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BP-Chef tritt zurück : Der tiefe Fall des Sonnenkönigs

  • Aktualisiert am

Pikante Details aus dem privaten und geschäftlichen Leben: John Browne Bild: REUTERS

Nach öffentlichem Wirbel um seine jahrzehntelang verheimlichte Homosexualität ist der Chef des BP-Konzerns, John Browne, zurückgetreten. BP sollten weitere „unnötige Peinlichkeiten“ erspart bleiben, begründete Browne seinen Schritt.

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          Für viele Manager ist Joggen im Park Erholung. John Browne, Chef des britischen Mineralölgiganten BP, kam mit Aussagen über seine sportlichen Gewohnheiten ins Stolpern. In einem Rechtsstreit mit dem Verlagshaus Associated Newspapers um Veröffentlichungen über seine Homosexualität sagte Lord Browne, er habe seinen damaligen Freund beim Sport im Londoner Battersea Park kennen gelernt. Wie sich nun herausstellte, war das eine Lüge. Am Dienstagabend nahm der 59 Jahre alte Chef des weltweit drittgrößten Ölkonzerns wegen der Falschaussage seinen Hut.

          Doch neben dieser Notlüge geht es um pikante Details aus dem privaten und geschäftlichen Leben eines der weltweit anerkanntesten und erfolgreichsten Manager, die das Medienhaus nun veröffentlichen darf: Brownes Ex-Freund, der 27 Jahre alte kanadische Student Jeff Chevalier, hatte sich an Associated Newspapers („Mail on Sunday“) gewandt und droht auszupacken. Er soll Browne darin beschuldigen, dass dieser Ressourcen von BP missbraucht hat. Nach Angaben eines Richters hat Browne Chevalier auch geholfen, eine Handyklingelton-Firma mit BP-Personal aufzubauen.

          Ein explosiver Cocktail

          Zudem soll Chevalier Angaben über die Freundschaft Brownes zum britischen Noch-Regierungschef Tony Blair und dessem wahrscheinlichen Nachfolger Gordon Brown machen. Ein explosiver Cocktail. All diese Beschuldigungen seien „irreführend und fehlerhaft“, verteidigte sich Browne. Sein Rücktritt sei ein „freiwilliger Schritt, den ich mache, um der Firma unnötige Peinlichkeiten zu ersparen“. Dass er vor Gericht gelogen habe, bedauere er „zutiefst“.

          Bedauern kam auch von Seiten des Unternehmens, dem Browne 12 Jahre lang vorstand. „Es ist eine Tragödie, dass er als ehrenhafter Mann unter diesen schmerzhaften Umständen genötigt wird, zurückzutreten“, sagte BP-Chairman Peter Sutherland. Die Vorwürfe seien unzutreffend. BP-Manager Tony Hayward übernimmt nun die Führung des Konzerns. Browne hatte bereits im Januar angekündigt, sein Amt im Juli abzugeben.

          Dem studierten Physiker droht nun nicht nur eine Strafe wegen Meineids. Wegen seines vorzeitigen Rücktritts verliert Browne auch 3,5 Millionen Pfund (rund 5,1 Mio Euro) von seinem Abfindungspaket und möglicherweise weitere 12 Millionen Pfund in Aktien.

          Ungünstig für das Unternehmen

          Für das Unternehmen kommt Brownes Rücktritt zu einer ungünstigen Zeit: Ein Untersuchungsbericht zur Explosion einer Raffinerie im US-Bundesstaat Texas, bei der vor zwei Jahren 15 Menschen starben, prangerte mangelnde Sicherheitsvorkehrungen an. Probleme hatte BP auch in Alaska, als wegen eines Lecks in der Pipeline Ölfelder teils stillgelegt wurden.

          Dass Browne jetzt nach solch einer „schäbigen Geschichte“ zurücktreten muss, sei der „größte Albtraum“ für den Manager, der einst wegen seines Erfolgs „Sonnenkönig“ genannt wurde, schreibt die Zeitung „The Times“. Browne arbeitete 41 Jahre für den Ölkonzern und erhöhte dessen Marktwert demnach innerhalb von zehn Jahren von 20 Milliarden auf fast 110 Milliarden Pfund.

          Doch von seinem Ruf „sind nur noch Ruinen übrig“, analysiert der „Daily Telegraph“ und folgert vor dem Hintergrund der Lüge: „Mächtige Vorstandsfiguren müssen wohl oft versucht sein zu glauben, dass sie nicht an dieselben Regeln gebunden sind wie die einfachen Leute. Doch vor dem Gesetz sind sie es.“ Egal, ob sie ihren Freund beim Joggen oder - wie Zeitungen enthüllten - auf einer Dating-Seite im Interne kennen gelernt haben.

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