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Ärzte : Handwerker-Mangel im Krankenhaus

Frauen sind hier besonders selten Bild: fotolia.com

Den Operateuren geht der Nachwuchs aus. Gründe für ihr schlechtes Image gibt es viele. Der Berufsverband der Chirurgen will nun unter angehenden Ärzten um mehr „Aufschneider“ werben.

          4 Min.

          Wie nennt man das grüne Tuch zwischen Chirurg und Internist? Blut-Hirn-Schranke.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Chirurgen stehen in der inoffiziellen Beliebtheitsliste der Arztberufe nicht gerade am oberen Ende. Um das zu wissen, bedarf es eigentlich nicht einmal zweifelhafter Scherze aus dem Internet. Man kann auch den Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) fragen. "Gerade die Chirurgie hat unter Frauen einen schlechten Ruf", sagt Vorstandsmitglied Gunda Leschber, Chefärztin der Thoraxchirurgie an der Evangelischen Lungenklinik in Berlin. Das ist fatal, weil rund zwei Drittel der Studienanfänger und mehr als die Hälfte der Absolventen im Fach Medizin inzwischen Frauen sind. Aber auch bei den jungen Medizinmännern ist vom "alten Glanz" des Faches nicht mehr viel zu spüren. Die Zahl der jungen Mediziner, die eine Facharztausbildung als Chirurg antreten, geht zurück. Gleichzeitig werden die aktiven Chirurgen älter und auf Dauer weniger.

          Grund genug für den Berufsverband, darüber nachzudenken, wie man den jungen Männern und Frauen die Angst vor einem Berufsleben am Skalpell nehmen kann. "Nur Mut! Kein Durchschnittsjob: ChirurgIn" hat er seine jetzt begonnene bundesweite Werbekampagne genannt. Mit einem Anflug von Selbstironie kommen die Anstecker, Flyer und Plakate daher. Der jungen Frau hinter dem grünen Mundschutz wird etwa das Label "Schnitte" verpasst, ihr männliches Pendant, bei der blutigen Arbeit fotografiert, als "Aufschneider" tituliert. Versteckte Hinweise auf den ruppigen Ton unter Chirurgen?

          Werbung zwischen Greifswald und Aachen

          In Informationsveranstaltungen, zunächst an den Hochschule in Jena, Köln, Greifswald und Aachen, werben Vorstandsmitglieder des Chirurgen-Verbands zu Beginn der klinischen Ausbildung für ihre Profession. Ziel sei es, den Studenten "möglichst realitätsnah den Alltag eines Chirurgen auf dem Weg zum Facharzt" zu beschreiben, sagt der Kölner Gefäßchirurg Wolfgang Schröder. Wer anderswo studiert, kann sich im Internet informieren (www.chirurg-werden.de).

          Zugleich wird mit der Unterstützung in "unserer großen Gemeinschaft" geworben: Jungen Ärzten, die Chirurg werden wollen, vermittelt der Verband auf Wunsch erfahrene Operateure als Paten. Kostenfrei, versteht sich. ",Nur Mut' soll potentiellen Nachwuchs nicht nur realitätsnah über das Berufsbild Chirurg informieren, sondern auch die faszinierenden Seiten der schneidenden Zunft transportieren", sagt Verbandsgeschäftsführer Jörg Ansorg.

          Alles andere als faszinierend sind dagegen die Zahlen aus der Ärztestatistik. Aktuell sind in Deutschland knapp 28.500 Chirurgen tätig. Davon sind mehr als 3300 älter als 60 Jahre. Die Gruppe der über 50-Jährigen umfasst sogar mehr als 11.700 Chirurgen, die in absehbarer Zeit ausscheiden werden - mehr als 40 Prozent aller Chirurgen.

          Viele Gründe für das schlechte Image

          Gründe für das schlechte Image des Berufs gibt es viele. Einer ist die starre Hierarchie im Operationssaal, für die es freilich gute Gründe gibt. "Bei einer Operation bleibt eben keine Zeit für basisdemokratische Entscheidungen", sagt Andreas Botzlar, Zweiter Vorsitzender der Krankenhausärztegewerkschaft Marburger Bund und selbst auf dem Sprung zum Facharzt für Chirurgie. "Die Choreographie standardisierter Eingriffe muss passen."

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