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Bildungsforschung in Frankfurt : Mit Lehrerbücherei und Potemkin-Tomograph

Bibliothek des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung Bild: Wolfgang Eilmes

Das Leibniz-Institut für Bildungsforschung hat seinen Neubau auf dem Frankfurter Westend-Campus bezogen. Es wird sich vor allem auf die frühkindliche und schulische Bildung konzentrieren.

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          Der „Kernspintomograph“ sieht ziemlich echt aus, und die Kinder, die in seine Röhre geschoben werden, hören auch das typische Klopfgeräusch. Doch Bilder aus dem Körperinnern liefert der Apparat nicht: Er ist nur eine Attrappe. Für eine echte Magnetresonanzuntersuchung, die zum Beispiel die Gehirnaktivität beim Lösen von Aufgaben misst, müssen die Versuchspersonen in die Uniklinik. Den Potemkin-Tomographen hat das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in seinem Neubau aufgestellt, um die Kinder an die Testsituation zu gewöhnen. Denn auch wenn die Untersuchung nicht weh tut, ist sie doch manchem unheimlich, und verängstigen wollen die Forscher ihre jungen Probanden auf keinen Fall.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vielmehr sollen sie sich bei den Wissenschaftlern so wohl fühlen, dass sie gerne wiederkommen. Entsprechend freundlich, mit gemütlichen Sitzen, Stofftieren und Spielen, ist das Wartezimmer vor den Testlaboren ausgestattet. Wahrscheinlich werden auch die Institutsforscher selbst ihren Arbeitsplatz gerne aufsuchen: Das mittlerweile fast komplett bezogene Gebäude auf dem Frankfurter Westend-Campus, das als erstes Leibniz-Institut eine eigene Kita für Mitarbeiterkinder bekommt, ist innen hell und übersichtlich gestaltet und von außen ein Blickfang – allein schon durch seine Ausmaße: Mit knapp 50 Metern ist es derzeit das mit Abstand höchste Bauwerk auf dem Uni-Gelände. Teil der Universität ist die Einrichtung, die bisher Deutsches Institut für internationale pädagogische Forschung hieß, allerdings nicht. Wie der neue Name deutlich macht, gehört sie zur Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss von Forschungsstätten mit großer gesellschaftlicher Bedeutung, die von Bund und Ländern gemeinsam gefördert werden. Hessen und der Bund haben sich die Neubaukosten von 42,9 Millionen Euro geteilt, und gemeinschaftlich finanziert ist auch das Grundbudget des Instituts, das laut seinem stellvertretenden Direktor Marc Rittberger bei 18 Millionen Euro im Jahr liegt.

          Neubau auf dem Uni-Campus Westend

          Mit diesen Zuschüssen sowie weiteren neun Millionen Euro Drittmitteln widmen sich die rund 300 Institutsbeschäftigten vielerlei Projekten der empirischen Bildungsforschung. Experimentelle Lernstudien gehören ebenso dazu wie die Mitarbeit an internationalen Erhebungen wie Pisa, für welche die Frankfurter zum Beispiel Fragebögen erarbeiten. Gleichzeitig sieht sich das Institut als Dienstleister: Es sammelt Informationen zum Thema Bildung wie etwa Lernstudien, bewertet deren Aussagekraft und stellt seine Erkenntnisse Forschern, Lehrern und Politikern zur Verfügung. Während die Forschung des Instituts sich vor allem auf die frühkindliche und schulische Bildung konzentriert, wird der Service-Auftrag nach Rittbergers Worten umfassender verstanden. So stelle das Institut die technische Infrastruktur für Tests der Bundesagentur für Arbeit bereit, mit denen sich die beruflichen Fähigkeiten gering qualifizierter Zuwanderer ermitteln ließen.

          Für all diese Aufgaben ist die mit dem Umzug hergestellte räumliche Nähe zur Goethe-Universität ein großer Vorteil, wie der Vizedirektor meint. Schließlich hat das Institut mit vier Fachbereichen der Hochschule gemeinsam Professuren besetzt. Psychologen und Erziehungswissenschaftler der Uni können jetzt auf dem kurzen Dienstweg bei ihren Leibniz-Kollegen vorbeischauen oder sich mit ihnen zum Mittagessen im Casino verabreden.

          Willkommen sind in den Räumen des Instituts aber nicht nur Mitarbeiter der Uni, sondern auch deren Studenten und überhaupt alle, die Interesse an Bildungsforschung haben: Die 180.000 Bände umfassende Bibliothek im Neubau ist von 8.30 bis 17 Uhr öffentlich zugänglich. Zu ihr gehört die „Frankfurter Lehrerbücherei“, in der sich Referendare ebenso wie Rektoren mit schulpraktischen Werken versorgen können.

          Anziehend könnte die Bibliothek auch auf manchen Jura- oder Politikstudenten wirken, der ein stilles Plätzchen zum Lernen sucht, wie ihr Leiter Simon Rettelbach ahnt. Zugangskontrollen solle es aber nicht geben, zumal mit dem Umzug die Zahl der Arbeitsplätze deutlich erhöht worden sei. „Wenn der Andrang zu groß wird, können wir immer noch ein kleines Kontingent für die internen Nutzer reservieren.“

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