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New Work bei Bosch : „Wir honorieren Engagement“

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Welche Konsequenzen leiten Sie daraus für Bosch als Arbeitgeber ab?

Wir sind einerseits ein Unternehmen mit mehr als 130 Jahren Geschichte. Auf der anderen Seite verfolgen wir den gleichen Anspruch wie ein Start-up, wenn es um Gestaltungsmöglichkeiten und die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit geht. Wir stellen den Sinn der Arbeit in den Mittelpunkt, denn wir wollen mit unseren Produkten die Lebensqualität der Menschen verbessern und Ressourcen schonen.

Sie sprechen von mehr Verantwortung des Einzelnen und flexiblen Rahmen­bedingungen. Wie sehen die Arbeitszeitmodelle bei Bosch aus?

Bei Bosch haben wir über 100 verschiedene Arbeitszeitmodelle. Das geht von wenigen Stunden in Teilzeit über Jobsharing bis zu einem ganz normalen Fulltime-Job. Zu welchen Tageszeiten man arbeitet und von wo aus, kann man in der Regel selbst bestimmen. Wir haben heute keine Präsenzkultur mehr, sondern das Ergebnis steht im Vordergrund. Das heißt, die Mitarbeiter können von zu Hause, im Büro oder auch vom Café aus arbeiten und so Privates und Arbeit bestmöglich in Einklang bringen. Auch im Bereich Forschung und Entwicklung gibt es Themen, die man von zu Hause aus erledigen kann. Und doch nutzen viele Mitarbeiter die Möglichkeit, mit den Kollegen vor Ort persönlich in Kontakt zu kommen. Am neuen Forschungscampus in Renningen, der mit einem See und Kreativbereichen besonders attraktiv ist, haben wir Forscher und Entwickler aus vielen verschiedenen Disziplinen und Bereichen zusammengezogen. Wir haben eine Atmosphäre geschaffen, in der konzentriertes Arbeiten und kreativer Austausch mit anderen möglich sind. Zudem haben wir eine Sporthalle, in der sich die Mitarbeiter fit halten können.

Eine offene Architektur und Kreativbereiche sollen die Unternehmensattraktivität weiter steigern.

Welche Bedeutung hat das vernetzte Arbeiten für Ihre Mitarbeiter schon heute?

Die Erfahrung zeigt, dass die Mitarbeiter im Durchschnitt vier bis viereinhalb Tage vor Ort in den Teams sind, um sich persönlich auszutauschen. Es gibt natürlich auch Veranstaltungen oder Meetings, die besucht, und Präsenzzeiten, die eingehalten werden müssen. Teambesprechungen und Innovationsworkshops werden entsprechend kommuniziert. Insgesamt kann man sagen, dass die Zusammenarbeit nicht nur innerhalb der Teams, sondern innerhalb des Unternehmens an Bedeutung gewinnt. Wir arbeiten nicht mehr nur in einzelnen Gruppen zusammen, sondern auch geschäfts- und fachbereichsübergreifend. Um die Zusammenarbeit zu fördern, schulen wir unsere Mitarbeiter in virtueller Zusammenarbeit, haben eine eigene Social-Business-Plattform mit mehr als 200.000 aktiven Nutzern und haben vor zwei Jahren beschlossen, die individuelle Zielerreichung nicht mehr in die Berechnung der jährlichen Bonuszahlung einfließen zu lassen. Stattdessen beteiligen wir alle Mitarbeiter nach der gleichen Systematik am Bosch-Ergebnis. Wir honorieren das Engagement im Team und fördern so die Zusammenarbeit.

Medien berichten viel darüber, dass durch die Digitalisierung mehr Jobs verschwinden als neue entstehen werden. Wie ist Ihre Einschätzung?

Ich habe ein differenziertes Bild: Einerseits werden dort, wo wir Vernetzung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz erfolgreich integrieren, eher einfache Aufgaben wegfallen. Andererseits werden durch neue Geschäftsmodelle und auf innovativen Feldern neue Aufgaben entstehen – insbesondere im hochqualifizierten Bereich. Ich denke zum Beispiel an die vernetzte Fertigung. Gleichzeitig wollen wir den Wandel in der Mobilität gestalten. Aus diesem Grund investieren wir pro Jahr rund 400 Millionen Euro in die Elektromobilität. Auch durch Investitionen in das automatisierte Fahren schaffen wir viele neue Arbeitsplätze. Zusätzliche Jobs werden zudem bei den Mobilitätsdienstleistungen oder in neuen Bereichen wie Smart Farming und Smart City entstehen. Für uns gilt: Wir wollen die Digitalisierung und den Wandel der Mobilität als Chance nutzen und so die Zukunft erfolgreich gestalten.

Das Interview führte Julia Hoscislawski.

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