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Dentalhygiene : Bachelor im Zähne säubern

  • -Aktualisiert am

Präzisionsarbeit am Puppenkopf: Der Studiengang will nicht nur die Theorie lehren. Bild: Praxis Hochschule

Ein neuer Studiengang schreckt Zahnärzte auf: Angehende Dentalhygieniker sollen künftig ihr Geschäft im Hörsaal erlernen - und nicht mehr in langwierigen Fortbildungen. Doch braucht es zum Zähne säubern wirklich einen Bachelor?

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          Deutsche Patienten gehen regelmäßig zur Kontrolle zum Zahnarzt - Amerikaner gehen zum Dentalhygieniker. Auch in den Niederlanden oder in den skandinavischen Ländern spielen die Spezialisten im Zähne säubern eine viel größere Rolle als hierzulande. Da überrascht es kaum, dass Deutschland eines der wenigen europäischen Länder ist, das bisher noch keinen anerkannten Ausbildungsweg zum Dentalhygieniker hat. Doch das ändert sich jetzt: Zu diesem Wintersemester bietet die neue Praxis Hochschule für Gesundheit und Soziales in Köln den ersten akkreditierten Bachelor of Science in Dentalhygiene und Präventionsmanagement an.

          Dentalhygieniker sind so etwas wie hochspezialisierte Zahnarzthelfer. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Verhütung und Behandlung von Zahnbetterkrankungen. Bisher war es hierzulande nur über langwierige Fortbildungswege möglich, den Beruf zu erlangen. Bis Zahnarzthelfer eine Kammerfortbildung zum Dentalhygieniker beendet hatten, vergingen üblicherweise gut zehn Jahre, und selbst dann war es kein anerkannter Abschluss. Damit gelten die Absolventen offiziell als ungelernt. Besonders bei Arbeitslosigkeit ist das ein Nachteil, etwa bei Bewerbungen in fachfremden Branchen.

          Umstrittener Bildungsweg

          Das neue Studium können Abiturienten und ausgebildete Zahnärztliche Fachangestellte (ZFA) aufnehmen. Letztere können die Studiendauer verkürzen. Abiturienten werden parallel zum Zahnärztlichen Fachangestellten ausgebildet. Die Studenten lernen sowohl in Praxen, die mit der Hochschule kooperieren, als auch an Modellen, also an lebensgroßen Puppenköpfen mit nachgebildetem Gebiss. Dazu gibt es eine theoretische Ausbildung. Außerdem lernen die Studenten Konflikt- und Notfallmanagement sowie Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre und des Gesundheitssystems. Die Studiengebühren betragen 600 Euro im Monat, werden aber oft von den Praxen übernommen.

          Ob es fürs professionelle Zähne säubern wirklich einen Bachelorabschluss braucht, ist indes umstritten. Befürworter nennen die zunehmende Alterung der Gesellschaft als Argument. Mehr als 70 Prozent der Patienten, die älter als 40 Jahre sind, haben dem Institut der Deutschen Zahnärzte zufolge Zahnfleischerkrankungen. Mit dem Bachelor, so wirbt die Hochschule, werde gut ausgebildetes Fachpersonal schneller verfügbar als über den üblichen Weg. Die fertigen Dentalhygieniker seien dann auch qualifiziert, eine ganze Prophylaxe-Abteilung in einer Praxis zu leiten. Die Unterstützung der Zahnärzte für den Bachelor in Dentalhygiene sei mittlerweile groß, glaubt Beate Gatermann, Vorsitzende des Deutschen Dentalhygienikerinnen Verbands. Befragt man die Bundeszahnärztekammer dazu, klingt das allerdings etwas anders: „Ich halte den Bachelorstudiengang Dentalhygiene für überflüssig“, sagt Michael Sereny, Vorstandsreferent im Aus- und Fortbildungsausschuss. „Damit wird eine höhere Qualifikation suggeriert, in der Praxis wird aber das Gegenteil der Fall sein.“ Von den Praxen erwarte er daher Zurückhaltung.

          Unter Studenten hingegen erfreut sich der neue Bachelor einer regen Nachfrage. Der Kölner Studiengang ist komplett ausgebucht. Und in Münster soll angeblich im nächsten Jahr schon der nächste Dentalhygiene-Bachelor starten.

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