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Akademisierung : Jetzt jammert sogar der Mittelstand über Lehrlingsmangel

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Die mittelständischen Betriebe konnten sich lange gegen den Lehrlingsmangel stemmen. Doch jetzt zeigt sich: Auch sie sind gegen die Probleme nicht immun. Bild: obs

Wer heute überhaupt noch eine Ausbildung macht, den zieht es oft in den Mittelstand. Doch selbst dort kommen jetzt die Probleme an: Demographie und Akademisierung. Wie wollen die Mittelständler wieder Lehrlinge gewinnen?

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          Die meisten Auszubildenden in Deutschland lernen nach wie vor in mittelständischen Unternehmen. Diese konnten trotz der schwierigen Lage am Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren stabile Lehrlingszahlen vermelden. Trotzdem ist ihr Blick in die Zukunft düster: Angesichts sinkender Schülerzahlen rechnet die KfW erstmals seit langem mit weniger Auszubildenden im Mittelstand.

          Der pessimistische Blick des Mittelstands fügt sich ein in eine Reihe von Negativmeldungen zum Interesse der Jugendlichen an einer Berufsausbildung. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Jochen Schweitzer, hatte dafür Ende der Woche deutliche Worte gefunden. Den Unternehmen „gehen die Bewerber aus“, sagte er: „Rund 14.000 haben überhaupt keine Bewerber mehr.“ Die Bilanz zu den abgeschlossenen Lehrlingsverträgen Ende Juli las sich alles andere als ermutigend. 172.224 offene Ausbildungsstellen hatte der DIHK zu diesem Zeitpunkt noch zu vermelden.

          In den vergangenen fünf Jahren war es immerhin kleinen und mittleren Firmen noch recht gut gelungen, die Zahl der Nachwuchskräfte bei etwa 1,2 Millionen konstant zu halten, wie die KfW Bankengruppe anlässlich des Beginns des neuen Ausbildungsjahres am 1. September mitteilte. Insgesamt sank die Zahl der Azubis den Angaben zufolge dagegen von einst 1,61 Millionen im Jahr 2008 auf 1,34 Millionen im vergangenen Jahr.

          „Für das gerade gestartete Ausbildungsjahr 2016 rechnen wir allerdings mit einem leichten Rückgang der Azubis im Mittelstand“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Der Grund: Es gibt immer weniger Schulabgänger und immer mehr wollen studieren.

          Lehrlinge zieht es immer stärker in den Mittelstand

          Neun von zehn Schulabgängern absolvierten der KfW zufolge ihre Berufsausbildung zuletzt bei einem mittelständischen Unternehmen. „Die Ausbildungstätigkeit verlagert sich immer weiter in den Mittelstand“, sagte Zeuner. Bei kleinen und mittleren Firmen arbeiten den Angaben zufolge gut zwei Drittel der Beschäftigten bundesweit, mittlerweile aber fast 90 Prozent der Lehrlinge.

          Die großen Mittelständler mit 50 oder mehr Beschäftigten tragen der KfW zufolge am meisten zur Berufsausbildung bei. Fast die Hälfte der 1,2 Millionen Azubis steht dort unter Vertrag.

          Je kleiner ein Betrieb sei, desto seltener habe er Lehrlinge. Ausnahme sei das Handwerk. Die vielen kleinen Betriebe seien weit überdurchschnittlich ausbildungsaktiv, heißt es in der Vorabauswertung des Mittelstandspanels 2016.

          Chancen für Flüchtlinge verbessern

          Die KfW regte an, berufsvorbereitende Maßnahmen auszubauen, um die Chancen junger Flüchtlinge ohne Ausbildungsplatz zu verbessern. „Die Integration von Flüchtlingen zählt aktuell zu den zentralen Herausforderungen des Berufsbildungssystems in Deutschland“, sagte Zeuner.

          Zum Mittelstand zählt die staatseigene Förderbank Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz von nicht mehr als 500 Millionen Euro. Das Mittelstandspanel 2016, für das die KfW bis zu 15 000 Firmen zu verschiedenen Themen befragte, soll im Oktober veröffentlicht werden.

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