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Management : Deutlich mehr Frauen in Vorstände berufen

Führt seit diesem Jahr den Spezialpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum: Britta Giesen Bild: dpa

In den vergangenen 12 Monaten haben mehr Frauen als sonst den Sprung in den Vorstand eines großen Börsenunternehmens geschafft. Dennoch hinkt Deutschland im internationalen Vergleich weiter hinterher.

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          Der Wandel in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft nimmt Fahrt auf. Die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien der 160 größten deutschen Börsenunternehmen ist in den vergangen 12 Monaten so schnell gestiegen wie noch nie. Von den insgesamt 113 neu berufenen Vorstandsmitgliedern  waren 32 Frauen – das sind fast doppelt so viele weibliche Neuberufungen wie in den Vorjahren.  Zu diesem Ergebnis kommt eine Auszählung der Allbright-Stiftung, die dafür die Neubesetzungen im Zeitraum zwischen September 2020 und September 2021 analysiert hat.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch die Zahl der weiblichen Vorstandsvorsitzenden steigt, allerdings noch auf sehr niedrigem Niveau. Waren vor einem Jahr nur 5 der 160 Chefpositionen weiblich besetzt, sind es mittlerweile immerhin 8. Neu an die oberste Spitze ihrer Unternehmen haben es in diesem Jahr neben Belén Garijo beim Pharmahersteller Merck auch Christina Johansson beim Bauunternehmen Bilfinger, Maria Zesch beim Geschäftsausstatter Takkt und Britta Giesen beim Maschinenbaukonzern Pfeiffer Vaccuum geschafft.

          Im internationalen Vergleich liege Deutschland aber weiterhin zurück, moniert Allbright-Geschäftsführerin Wiebke Ankersen. Das zeige ein Blick auf den Frauenanteil in den Vorstandsgremien der jeweils 30 größten Börsenunternehmen. In Deutschland liege der Frauenanteil hier bei 18,3 Prozent, in Schweden und Großbritannien bei mittlerweile über 27 Prozent und in den Vereinigten Staaten bei  über 31 Prozent. Mehr als die Hälfte der 160 größten deutschen Börsenunternehmen hat noch immer keine einzige Frau in ihrem obersten Führungsgremium.

          Seit August gilt neues Mindestbeteiligungsgesetz

          Dass sich die Zahl der Frauen im deutschen Spitzenmanagement zuletzt aber schneller als zuvor erhöht hat, dazu dürfte  auch die neue Gesetzeslage beigetragen haben. Seit August gilt in Deutschland ein Gesetz zur Mindestbeteiligung von Frauen in den Führungsgremien. Das Gesetz  mit dem sperrigen Namen „Zweites Führungspositionen-Gesetz“ (kurz: FüPoG II) verpflichtet Großunternehmen, die mindestens 2000 Mitarbeiter haben und zugleich unter das Mitbestimmungsgesetz fallen, dazu, dass künftig mindestens eine Frau in der obersten Management-Etage vertreten ist, sobald das Vorstandsgremium aus mindestens 4 Mitgliedern besteht. Von dem Gesetz sind laut Justizministerium rund 70 Unternehmen betroffen, von denen allerdings viele die Regel ohnehin schon erfüllen.  Vorangetrieben wurde das im Sommer beschlossene Gesetz maßgeblich  von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), die es selbst als „Meilenstein“ für Frauen in Deutschland lobte.

          Bilfinger-Chefin Christina Johansson
          Bilfinger-Chefin Christina Johansson : Bild: Bilfinger SE

          Von den 20 der 160 größten deutschen Börsenunternehmen, die in den vergangen  12 Monaten erstmals eine Frau in ihren Vorstand berufen haben, fallen rund 10 Unternehmen unter das neue Gesetz. Allbright-Geschäftsführerin Wiebke Ankersen sieht die Entwicklung grundsätzlich positiv, mahnt aber an,  Unternehmen „sollten sich jetzt nicht zurücklehnen und hinter der  einen ‚Alibi-Frau’ verstecken.“ Immerhin drei große Börsenunternehmen (Airbus, Allianz, Deutsche Telekom) haben schon jeweils drei Frauen im Vorstand, ab Dezember auch Daimler.

          Noch 37 Unternehmen mit „Zielgröße Null“ 

          Börsennotierte Großunternehmen müssen schon seit rund 5 Jahren begründen, wenn sie in ihrem Vorstandsgremium weiterhin ohne Frauen planen, sonst droht ihnen ein Bußgeld. Dass sich viele Unternehmen das Ziel „Null“ vorgenommen haben, hat in der Vergangenheit vielfach für politische Empörung gesorgt.  Allerdings ist die Zahl der Unternehmen, die weiterhin ganz ohne Frauen planen von Jahr zu Jahr gesunken. Vor fünf Jahren hatten sich noch 110 der 160 Unternehmen eine „Zielgröße Null“ gesetzt, mittlerweile sind es nur noch 37. Unter den Dax-40 Unternehmen planen derzeit noch 2 Unternehmen ohne Frauen im Vorstand: Die Online-Bestellplattform Delivery Hero und Berliner Kochboxenversender HelloFresh.  Beide Unternehmen können das, weil sie nicht unter die gesetzliche Mindestbeteiligungsregel fallen, weil entweder der Vorstand zu klein ist (Delivery Hero)  oder das Unternehmen in der in der Rechtsform der Europäischen Aktiengesellschaft SE organisiert ist  (HelloFresh) und zum Zeitpunkt der Gründung nicht mitbestimmungsplichtig war.   

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