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Ärzte auf dem Land : Heilen in Höxter

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Eine Herausforderung, findet Christiane Wenkel. Zwar seien die ausländischen Kollegen durchweg „sehr herzlich und bei den Patienten beliebt“. Doch gebe es im Kollegenkreis und seitens der Schwestern noch immer Sprachprobleme. „Ich frage den Kollegen: Willst du dem Patienten eine Antibiose ansetzen? Er versteht: Hast du dem Patienten schon eine Antibiose angesetzt? Er antwortet: Nein.“ Solche Missverständnisse machten den Klinikalltag zuweilen kompliziert. Neben Verständigungsschwierigkeiten gebe es auch kulturelle Unterschiede. Manche der neuen Kollegen hätten etwa Angst zuzugeben, wenn sie etwas nicht wissen; die Ober- und Chefärzte wünschten sich dagegen eine offene Kommunikation. „Wir arbeiten mit Hochdruck an diesen Themen“, sagt Personalleiter Schaum. Seitdem er verstärkt außerhalb Deutschlands rekrutiert, hat er einiges dazugelernt. Er hat viele Kliniken und Universitäten in den Herkunftsländern besucht und sich ein eigenes Bild gemacht. Und inzwischen erhält jeder Neuankömmling von der Klinik ein Einstiegstraining. Es dauert ein halbes Jahr, in dem die jungen Ärzte ihr Deutsch verbessern und Fachkenntnisse auffrischen können. Auch über interkulturelle Konflikte sollen sie in den Kursen reflektieren. Die EU zahlt Fördermittel, 5000 Euro je fortgebildeter Person bleiben trotzdem am Krankenhaus selbst hängen. Die Trainings aber scheinen zu fruchten. „Die Fluktuation ist niedriger geworden“, sagt Schaum. Mit Hilfe der ausländischen Kollegen hat er es mittlerweile geschafft, alle offenen Assistenzarztstellen zu besetzen. Nun will er, dass bald auch wieder mehr Mitarbeiter aus Deutschland nach Höxter kommen.

Einen Anreiz bietet der Gang in die Provinz schon jetzt: „Weil die Konkurrenz vergleichsweise gering ist, kann man hier gut Karriere machen, wenn man sich entsprechend engagiert“, sagt Christiane Wenkel. Sie hat es selbst erlebt: Als der Oberarzt in der Kardiologie des St. Ansgar Krankenhauses unerwartet an eine andere Klinik wechselte, wurde sie kurzerhand mit seinen Aufgaben betraut - obwohl sie ihre Facharztprüfung bislang noch gar nicht abgelegt hat. Ein großer Vertrauensbeweis, findet sie. Nun nennt sie sich „Funktionsoberärztin“, und sie ist sich sicher: „So schnell wäre das an einem großen Klinikum in München oder Hamburg bestimmt nicht gegangen.“

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