https://www.faz.net/-gyl-8o3mt

Karriere in der ITK-Branche : Boomende Branche

  • -Aktualisiert am

Informatikerinnen gesucht

Angesichts der guten Karriereaussichten ist der geringe Frauenanteil in der Branche erstaunlich. Nur 8.000 IT-Studienanfänger sind weiblich. Eine schlüssige Antwort darauf, warum das so ist, gibt es nicht. Aber es gibt viele Initiativen, die das ändern wollen. Zum Beispiel das Start-up App Camps in Hamburg, das von Branchengrößen wie Otto und Google unterstützt wird. Nadine Buerschaper und Fulya Cankaya, beide 19 Jahre alt, sind Werkstudentinnen bei App Camps und studieren Informatik. Warum entscheiden sich nicht mehr Mädchen für ein Informatikstudium? Fulya Cankaya meint: „Es hat sich herumgesprochen, dass es eine hohe Abbrecherquote gibt. Das schreckt viele ab.“ Ein Zweifel, den die männlichen Studienanfänger offenbar nicht hegen. „Es ist eine Männerdomäne, und viele Mädchen haben Angst, dass sie da nicht mithalten können“, räumt die Studentin ein. Das sei nicht ganz unbegründet. Im Unialltag erlebt sie immer wieder, dass Männer gemeinsam etwas unternehmen und netzwerken, während Kommilitoninnen außen vor bleiben. Aber auch Frauen vernetzen sich mittlerweile. Zum Beispiel an der Uni Darmstadt beim Workshop „Crossfyre“, bei dem sich junge Frauen im Bereich Kryptographie austauschen können.

Nadine Buerschaper glaubt, dass das Klischee vom Einzelkämpfer viele Frauen abschreckt. Einen Vorteil habe es aber auch, als Frau Informatik zu studieren, argumentiert sie: „Man bekommt viel Anerkennung, so nach dem Motto: Wow, das traust du dir zu? Toll.“

Spezialisten für IT-Sicherheit

Besonders nachgefragt sind derzeit Experten für IT-Sicherheit. Das zeigt sich unter anderem an der Zahl neu geschaffener und ausgeschriebener Lehrstühle für IT-Sicherheit zum Beispiel an den Universitäten in Göttingen und Berlin sowie an der Hochschule der Bundeswehr München.

Das Thema ist durch die Cyberattacke auf den Deutschen Bundestag Anfang 2015 schlagartig ins Bewusstsein geraten und wird mittlerweile auch von der Unterhaltungsbranche aufgegriffen. Die Folgen eines Hackerangriffs auf die Stromversorgung spielt der Thriller „Blackout“ von Marc Elsberg durch: In Europa gehen die Lichter aus. Von Schweden bis ans Mittelmeer fällt der Strom aus, Lebensmittel können nicht geliefert werden, die Wasserversorgung bricht zusammen, es gibt kein Benzin mehr.

„Beim Thema Sicherheit gibt es riesige Mankos bei vielen Unternehmen“, erklärt Professorin Christina Brzuska. Sie ist an der Technischen Universität Hamburg Expertin für IT-Sicherheit. Nach Stationen in Duisburg-Essen, Bordeaux, Darmstadt, Tel Aviv und bei Microsoft Research Cambridge wurde Brzuska mit nur 30 Jahren Juniorprofessorin an der TU HH.

Das Bewusstsein für die Gefährdung aus dem Netz nimmt immerhin zu, erklärt Brzuska. Und damit auch die Nachfrage nach IT-Consulting-Firmen, die die passenden Programme implementieren. Es ist ein komplexes Themenfeld: „Einfach nur auf die IT zu schauen reicht nicht für die Sicherheit. Denn der Mensch ist die Schnittstelle.“

Die Sorglosigkeit vieler vor allem mittelständischer Unternehmen rühre daher, dass die wenigsten Unternehmen, die das Opfer einer Cyberattacke werden, dies freiwillig zugeben. Auch dies zeuge von mangelndem Sicherheitsbewusstsein, so Brzuska: „Eines der Ziele von Datenklau ist meistens, dass er unbemerkt bleiben soll.“ In den Fällen, in denen sich Angreifer bemerkbar machen, sei oft Erpressung im Spiel.

Branchen-Check ITK

Gehalt

Im Schnitt verdienen Berufsanfänger, die von der Uni kommen, 49.000 Euro pro Jahr. Damit dringen IT-Experten in den Bereich vor, der bisher Ingenieuren und Juristen vorbehalten war. Seniorspezialisten mit Personalverantwortung verdienen 80.000 Euro pro Jahr, in der Geschäftsführerebene sogar bis zu 146.000 Euro.

Arbeitgeber

Im Zeitalter der digitalen Transformation vieler Branchen sind die Arbeitgeber ebenfalls breit gestreut. Über 40 Prozent der IT-Fachkräfte arbeiten für IT-Dienstleister. Aber auch in der Autoindustrie kommen IT-Spezialisten zum Einsatz, zudem im Großhandel, in Unternehmensberatungen, in der Verwaltung, im Maschinenbau, bei Finanzdienstleistern, Versicherungen und Pensionskassen. In der Telekommunikationsbranche ist die Deutsche Telekom europaweit Marktführer.

Personalsituation und Branchenentwicklung

Der Branchenverband Bitkom erwartet für 2016 einen Zuwachs um 25.000 Arbeitsplätze auf 825.500. Damit betrug das Beschäftigungsplus innerhalb der vergangenen fünf Jahre 166.000 Stellen. 43.000 offene Positionen gibt es derzeit in der digitalen Wirtschaft, gezählt werden dabei nicht nur IT-Experten, sondern alle Arbeitnehmer. Die Arbeitsagentur verzeichnet 11.000 offene Stellen für IT-Experten. Im Telekommunikationssektor ist die Beschäftigtenzahl leicht zurückgegangen auf 195.000 Stellen, das sind 4.000 Stellen weniger als im Vorjahr.

Karriere

Hochschulabsolventen werden mit offenen Armen empfangen. Wer Potential hat, wird von großen Unternehmen eingestellt, auch wenn es keine konkrete Position gibt. Wer teamfähig ist, kann als IT-Leiter mit Personalverantwortung eine gutdotierte Position erreichen und von dort in die Ebene der Geschäftsführung aufsteigen. Besonders gesucht sind Spezialisten für IT-Sicherheit sowie Datenmanager, die qualitative und quantitative Analysen liefern können.

Weitere Themen

Topmeldungen

Polizeikräfte an einem Kran fahren zu einer Plattform, die von Aktivisten besetzt wird.

Rodung des Dannenröder Forsts : In der Tiefe des Waldes

Die Polizei arbeitet sich zum Kern der Baum-Behausungen vor. Es ist ein mühsames und gefährliches Geschäft. Wenn etwas passiert, werden die Beamten beschuldigt. Ein Ortsbesuch im Dannenröder Forst.

Lahm kritisiert Löw : SOS vom Käpt’n

Die Nationalmannschaft brauche eine „Neuerfindung“, fordert Philipp Lahm. Bundestrainer Joachim Löw beschreibt er als Teil der Lösung – aber es fällt schwer, daran zu glauben.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.