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Anonyme Bewerbungen : Acht Arbeitgeber beginnen mit Pilotprojekt

  • Aktualisiert am

Die Identität bleibt im Dunkeln: in einem Pilotversuch sollen Bewerbungen anonymisiert werden Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber wählen künftig ihre Stellenbewerber in der ersten Runde aus, ohne deren Namen, Alter und Geschlecht zu kennen. Dabei sind unter anderem die Post und die Telekom.

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          Fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber betreten künftig Neuland in Sachen Bewerberauswahl: In der ersten Sichtung der Unterlagen ihrer Bewerber werden dort die Personaler künftig weder Name noch Alter der Kandidaten erfahren und auch kein Foto von ihnen zu Gesicht bekommen.

          An dem Pilotversuch, der von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ins Leben gerufen wurde, beteiligen sich die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, das Kosmetikunternehmen L'Oréal, der Geschenkdienstleister Mydays, der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit und die Stadtverwaltung Celle. Ziel ist, dass auf diese Art in der ersten Bewerbungsrunde, Alter, Geschlecht, Herkunft und Aussehen eines Bewerbes keinen Anlass mehr für ein sofortiges Aussortieren der Unterlagen bieten können.

          Verschiedene Arten der Anonymisierung

          Die Versuchsteilnehmer nutzen unterschiedliche Arten, die bei ihnen eingehenden Bewerbungen zu anonymisieren: Einige Unternehmen werden Online-Formulare bereitstellen, die ohne Angabe von Name, Geschlecht, Alter und Herkunft auskommen. Für dieses Verfahren haben sich etwa das Bundesfamilienministerium und das Unternehmen Mydays entschieden. Auf den Internetseiten von Mydays lassen sich die neuen anonymen Formulare bereits jetzt einsehen (siehe auch: mydays.de)

          Andere Arbeitgeber werden standardisierte Bewerbungsbögen nutzen. Diese schickt der Bewerber zusammen mit einem gesonderten Kontaktformular an das Unternehmen. Vor der Sichtung durch die Personalabteilung werden dann Kontaktdaten und Bewerbungsbogen voneinander getrennt; die Personaler bekommen nur den anonymen Bogen zu Gesicht. Fällt ihre Entscheidung positiv aus, werden Kontaktdaten und Bewerbung wieder zusammengefügt. Eine dritte Variante der Anonymisierung ist, dass nach Eingang die persönlichen Daten der Bewerber in den Unterlagen geschwärzt werden, bevor die Unterlagen den auswählenden Personalern vorgelegt werden.

          Der Großteil der Versuchsteilnehmer startet ab November 2010 mit der Anonymisierung. Wegen interner Abläufe gibt es aber auch einige Nachzügler, die das neue Verfahren erst am 1.1.2011 nutzen werden. Im Anschluss an das Pilotprojekt sollen das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn und die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt der Europa-Universität Viadrina (KOWA) in Frankfurt (Oder) die Ergebnisse auswerten.

          Kritik von der BDA

          Von Seite der nicht teilnehmenden Arbeitgeber hatte es schon vor dem offiziellen Beginn des Pilotversuchs heftige Kritik an dem Vorhaben gegeben. Die Forderung nach anonymen Bewerbungen konterkariere die Bemühungen der Unternehmen um Vielfalt in den Belegschaften, so sah es der Arbeitgeberverband BDA. Unternehmen hätten ein eigenes Interesse daran, die Vielfalt in den Belegschaften zu stärken. Zudem seien solche Verfahren nicht ohne zusätzliche Kosten und Bürokratie realisierbar. In vielen Firmen gehöre es fest zur Unternehmenskultur, die Vielfalt zu fördern. Ohnehin könne aus Angaben im Lebenslauf zu Ausbildungszeiten, Berufserfahrung und Sprachkenntnissen auf bestimmte Merkmale geschlossen werden.

          In ihren Bemühungen um Teilnehmer an dem Pilotprojekt handelte sich die Antidiskriminierungsstelle nach Angaben eines Sprechers auch etlich Absagen ein. Insgesamt wurden 30 private Unternehmen angeschrieben, nur fünf sagten zu. „Die Unternehmen müssen schon ihre Prozesse umstellen und dann auch bereit sein, das Projekt evaluieren zu lassen“, hieß es. „Das macht nicht jeder mit.“ Die derzeitige Teilnehmerzahl reiche aber aus, um die Ergebnisse hinterher wissenschaftlich auswerten zu können, sagte der Sprecher weiter. Rund 225 Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplätze sollen während der Projektlaufzeit von einem Jahr anonym vergeben und ausgewertet werden. Die Antidiskriminierungsstelle geht davon aus, dass auf jede Stelle im Schnitt 100 Bewerber kommen und somit 22.500 anonyme Bewerbungen in die Evaluation einfließen können.

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