IV vor einem sich verschärfenden Fachkräftemangel. Die Impfpflicht berge Risiken, die für den Wirtschaftsstandort Tirol nicht zu unterschätzen seien. „Die Gefahr, dass Mitarbeiter, wenn die Impfpflicht nur in Österreich verhängt wird, Tirol den Rücken kehren, ist groß“, argumentiert die Tiroler Industrie.

          In Zeiten des Fachkräftemangels sei dies „ausgesprochen schädlich für alle Bereiche der Wirtschaft“. Ausländische Mitarbeiter seien „nicht sehr an den Standort gebunden“, und es würden auch in den Nachbarländern Deutschland, Schweiz, Italien, aber auch in Slowenien, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei Fachkräfte dringend gesucht.

          Obwohl der Fachkräftemangel viel beklagt wird, sind Unternehmen nach einer Onlineumfrage des Recruitingportals karriere.at mehrheitlich nicht bereit, seltenen Fachkräften mehr zu bezahlen, um Stellen attraktiver zu gestalten. Zwar räumt jedes zweite Unternehmen ein, zumindest eine Stelle seit mehr als einem halben Jahr nicht besetzen zu können. Gleichzeitig bekennen sich aber zwei Drittel der befragten Mitarbeiter, keinen jährlichen Termin zur Gehaltsverhandlung mit ihrer Firma zu haben, heißt es auf dem Portal.

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