https://www.faz.net/-gyl-7wv01

Aberglaube im Büro : Wenn Horoskope nachhallen

Humbug oder doch ein Quäntchen Wahrheit?

Diejenigen, die auf die Kraft ihres Glaubens und auf eine wie auch immer gestaltete göttliche Gerechtigkeit bauen, vertrauen religiösen Traditionen. Andere zimmern sich ihre eigene Gedankenwelt. Immerhin glauben 66 Prozent aller Deutschen an einen Schutzengel. So wie die besorgte Grundschulmutter, die in den Ranzen eine getöpferte Putte versenkt, das Kind strahlt ob der liebevollen Geste. „Häufig übernehmen wir den Aberglauben von Menschen, denen wir vertrauen“, sagt Felicitas von Elverfeldt.

Andere gehen in keine Prüfung, keine Präsentation ohne ihren Glücksbringer oder einen ganz besonderen Schlüsselanhänger, treten eine neue Stelle nur an einem bestimmten Wochentag an, beharren auf einer Telefondurchwahl, die eine bestimmte Quersumme ergibt. „Das sind Haltegriffe für die Seele“, deutet Felicitas von Elverfeldt. Einer ihrer Mandanten trage bei wichtigen beruflichen Anlässen immer ein bestimmtes Paar Schuhe, „mit dem er sich erfolgreich fühlt und in denen er einen besonderen Stand hat“. Der Mann ist übrigens ein Geschäftsführer.

Humbug hin oder her, hier greift die vielzitierte selbsterfüllende Prophezeiung, betont von Elverfeldt. Eine ihrer Klientinnen, Managing Director einer namhaften internationalen Bank, zieht bei wichtigen Präsentationen ein bestimmtes Kostüm an, mit dem sie einmal ein sehr gutes Ergebnis erzielt hat: „Sie fühlt sich in dem Kostüm erfolgreicher, und so wird es zur selbsterfüllenden Prophezeiung.“ Und ein gutes Gefühl zu speichern, „sich selbst ein bisschen zu steuern“, dagegen spräche ja nichts, sagt die Psychologin.

Aberglaube versetzt Berge

Worin Außenstehende nur einen etwas aus der Mode gekommenen Jadestein erblicken, steckt für den Steinträger die bestärkende Loyalität des Patenonkels, der mit unerschütterlicher Gelassenheit an ihn geglaubt hat. Ein Griff an den Stein und die Zuversicht, mit der der Onkel durch Irrwege bei Pubertät und Stellensuche geleitet hat, ist wieder präsent: Also wird der Stein in die Blazertasche gesteckt und kühlt die verschwitzten Hände vor dem Vortrag auf Französisch.

Von Elverfeldt verweist auf das klassische, vielfach replizierte Experiment von Robert Rosenthal an amerikanischen Grundschulen: Zunächst überzeugte er mit einem Scheintest das Kollegium, das bestimmte, von ihm zufällig ausgewählte Schüler sogenannte hochintelligente „Aufblüher“ seien, die in Zukunft hervorragende Leistungen zeigen würden. Bei einer Intelligenzmessung am Schuljahresende hatten die meisten dieser Schüler tatsächlich ihr Intelligenzniveau stark verbessert.

„Wenn ich einem Mitarbeiter etwas zutraue, dann wird der auch so gut“, überträgt das von Elverfeldt auf die Arbeitswelt. „Der Glaube versetzt ja bekanntlich auch Berge. Und wenn ich an etwas glaube, bin ich wiederum sicherer und kann im Sinne einer Selffullfilling Prophecy auch wirklich mehr erreichen. Was wiederum den Glauben bestärkt“, bestätigt ihre Münchner Kollegin Madeleine Leitner. „Wenn Menschen sagen, ich schaffe es, da hochzuspringen, wenn ich das Trikot anhabe, dann bekommen sie tatsächlich mehr Zutrauen, glauben stärker an sich, Zweifel werden geringer.“

Topmeldungen

Notstand ausgerufen : In Venedig wächst die Wut

Mehr als 80 Prozent der Stadt stehen zwischenzeitlich unter Wasser, die Bewohner sind entsetzt – und sauer auf die Politik: Diese gibt zwar jetzt Millionen Soforthilfe, habe beim Hochwasserschutz aber komplett versagt und stattdessen rücksichtslos den Tourismus gefördert.

Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.
Der Stoff, aus dem sich viel mehr als eine leckere Suppe kochen lässt: Hokkaido-Kürbis

Leckeres aus Kürbis kochen : Hitze tut ihm richtig gut

Die Kürbissaison ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Aber was anstellen mit den Riesenbeeren? Köche sagen: in den Ofen schieben. Wir stellen ein Rezept von Johann Lafer vor und eines, das auf Paul Bocuse zurückgeht.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.