https://www.faz.net/-gyl-9a7xp

Bildbetrachtung : Junger Mann vom jungen Rembrandt?

Erstmals nach 44 Jahren wurde dem Meister des niederländischen Barocks wieder ein neu entdecktes Gemälde zugeschrieben - eine Bildbetrachtung.

          4 Min.

          Ein Gemälde eines jungen Mannes, das vor anderthalb Jahren in einem Londoner Auktionshaus als „Rembrandt-Schule“ ersteigert worden ist, wurde nun von dem Amsterdamer Kunsthändler Jan Six und von Ernst van de Wetering, dem ehemaligen Leiter des „Rembrandt Research Project“ und einem der weltweit führenden Experten für Rembrandt, als Werk des niederländischen Barockmalers identifiziert. Es wäre damit das erste unbekannte Gemälde, das Rembrandt seit 1974 neu zugeschrieben wird.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Der Künstler des „Porträts eines jungen Mannes“, das 95 mal 75 Zentimeter misst, setzt auf ein mächtiges dunkles Körpergebirge einen kleinen Kopf: Es wirkt, als verstecke sich unter dem schwarzen Mantel des Edelmanns noch eine zweite Person und als sorge deren Haupt für die unmotivierte Ausbuchtung auf der Schulter des Porträtierten. Selbst bei Betrachtung der Reproduktion fällt auf, dass das fleischige Gesicht mit kartoffeliger Nase und ebensolchem Kinn ausdruckslos ins Leere starrt; viel zu viel haarspalterisch feingemalte Lockenpracht fällt vor allem links, trotz Schulter dazwischen, stoisch vertikal. An mehreren Stellen wurde das Haar mit dem undifferenzierten Hintergrund-Graublau zudem wieder übermalt, etwas, was Rembrandt nur selten machte.

          Zweit- bis drittklassiges Schulwerk

          Geradezu erschreckend ungelenk aber ist der helle Lederhandschuh, dessen Fingerspitzen gummihaft herabhängen und an dem der kleine Finger im Gegensatz zum wurstigen Zeigefinger wie ein fühllos abgerissenes Barockkommodenbein baumelt. Könnte man den Handschuh und die lediglich summarisch gegebenen Mantelfaltengebirge auf einen schlechten Erhaltungszustand oder eine Überrestaurierung schieben, zeigt sich gerade in dem kleinlich, mit allen Details wie eingeklöppelten Kannen und Vasen, gemalten Spitzenkragen in Blütenweiß, dass dies nicht zutreffen kann.

          Jan Six entdeckte das Gemälde bei einer Auktion bei Christie’s in London und kaufte das Werk, undatiert und ohne Signatur, erst vor achtzehn Monaten. Es soll Spezialisten zufolge aufgrund des damals modischen Spitzenkragens um das Jahr 1634 entstanden und Teil eines großen Doppelporträts sein. Six argumentiert in seinem Buch „Rembrandt’s Portrait of a Young Gentleman“, das soeben auf Niederländisch und Englisch erschienen ist, naturgemäß für die Echtheit seines Bildes. Er skizziert darin die Provenienzgeschichte und technische Untersuchung des Gemäldes, die seiner Meinung nach beweisen sollen, dass es nicht von einem der Schüler oder Anhänger Rembrandts, sondern von des achtundzwanzigjährigen Meisters eigener Hand gemalt wurde. Darüber hinaus pflichten ihm fünfzehn weitere Konservatoren und Kunsthistoriker aus den Niederlanden und dem Ausland bei, dass das Ölgemälde von Rembrandt selbst stamme.

          Weitere Themen

          Windows für Roboter

          FAZ Plus Artikel: Gründer-Serie : Windows für Roboter

          Jeder soll Roboter mit Hilfe von Bewegungen programmieren können – das ist der Ansatz von Wandelbots aus Dresden. Die Ziele des Start-ups sind überaus ambitioniert.

          Gestohlenes Klimt-Werk nach 20 Jahren wieder aufgetaucht Video-Seite öffnen

          Sensationsfund : Gestohlenes Klimt-Werk nach 20 Jahren wieder aufgetaucht

          Ein durch Zufall gefundenes Gemälde wurde als das vor mehr als 20 Jahren gestohlene Werk von Gustav Klimt "Bildnis einer Frau" identifiziert. Das Gemälde wurde im Dezember in der Außenmauer eines italienischen Museums in Piacenza entdeckt. Nun bestätigt die Museumsleitung, dass es sich bei dem Fund tatsächlich um das Original handelt.

          Topmeldungen

          Digitalkonferenz DLD : Die neuen Entdecker

          Geographisch ist die Welt erkundet. Nun liegt es an den Nerds, die Menschheit dorthin zu bringen, wo sie noch nicht war. Dabei hat die Informatik im einundzwanzigsten Jahrhundert ihre Unschuld endgültig verloren.
          Siemens-Chef Joe Kaeser auf einer Konferenz mit Klimaaktivisten in Berlin.

          Nach Wirbel um Siemenstechnik : Manager im Greta-Strudel

          An Siemens lässt sich studieren, wie schwer sich Manager mit politischen Protesten tun. Und wie leicht es sich Aktivisten der Klimabewegung machen. Davos wäre eine Gelegenheit zur Besinnung.
          Der amerikanische Präsident Donald Trump zwischen dem Vizepräsidenten Mike Pence (rechts) und Chinas Chefunterhändler Liu He (links) in Washington.

          Zusatzzölle : Trump verrechnet sich im Handelskrieg

          Die vom amerikanischen Präsidenten verhängten Zölle hatten nicht die Wirkungen wie von ihm erhofft. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesbank in einem neuen Bericht. Für viele seiner Wähler ist das eine schlechte Nachricht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.