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Aberglaube im Büro : Wenn Horoskope nachhallen

Schwarze Katze von links! Schon nervös? Bild: iStock

Schräge Gedanken im Kopf, Talisman in der Tasche und das Tageshoroskop mal überflogen: Rituale und Glücksbringer können uns im Beruf beflügeln - oder verrückt machen.

          5 Min.

          Aberglaube im Beruf - was soll der sinnentleerte Unfug? Der Betriebswirt, ein kühler Zahlenmensch, schüttelt den Kopf. Dann gibt er zögernd zu, dass er das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in seinem stockfleckigen, zu engen Uralt-T-Shirt verfolgt hat, weil er es schon beim deutschen WM-Sieg 1990 getragen hat. „Das ist kein Aberglaube, das ist ein Glücksbringer“, sagt er und lacht.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Wenn Fußballspieler den Rasen, in den sie zuvor Nägel versenkt haben, nur zuerst mit dem Glücksfuß und erfolgsversprechender Unterhose betreten oder Kicker vor dem Anpfiff Huftiere präsentieren, dann ist das ganz normal. Halt ein etabliertes Ritual. Was Menschen unter Aberglaube verstehen, das ist ein weites Feld.

          Es reicht vom esoterisch abgedrehten Raumreinigungsausräucherritual bis zum Talisman in der Tasche auf dem Weg zur Konferenz, die nie auf einen Freitag, den 13. gelegt wird. „Im Kern geht es um den Wunsch, Kontrolle über sein Schicksal zu bekommen und gleichzeitig etwas Verantwortung an eine höhere Macht abzugeben. Der Gedanke ist ja durchaus attraktiv“, sagt die Trierer Psychologin Stefanie Stahl. Sie sieht im Aberglauben „ein Mittel der Selbstberuhigung“.

          Was steckt dahinter?

          Aberglaube entsteht durch die nicht wissenschaftlich belegbare Verknüpfung von Ursache und Wirkung, erklärt die Frankfurter Management-Beraterin Felicitas von Elverfeldt. „Menschen glauben, gleichzeitige Ereignisse seien kausal miteinander verknüpft, obwohl sie in Wirklichkeit voneinander unabhängig sind. Sobald beide Ereignisse abermals zusammen auftreten, wird der Aberglaube verstärkt.“ Das hat Tradition und ist etabliert in Berufen, die mit einem hohen Risiko behaftet sind. „Ein höheres Maß an Kontrollverlust, Ungewissheit oder auch Abhängigkeit von Naturgewalten kann zur Flucht in den Aberglauben führen“, sagt von Elverfeldt.

          So hielten Seefahrer Katzen auf dem Schiff, nicht nur, damit sie Nager dezimieren. Wer Schauspielern „viel Glück“ wünscht, vergrätzt sie mit der nett gemeinten Phrase. Pfauenfedern oder drei brennende Kerzen auf der Bühne, das geht gar nicht. Was steckt dahinter? „Die Hoffnung, auf Situationen Einfluss nehmen zu können, auf die man eigentlich, logisch gesehen, keinen hat“, sagt die Münchener Wirtschaftspsychologin Madeleine Leitner.

          Besteht Bodenhaftung, sei dagegen nichts einzuwenden, erläutert Stefanie Stahl. Schließlich bietet das Berufsleben genug bedrohliche Situationen, „die unsere arme Psyche zu verwalten hat“. Existentielle Ängste zu versagen, das latente Gefühl, von einer Fusion und dem Verlust des Arbeitsplatzes bedroht zu sein oder auch „nur“ die Sorge, bei der Präsentation zu versagen - genug Anlässe, sich Unterstützung zu holen. „Man braucht Sicherheit, ein bisschen Schutz“, sagt Psychotherapeutin Stahl. „Wir haben alle eine Konstruktion von Wirklichkeit im Kopf, ganz gleich, wie das dann tatsächlich aussieht.“

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