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Gehälter steigen : „Der Wettbewerb sorgt für höhere Löhne in der Altenpflege“

Die Gehälter von Altenpflegekräften steigen deutlich – und auch stärker als die Gehälter insgesamt. Bild: dpa

Die Gehälter von Altenpflegekräften steigen deutlich – und auch stärker als die Gehälter insgesamt. Das geht aus dem neuen „Entgeltatlas“ der Bundesagentur für Arbeit hervor.

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          Die Gehälter von Altenpflegekräften steigen derzeit deutlich – und auch stärker als die Gehälter insgesamt. Der deutschlandweite Mittelwert der Entgelte in der Altenpflege hat im vergangenen Jahr, auf Vollzeitbasis gerechnet, eine Höhe von monatlich 3032 Euro erreicht. Im Vergleich zum Jahr 2018 ist das ein Anstieg um 155 Euro oder 5,4 Prozent, seit 2015 ergibt sich damit sogar ein Plus von 18,6 Prozent. Das zeigen Übersichten aus einem neuen „Entgeltatlas“, den die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag veröffentlicht hat. Es handelt sich um eine jährliche Auswertung, deren Grundlage die Sozialversicherungsdaten aller beitragspflichtigen Arbeitsverhältnisse sind.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Mittelwert für alle Branchen und Berufe hat sich demnach im vergangenen Jahr um 97 Euro oder 2,9 Prozent auf 3401 Euro erhöht. Im längeren Zeitraum seit 2015 beträgt der Anstieg über alle Branchen hinweg 10,3 Prozent. Im Ergebnis hat die Altenpflege den allgemeinen Mittelwert also zwar nicht eingeholt, sie hat aber kräftig aufgeholt. Die Analyse betrachtet jeweils den sogenannten Median – also den Wert, den die Hälfte aller betrachteten Einzelwerte über- oder unterschreitet.

          Das mittlere Gehalt für Altenpfleger im Osten lag den Daten zufolge zuletzt bei 2707 Euro, im Westen bei 3120 Euro. Im Ländervergleich lag Baden-Württemberg mit 3326 Euro an der Spitze und Sachsen-Anhalt mit 2532 Euro am unteren Ende der Tabelle. Allerdings gibt es dort nun die stärksten Steigerungen: um fast 35 Prozent seit 2015.

          Wettbewerb soll für höhere Löhne sorgen

          Der Verband der privaten Pflege-Arbeitgeber (BPA) stellte die seine Branche betreffenden Ergebnisse am Dienstag lobend heraus und wertete sie als Beleg für einen funktionierenden Wettbewerb angesichts von Personalengpässen. „Der Wettbewerb sorgt für höhere Löhne in der Altenpflege“, sagte Verbandspräsident Rainer Brüderle. Die Politik müsse aber eine Antwort liefern, wie ein weiterer Anstieg der Löhne refinanziert werden solle. Die Regierungskoalition aus Union und SPD hat neue gesetzliche Lohnvorschriften für die Altenpflege erlassen, die von 2020 an für einen stärkeren Lohnanstieg sorgen sollen. Noch nicht geklärt ist aber, inwieweit die Pflegeversicherung mehr Geld erhalten soll, damit Mehrkosten der Pflegedienste und -heime nicht bei deren Patienten hängenbleiben.

          Die Auswertung der Bundesagentur zeigt indes zudem, dass die Lohnspreizung in Deutschland auch insgesamt an Schärfe verliert – die Löhne der Arbeitnehmer am unteren Ende der gesamtwirtschaftlichen Skala stiegen im Jahr 2019 ein weiteres Mal überdurchschnittlich stark. Betrachtet man nur das untere Fünftel der Beschäftigten, so lag deren Bruttolohn zuletzt im Mittel bei 1897 Euro und damit 4,2 Prozent höher als im Vorjahr. Gleichzeitig entsprachen die 1897 Euro einem Niveau von 55,8 Prozent des allgemeinen Lohn-Mittelwerts von 3401 Euro – verglichen mit 55,1 Prozent im Jahr 2018 und 53,9 Prozent im Jahr 2015. Zu Beginn des Jahrzehnts hatte das untere Fünftel der Arbeitnehmer sogar nur 51 Prozent des allgemeinen Mittelwerts erreicht.

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