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Abwerbungsversuche : Was tun, wenn der Headhunter anruft?

Jetzt bloß nicht zu früh freuen: Im Normalfall hat ein Headhunter hunderte Kandidaten im Blickfeld. Bild: Getty

„Können Sie gerade frei sprechen?“ Wer am Telefon diesen Satz hört, darf sich kurz großartig fühlen – sollte dann aber schnell wieder den Verstand einschalten.

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          Das erste Telefonat mit einem Headhunter dauert oft nur wenige Sekunden: Weil Headhunter ihre Zielpersonen häufig im Büro während der gewöhnlichen Arbeitszeiten anrufen, arbeiten sie in einem strengen rechtlichen Korsett. Grundsätzlich erlaubt ist ein Telefonat zum Abwerben im Büro zwar – das haben nach langem Streit vor 15 Jahren die Richter des Bundesarbeitsgerichts entschieden – aber für Headhunter gelten seither strenge Regeln: „Können Sie gerade frei sprechen?“, lautet der klischeehafte Satz beim Erstkontakt im Büro, zulässig ist aber auch dann nur ein kurzes Gespräch zur Vereinbarung eines Kennenlernens fernab des Arbeitsplatzes.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Selten sind Anrufe von Headhuntern durchaus nicht. Gerade in der derzeit guten Arbeitsmarktlage suchen viele Unternehmen dringend Personal; oft bewerben sich aber einfach zu wenige geeignete Kandidaten auf offene Stellen. Darum holen sich viele Personalabteilungen externe Hilfe. Weil sie dafür einiges zahlen müssen, kommen Headhunter meist erst bei der Suche für Positionen ab einer gewissen Hierarchiestufe zum Einsatz und nur in sehr seltenen Ausnahmefällen bei der Suche nach Berufseinsteigern und gewöhnlichen Fachkräften. Die Personalvermittler sind aber längst nicht nur für die oberste Chefetage im Einsatz. Die meisten Stellen werden gerade im mittleren Management vermittelt, etwa Posten für Abteilungsleiter und Bereichsleiter. Manchmal geht es auch um gehobene Fachpositionen mit mehreren Jahren Berufserfahrung und Spezialwissen. Im Schnitt liegt das Brutto-Jahresgehalt in von Headhuntern besetzten Positionen bei 155.000 Euro. Die Bandbreite ist aber groß: Wenn Aufsichtsräte von Großunternehmen Vorstandsposten mit Millionengehältern zu vergeben haben, werden fast immer Personalberater hinzugezogen, allein schon, um zu dokumentieren, ernsthaft und professionell gesucht zu haben. Aber deutlich mehr als ein Drittel des Geschäfts machen Headhunter mit Positionen unter 100.000 Euro Jahreseinkommen, belegen Zahlen des Branchenverbandes BDU (siehe Grafik).

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