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Brexit : Schulen sehen EU-Austritt des Vereinigten Königreichs entspannt

An internationalen Schulen in Frankfurt befürchtet man noch keinen großen Ansturm im Zuge des Brexits. Bild: ZB

Der Brexit kommt. Wie viele Familien aus London nach Frankfurt ziehen, weiß man noch nicht. An internationalen Schulen macht man sich derzeit keine Sorge, nicht ausreichend Schüler aufnehmen zu können.

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          Wenn der Brexit im März nächsten Jahres wirklich kommt, dann ist das Schulwesen in Frankfurt und Umgebung vorbereitet. „Wir könnten noch 150 Schüler aufnehmen“, sagt etwa Amanda Ife von der in Sindlingen beheimateten International School Frankfurt. Es sei zwar nicht so, dass freie Plätze vorgehalten würden, aber bei Bedarf sei es möglich, die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen. Ähnliches zu hören ist von der Europäischen Schule Rhein-Main in Bad Vilbel, von der Phorms-Schule in Frankfurt und Steinbach und vom neugegründeten King’s College in Friedrichsdorf.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seitdem Großbritannien sich für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden hat, wird über den Umzug insbesondere von Finanzinstituten von London nach Frankfurt spekuliert. Als mögliches Manko der Rhein-Main-Region wurde in manchen Medien das angeblich zu knappe Angebot internationaler Schulen genannt. Oliver Schwebel, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH, bezeichnet solche Berichte vorsichtig als „auf einem Missverständnis beruhend“.

          In der Region gibt es laut Zählung der Wirtschaftsförderung mehr als 50 Schulen, die auf Englisch oder in anderen Fremdsprachen unterrichten und internationale Abschlüsse anbieten. Allein 20 davon liegen in Frankfurt. Noch größer ist das Angebot an zwei- oder dreisprachigen Kindertagesstätten. Die Gebühren der Privatschulen liegen zwischen etwa 300 und 3000 Euro im Jahr, wobei sie sich teils nach dem elterlichen Einkommen richten. Außerdem gibt es viele staatliche Schulen, die international orientiert sind und kein Schulgeld verlangen.

          5400 Stellen in Frankfurt

          Eine vom Regionalverband Rhein-Main erstellte Liste führt unter anderem acht Bildungsstätten auf, die zum weltweit anerkannten Abschluss International Baccalaureate, dem IB, führen. Darunter sind private wie die Metropolitan School Frankfurt und die Strothoff International School in Dreieich sowie öffentliche Bildungsstätten wie das Frankfurter Goethe-Gymnasium. Andere internationale Abschlüsse wie das deutsch-französische Abibac kann man zum Beispiel am Lycée français Victor Hugo in Frankfurt oder an der Gutenbergschule in Wiesbaden erwerben. Hinzu kommen die Europäischen Schulen in Frankfurt und Bad Vilbel, die zum Europäischen Abitur führen, sowie etliche bilinguale Schulen.

          Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sieht im Brexit eine „krasse Fehlentscheidung“, die man als Europäer nur bedauern könne. Dessen ungeachtet müsse sich Frankfurt auf den Zuzug von Unternehmen insbesondere aus London einstellen und auch darum werben. „Wir haben hier eine gute Infrastruktur, obwohl das international oft nicht bekannt ist.“ Das gelte etwa für den Anschluss an Datennetze, aber auch für die Ausstattung mit internationalen Schulen.

          Frank rechnet damit, dass im Zuge des Brexits bis 2021 etwa 5400 Stellen in Frankfurt entstehen. Das sei aber nicht mit einem Stellenaufbau gleichzusetzen, da an anderer Stelle des Finanzwesens Arbeitsplätze abgebaut würden. Außerdem kämen längst nicht alle „Brexit-Banker“ aus London, sondern auch von anderen Standorten. Zudem werde voraussichtlich mehr als die Hälfte der Stellen mit Kräften besetzt, die bereits in Frankfurt ansässig seien.

          Nach der Erfahrung von Amanda Ife von der International School Frankfurt ist überdies zu erwarten, dass die meisten Londoner ihre Familien erst einmal nicht mitbrächten, sondern lieber pendelten. „Es ist die Mentalität der Briten, dass sie nicht umziehen wollen.“ Wenn Frankfurt seine Vorzüge herausstelle, dann sei es aber möglich, dass im Laufe der Zeit auch der Wohnsitz hierher verlegt werde.

          Tom Zijlstra von der Europäischen Schule Rhein-Main sagt, die künftige Nachfrage hänge auch davon ab, ob der Brexit hart ausfalle oder ob es weitgehende Kompromisse zwischen Großbritannien und der EU gebe. Seine Kollegin Gitta Lotz sagt, die Europäische Schule habe „zwar jeden Tag Anfragen, aber die haben wir immer“. Das private und das öffentliche Bildungswesen im Raum Frankfurt biete viele Möglichkeiten. „Ich sehe das sehr entspannt.“

          Alexander Thoms von der Phorms-Schule berichtet von einzelnen Anrufen im Zusammenhang mit dem Brexit. Es gebe auch Unternehmen, die Platzkontingente für ihre Mitarbeiter reservieren wollten. „Wir legen bei der Aufnahme den Fokus auf die einzelnen Schüler.“

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